Pellè Insigne Italy Spain Euro 2016Getty Images

Italiener selbstbewusst: "Deutsche müssen sich echte Sorgen machen"

Vergnügt wie kleine Kinder sprangen Italiens Fußball-Helden in ihren Kabinenpool, sie bespritzten sich gegenseitig mit Wasser und alberten herum. Einige Minuten Ausgelassenheit gönnten sich die gesetzten Herren nach ihrem Achtelfinal-Coup gegen Spanien - dann nahmen sie ganz ernst den Weltmeister ins Visier.

"Wir brauchen gegen Deutschland wieder diese Hingabe. Wir müssen etwas Außergewöhnliches in uns finden, um zu bestehen!", forderte Trainer Antonio Conte vor dem EM-Viertelfinale gegen die DFB-Elf am Samstag (21.00 Uhr im LIVE-TICKER) in Bordeaux.

Spätestens mit dem 2:0 (1:0) gegen den Europameister ist bei der Squadra Azzurra das Selbstvertrauen zurück. Respekt vor Deutschland? Ja. Furcht? Von wegen! "Das ganze Land steht hinter uns und drückt uns die Daumen, das ist vielleicht schon der größte Erfolg", sagte Conte, der sein Team nicht in der Favoritenrolle sieht: "Auf dem Papier wird es sehr schwer, aber niemand beginnt schon geschlagen. Wir kommen jetzt ins Rollen und müssen nach diesem Sieg hungrig auf noch mehr bleiben."

Dass Italien für das DFB-Team der Angstgegner schlechthin ist, interessiert Conte wenig. "Jetzt fängt das Turnier neu an. Wir werden eine absolut perfekte Vorstellung brauchen, da zählt die Vergangenheit nicht", betonte der 46-Jährige. Kein einziges Mal siegte Deutschland bei Welt- oder Europameisterschaften bislang gegen die Azzurri, zuletzt setzte es im Halbfinale der EM 2012 eine bittere Pleite (1:2).

"Die Deutschen müssen sich echte Sorgen machen", schrieb dementsprechend die Gazzetta dello Sport. Der Corriere dello Sport titelte: "Deutschland, du machst uns keine Angst." Und Tuttosport forderte: "Jetzt heißt es, gegen Deutschland ein weiteres Wunder zu vollbringen."

Daran arbeitete Conte am sonnigen Dienstagmorgen beim Training im Teamquartier in Montpellier akribisch. "Wir werden auf alles vorbereitet sein. Gegen Deutschland ist ein gigantisches Spiel gefragt - und wir können nicht nur Catenaccio und Konter", sagte Conte.

Vorbereitungs-Pleite war der Knackpunkt

Dass die Italiener gegen die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw im März in München mit 1:4 unter die Räder kamen, sei ein Knackpunkt in der Vorbereitung gewesen. "Viele Leute vergessen das. Wir hatten danach den Glauben an uns verloren. Jetzt bekommen wir dieses Vertrauen langsam wieder", sagte Conte, der von den italienischen Medien für sein "taktisches Meisterwerk" gegen den Titelverteidiger gefeiert wurde.

Das Erfolgsgeheimnis ist für ihn dabei sehr simpel. "Wir sind einfach eine Mannschaft, nicht nur ein paar Spieler, die zusammenspielen müssen", sagte Conte. Große Stars gibt es nach dem Rücktritt von Andrea Pirlo und der Ausbootung von Mario Balotelli nicht mehr, es zählt nur das Kollektiv. Conte sagt ganz offen: "Es ist sicher nicht die beste Phase für Fußballtalente in Italien, wir haben nicht die besten Spielern zur Auswahl, das müssen die Leute verstehen."

In seinen beiden Jahren im Amt hat es Conte aber geschafft eine Einheit zu formen, die bedingungslos kämpft. Um jeden Ball, um jeden Zentimeter. Nach den Treffern von Giorgio Chiellini (33.) und Graziano Pelle (90.+1) jubelten ohne Hemmungen alle gemeinsam. "Wir sind einfach eine richtige Mannschaft", sagte Keeper Gianluigi Buffon, der auch mit 38 noch zwischen den Pfosten glänzt.

Allerdings plagen die Italiener auch Sorgen. Daniele De Rossi droht mit einer Hüftverletzung auszufallen, womöglich muss Conte deswegen sogar sein System umstellen. Außerdem fehlt Thiago Motta am Samstag wegen einer Gelbsperre. "Es gibt einige Hürden für uns zu nehmen. Aber wenn es für uns schwer wird, können wir immer noch etwas drauflegen", sagte Conte.

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