Wenn das Ende für Zlatan Ibrahimovic schon nah zu sein schein, gibt er sein Bestes, um es zu verschieben. Eigentlich schien diese Saison eine Art verlängerte Abschiedstour für den Stürmer zu werden. Paris Saint-Germain wird einen weiteren Ligue-1-Titel einfahren und sein Vertrag auslaufen. Vor dem Playoff-Hinspiel gegen Dänemark ließ er zudem durchblicken, dass eine Niederlage seine Nationalmannschaftskarriere wohl beenden würde.
Es ist wahrscheinlich, dass sich Ibrahimovic für einen erneuten Vereinswechsel entscheidet. Ein absoluter Top-Klub kommt jedoch nicht in Frage. Viel mehr wird über einen Transfer zum AC Milan spekuliert, der sich in den vergangenen Jahren aus Europas Spitze verabschiedet hat.
Mit Blick auf seine persönliche Statistik will der exzentrische Schwede aber nicht als Auslaufmodell abgestempelt werden: "Meine Statistiken sind besser als früher. Wenn ich also alt bin und schwach werde, aber trotzdem solche Zahlen auflege - stellt euch vor, was ich machen würde, wenn ich gut und jung wäre. Was ich momentan leiste ist genug. Ich kann also alt und schwach sein, aber trotzdem spielen. Also bin ich glücklich, weiter machen zu können."
Viel von dem, was Ibrahimovic sagt - auf der gleichen Pressekonferenz erklärte er, dass er Schweden und Frankreich weltbekannt gemacht habe - hat großen Unterhaltungswert, doch nicht sonderlich viel Inhalt. Am Dienstag ließ er schließlich große Taten für sich sprechen, zunächst jedenfalls.
GoalGala gegen Dänemark
Schweden ist nicht mehr als eine Durchschnittsmannschaft. Sie ging dank eines Ibra-Elfmeters mit einem 2:1-Vorsprung ins Rückspiel der Playoffs. Das entscheidende Duell in Kopenhagen begann und endete denkbar schlecht. Zwischendrin aber dominierte Ibrahimovic, als bester Mann auf dem Platz, nach Belieben. Aus dem Nichts brachte er seine Mannschaft nach Vorlage von Kim Kallström in Führung.
Was danach folgte, war magisch. Einen Freistoß aus circa 30 Metern hämmerte der Superstar genau in den Winkel. Die Flugkurve war derart kurios, dass es so aussah, als würde der Versuch auf der Tribüne landen. "Ibrakadabra" brachte den Ball jedoch wie aus Zauberhand im Tor unter. Danach sorgte er wie gewohnt verbal für Überschriften.
"Die Dänen sagten, sie wollen mich in Rente schicken", erklärte er nach dem Spiel, das 2:2 endete und Schweden das EM-Ticket sicherte. "Ich habe eine ganze Nation in Rente geschickt! Es ist mein Schicksal, bei der EM 2016 abzuschließen. Viele Leute haben gesagt, ich sei zu alt und schwach, doch ich glaube, es sieht nicht so schlecht aus", sagte Ibrahimovic bei Kanal5.
In zehn Länderspielen im Kalenderjahr 2015 traf Ibrahimovic elf Mal. Oft wird ihm vorgeworfen, in den großen und wichtigen Begegnungen zu versagen. Seine jeweils zwei Tore bei der EM 2008 und 2012 sprechen jedoch eine andere Sprache. Vier seiner acht Treffern, die er in der EM-Quali vor den Playoffs erzielte, waren zudem wichtige Führungstreffer - das sind mehr als beispielsweise Thomas Müller. Ähnlich wichtig für ihr Land waren sonst nur der Waliser Gareth Bale und Robert Lewandowski in der polnischen Nationalmannschaft.
getty ImagesIn der Vergangenheit waren Nationalmannschaften für ihren eigenen Stil und ihre eigene Spielweise bekannt: Die Deutschen waren Arbeiter und gut organisiert, die Engländer spielten mit Leidenschaft und Aggressivität, waren qualitativ jedoch nicht so gut besetzt. Die Holländer waren oftmals zu schlau für sich selbst.
Heutzutage beugt sich das Spiel der Globalisierung. Die nationalen Liegen werden mit ausländischen Spielern überflutet, die Unterschiede sind weitestgehend verschwunden. Jeder will sein wie Deutschland, Spanien oder eben das Team, das gerade am meisten Erfolg hat. Was den interntionalen Fußball wirklich international macht und einzelne Nationen voneinander abhebt, sind eine kleine Gruppe von Individualisten in den Teams.
Da wären Müller, Andres Iniesta, Paul Pogba und Gianluigi Buffon, jeder von ihnen verkörpert die Werte seines Teams. Ibrahimovic mag vielleicht nicht mehr viel Zeit haben, mit seinem atemberaubenden Freistoß demonstrierte er aber, dass er noch immer dazugehört. Er zlataniert noch.





