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In Frankreich für immer ein Held: Zinedine Zidane

18:51 MESZ 06.07.16
Zinedine Zidane Real Madrid 02272016
Der derzeitige Trainer von Real Madrid drückt seinen Landsleuten die Daumen. Seine eigene Karriere und seine Erfolge mit der Equipe sind unvergessen. Die Grande Nation liebt ihn.

Zinedine Zidane ist allgegenwärtig. Immer noch. Auch zehn Jahre danach. Im Fernsehen laufen die Bilder von seinem unrühmlichen Abgang am 9. Juli 2006 in Berlin - wie die seiner Tore bei bei der WM 1998. Die Straßenhändler in Paris verkaufen Trikots mit seinem Namen. In den Wohnungen hängen Poster der Ikone des französischen Fußballs. Zidane, der die Equipe Tricolore vor 18 Jahren zum WM-Triumph und zwei Jahre später zum EM-Sieg geführt hat, wird in Frankreich verehrt wie eh und je.

Dass die Erben Zidanes nun endlich aus seinem Schatten treten können, macht den dreimaligen Weltfußballer nicht eifersüchtig - ganz im Gegenteil. Vor dem Halbfinale am Donnerstag in Marseille (21.00 Uhr im LIVE-TICKER) gegen Weltmeister Deutschland ist auf der Instagram-Seite von "Zizou" ein französisches Fahnenmeer zu sehen - mit einer eindeutigen Aufforderung: "Allez les Bleus!"

Frankreichs Heimvorteil

Was der 108-malige Nationalspieler damit meint, ist klar: Die Mannschaft um Paul Pogba und Antoine Griezmann soll die Tradition fortsetzen. Bei der dritten Endrunde im eigenen Land soll der dritte Titel her - so wie 1984 (EM) und 1998 (WM). "Es ist eindeutig ein Vorteil, zu Hause zu spielen. Daraus entsteht kein zusätzlicher Druck", sagte Zidane zu Turnierbeginn: "Die Fans sind der zwölfte Mann - das war schon immer so."

Und Zidane weiß, wovon er spricht. Vor 18 Jahren verzückte der Sohn algerischer Einwanderer die Anhänger mit seiner Eleganz, seiner Übersicht und seinen Toren so sehr, dass der Weg zum Titel am Ende einem Triumphmarsch gleich kam. Ganz Frankreich lag dem Spielmacher, der im Finale gegen Brasilien (3:0) zweimal traf, zu Füßen - und tut es immer noch.

WM-Team von 1998 ist allgegenwärtig

Für die aktuellen Protagonisten der Blauen ist die Verehrung für Zidane allerdings ein Bürde. Pogba und seine Teamkollegen müssen damit umgehen, dass sie mit dem großen Idol verglichen werden. Dafür sorgen auch Zidanes Mitspieler aus früheren Tagen. Schließlich verdienen sich Youri Djorkaeff, Bixente Lizarazu, Lilian Thuram, Marcel Desailly und Frank Leboeuf mittlerweile als TV-Experten ein paar Euro dazu.

Das hat Zidane nicht nötig. Wie schon zu seinen aktiven Zeiten ist der Erfolg ein ständiger Begleiter des 44-Jährigen. Nur fünf Monate nach seinem Amtsantritt als Trainer von Real Madrid im Januar gewann Zidane mit den Königlichen die Champions League. Das gelang ihm natürlich auch Spieler. In seiner aktiven Zeit hat Zidane alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

Weltmeister, Europameister, Champions-League-Sieger, UEFA-Cup-Sieger, Weltpokalsieger, Weltfußballer, Europas Fußballer des Jahres, italienischer Meister, spanischer Meister - all das steht auf der Visitenkarte Zidanes, der in seinen 18 Profijahren (zwischen 1988 und 2006) nur für vier Klubs (AS Cannes, Girondins Bordeaux, Juventus Turin und Real) gespielt hat.

Unrühmliches Karriereende

Dass er seinen einzigen echten Tiefpunkt ausgerechnet am Ende seiner aktiven Laufbahn erleben musste, ärgert Zidane allerdings heute noch. "Ich bin nicht stolz darauf, was 2006 passiert ist. Das hätte nicht passieren dürfen", sagte er vor drei Wochen - und meinte damit seinen Kopfstoß gegen der Italiener Marco Materazzi im verloren WM-Finale von Berlin: "Ich vermittle meinen Spielern, was ich daraus gelernt habe: Sie sollen nicht tun, was ich getan habe."

Doch obwohl sich Zidane selbst nicht verzeihen kann - Frankreich hat es längst getan.