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Joshua Kimmich Northern Ireland European Championship 21062016Getty Images

Joshua Kimmich: Etwas mehr Dani Alves

Potenzial nach oben, hatte Benedikt Höwedes gesagt, gebe es immer, insbesondere im Spiel nach vorne. "Ich bin aber kein gelernter Außenverteidiger wie Dani Alves", gab der Schalker gegenüber dem ARD-Hörfunk zu bedenken. Seine Defensivaufgaben hat Höwedes bei der EM bislang gut gelöst, offensiv kam von ihm aber zu wenig. Also setzte Joachim Löw im letzten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Nordirland auf Joshua Kimmich. Der ist zwar auch kein gelernter Außenverteidiger, allein von seinem Spielerprofil her aber deutlich eher für diese Position prädestiniert.

Löw hatte sich von dieser Maßnahme mehr Power im Spiel nach vorne versprochen. Und er wurde nicht enttäuscht. Kimmich präsentierte sich von der ersten Minute an in exzellenter Verfassung. Mit viel Mut und Bereitschaft zum Risiko marschierte der Youngster des FC Bayern den rechten Flügel auf und ab. Nach fünf Minuten flankte er erstmals gefährlich, drei Zeigerumdrehungen später ließ er sich von Jerome Boateng bedienen, um dann Mesut Özil vor Thomas Müllers Chance in Szene zu setzen.

Überhaupt waren Kimmich und sein Pendant Jonas Hector mehr Flügelstürmer denn Außenverteidiger, standen unheimlich hoch und zogen das Spiel so in die Breite. Eine Bereicherung fürs die Mannschaft. Während Hector gut spielte, darf Kimmichs Leistung getrost als herausragend bezeichnet werden. An etlichen gefährlichen Szenen war er beteiligt. "Joshua ist ein Super-Kerl. Er hat enorme Qualität, ist immer da, wenn man ihn braucht. Er hat seine Sache heute sehr, sehr gut gemacht.", lobte Mario Götze seinen Teamkollegen nach der Partie auf Goal-Nachfrage.

Vor allem mit seinen Flanke beschwörte Kimmich immer und immer wieder Gefahr. So bediente er etwa Gomez zwei Mal mustergültig (23./82) und legte auch Müller eine weitere Großchance auf - dessen Flugkopfball landete am Pfosten (27.). Dass Kimmich zudem am deutschen Führungstreffer beteiligt war, passte schlicht zu seinem überzeugenden EM-Debüt (30.).

Höwedes lobt: "Richtige Entscheidung des Trainers"

Benedikt Höwedes, der später in der Innenverteidigung den angeschlagenen Jerome Boateng ersetzte, lobte den Schachzug des Bundestrainers, auf den jungen Münchner zu setzen. Und zeigte dabei auch, welch grandioser Teamplayer er doch ist. Auf Goal-Nachfrage sagte Höwedes: "Er hat das Spiel absolut belebt und seine Sache klasse gemacht. Es war die richtige Entscheidung des Trainers, mit Jo die offensivere Variante zu wählen. Er hat viel für das Spiel getan, war gefährlich und hat gute Flanken geschlagen."

Kimmich spielte unbekümmert, aufmerksam, abgezockt, und erinnerte dabei an den jungen Philipp Lahm. Wie eben Lahm hat er diese Gabe, in nahezu jeder Situation instinktiv das richtige zu machen. Ob es nun der Diagonalball über das gesamte Feld, der präzise Kurz- oder der überraschende Steilpass ist. Auch unter Druck blieb Kimmich bemerkenswert ruhig.

"Ich würde mich nicht mit Philipp Lahm vergleichen, der schon alles in seinem Leben gewonnen hat. Er hat eine Wahnsinns-Karriere hingelegt. Um dahin zu kommen, fehlt noch Einiges", hatte Kimmich im noch im Mai exklusiv gegenüber Goal gesagt. Der 21-Jährige ist auf einem sehr guten Weg dorthin. 

Lahm habe "eine unheimliche Spielintelligenz wie nur wenige andere. Dazu ein super Passspiel, immer mit dem Auge für die Mitspieler", schwärmte Kimmich damals. Eigenschaften, die auch auf ihn selbst zutreffen. Der Youngster brachte 87 Prozent seiner oftmals durchaus riskanten Zuspiele zum Mitspieler, er gewann starke neun seiner 15 Zweikämpfe und flankte ganze neun Mal, meistens gefährlich. 

Defensiv muss sich Kimmich noch in der Außenverteidiger-Rolle beweisen

Es ist nur schwer vorstellbar, dass Kimmich in den kommenden Spielen wieder auf die Bank sitzt. Ob der Rechtsverteidiger Kimmich indes auch Flügelstürmer der Kategorie Weltklasse stoppen kann, darüber gab die Partie gewiss keinen Aufschluss. Aber auch das ist diesem Überflieger aus Rottweil zuzutrauen.

"Wenn ich den Platz räumen müsste, wäre das für mich kein großes Drama", hatte Höwedes vor der Partie gesagt: "Manchmal muss man für gewisse Spiele umstellen. Und wenn für das Nordirland-Spiel ein anderer Spielertyp gefragt ist, dann kann ich auch mal auf der Bank Platz nehmen, das ist kein Problem. Da bin ich ein totaler Teamplayer. Es geht um den Mannschaftserfolg, wir wollen möglichst Europameister werden."

Nach Kimmichs starker Performance ist es gut möglich, dass sich der Schalker demnächst häufiger unterordnen muss. Sein Mannschaftskollege ist zwar auch kein gelernter Außenverteidiger, dessen Spielweise ähnelt der von Dani Alves aber schon deutlich eher als die von Höwedes.

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