Tomas Rosicky ist es leid. Die Fragen nach seiner Fitness gehen dem kleinen großen Maestro gehörig auf die Nerven. "Wie ich mich fühle? Alles ist in bester Ordnung. Ich bin bereit", sagt der Tscheche vor dem EM-Auftakt gegen Titelverteidiger Spanien am Montag in Toulouse (15.00 Uhr im LIVE-TICKER).
Früher in Dortmund nannten sie Rosicky wegen seiner schmächtigen Statur liebevoll "Schnitzel". Mittlerweile ist er 35 Jahre alt, die EURO in Frankreich soll sein letztes Hurra werden, doch ganz Tschechien bangt: Spielt sein Körper wirklich mit? "Wenn er fit ist, ist er unser bester Mann", sagt Trainer Pavel Vrba über seinen Kapitän. Wenn.
Rosicky: "Schwierigstes Jahr"
Rosicky schwebte schon immer zwischen Triumph und Tränen. Verletzungen stoppten ihn regelmäßig. Als Klubkollege von Weltmeister Mesut Özil stand er in der vergangenen Saison beim FC Arsenal nur 19 Minuten auf dem Platz, von einer Knieoperation im August genesen, verletzte sich der "kleine Mozart" im Januar schwer am Oberschenkel. "Es war das bisher schwierigste Jahr für mich", sagt Rosicky.
Seit 2000 dirigiert der zerbrechliche Rosicky im tschechischen Mittelfeld - da ging der deutsche Shootingstar Leroy Sané noch in den Kindergarten. Jetzt spielt der Oldie seine vierte EM und soll wieder der Boss bei den Tschechen sein. "Er ist voller Energie und will allen zeigen, was er kann", sagt Vrba.
Der Mann für den besonderen Pass
In seinen guten Momenten zeigt Rosicky noch immer sehr viel. Klar, er ist nicht mehr der Schnellste. Aber er ist der Mann für die besonderen Momente, für den besonderen Pass. Dass er nicht mehr 90 Minuten über den Platz hetzen kann - geschenkt. Dafür haben die Tschechen ja noch Vladimir Darida von Hertha BSC.
Arsenal-Trainer Arsene Wenger scheint es fast zu bereuen, dass Rosicky London nach zehn Jahren verlässt. "Es ist ein Privileg, mit ihm gearbeitet zu haben", sagt der Franzose. Wenger weiß um die Fähigkeiten des Pragers. Und in den letzten Tests vor dem Ernstfall gegen Spanien deutete Rosicky diese zur Erleichterung der Tschechen auch wieder an. In drei Partien stand er immerhin 244 Minuten auf dem Platz, erzielte beim 2:1 gegen Russland sogar ein Tor.
Nun, auf seine alten Tage, der Abschied von der ganz große Bühne. "Wir wollen zeigen, dass es falsch ist, uns zu unterschätzen", sagt Rosicky. Er ist bereit.
