Hakan Calhanoglu Turkey Austria 03292016Getty

Hakan Calhanoglu: Auf die Reife folgt die Ernte

Sir Peter Ustinov war Schauspieler, Schriftsteller und Kosmopolit. Besonders bekannt war der Brite, der im Jahr 2004 verstarb, für seinen Scharfsinn. Er sagte einmal: "Es ist von grundlegender Bedeutung, jedes Jahr mehr zu lernen als im Jahr davor." Ein Satz, der auf die letztjährliche Entwicklung von Hakan Calhanoglu durchaus zutrifft.

Der 22-Jährige, der vor rund zwei Jahren als Standardspezialist und Rohdiamant unter großem Medien-Rummel vom Hamburger SV zu Bayer Leverkusen wechselte, hat in der abgelaufenen Saison durchaus einen Sprung nach vorne gemacht. Nicht unbedingt auf den ersten, den statistischen Blick, dafür hinsichtlich seiner Flexibilität und Spielanlagen.

Acht Tore sowie elf Vorlagen steuerte der gebürtige Mannheimer in der vergangenen Spielzeit in 46 Pflichtspielen für die Werkself bei. Fünf Treffer weniger bei gleicher Anzahl an Assists im Vergleich zur Vorsaison. Dennoch eine akzeptable Bilanz - beachtet man, dass Calhanoglus Wert für das Team gestiegen ist.

Der Türke, der ab kommender Woche mit seinem Heimatland bei der EM in Frankreich für Furore sorgen will, spielte zwar nicht so auffällig wie gewohnt, schoss weniger sehenswerte Freistoßtreffer als sonst, stellte sich aber dafür in den Dienst der Mannschaft.

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In einer Phase, in der es für die Rheinländer alles andere als rund lief, was hauptsächlich auf enormes Verletzungspech zur Mitte der Rückrunde zurückzuführen war, konnte sich Trainer Roger Schmidt auf seinen "Zehner" verlassen. Aus der Not geboren stellte der Bayer-Trainer den polarisierenden Edeltechniker mal auf die Außenpositionen, mal ins defensive Mittelfeld. Kampf und die plötzliche Verantwortung, Defensivaufgaben wahrnehmen zu müssen, statt Streicheleinheiten für den Ball.

Calhanoglu hat seine neue Rolle angenommen. Er löste sie nicht überragend, aber solide. Schmidt honorierte die Entwicklung des 19-fachen türkischen Nationalspielers, ernannte ihn zum zwischenzeitlichen Aushilfskapitän und begründete seine Entscheidung damals wie folgt: "Hakan ist bereit, in jedem Spiel für die Mannschaft Verantwortung zu übernehmen."

Mit Terims Vertrauen auf die große Bühne

Auch Fatih Terim, Trainer der Ay-Yildizlilar ist der Reifeprozess seines Hoffnungsträgers nicht entgangen. Der 62-Jährige baut auf den Mittelfeldmann der Leverkusener. In den vergangenen vier Testspielen bekleidete Calhanoglu gleich drei verschiedene Positionen - stand dabei stets in der Startelf.

Gegen Slowenien und Österreich wurde er nominell auf der rechten Außenbahn eingesetzt, gegen die Auswahl Englands spielte er auf links und erzielte bei der 1:2-Niederlage die zwischenzeitliche Führung für die Türken. Beim 1:0-Erfolg über Montenegro zog der Ex-Karlsruher die Fäden aus der Zentrale.

Ob Calhanoglu im ersten Gruppenspiel gegen Kroatien (So., 15 Uhr im LIVE-TICKER) auf rechts, links oder in der Mitte ran darf, scheint noch nicht gewiss. Voraussichtlich plant ihn sein Trainer jedoch auf einer der beiden vakanten Außenpositionen ein.

Das Turnier in Frankreich ist für Calhanoglu die perfekte Bühne, sich für größere Aufgaben zu empfehlen. Gelingt es ihm, das in der vergangenen Saison geschärfte Defensivverhalten auszubauen, seine bereits nachgewiesene Torgefahr wiederzufinden und diese Qualitäten in Einklang zu bringen, winkt ihm eine große Zukunft. Dass er lernfähig ist, jedes Jahr mehr und mehr dazulernt, dürfte dabei eine wichtige Erkenntnis sein. 

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