Dauerregen, später Anstoß, latente Angst vor Anschlägen: Es gab mehrere Gründe, warum etliche Public-Viewing-Partys in Deutschland zum EM-Auftakt noch nicht richtig in Schwung kamen. Des einen Leid, des anderen Freud': Die ARD bekam für die Übertragung des 2:0 (1:0) gegen die Ukraine eine gigantische TV-Quote. 26,57 Millionen Zuschauer sahen den Sieg der Weltmeister - mehr als je zuvor bei einem deutschen EM-Start.
"Es ist schade, dass alle Fanpartys unter dem schlechten Wetter gelitten haben", sagte dagegen Dennis Kessmeyer, Veranstalter des Events in der Düsseldorfer Altstadt. 1000 Fans wollten den deutschen Sieg auf dem Marktplatz miterleben - 4000 hätten Platz gefunden. Beim zweiten Gruppenspiel gegen Polen am Donnerstag (21.00 Uhr im LIVE-TICKER ) soll es besser werden. "Die Partie hat mehr Brisanz, und vielleicht ist auch das Wetter besser", hofft Kessmeyer.
Gähnende Leere in Dortmund
Auf dem Dortmunder Friedensplatz blieb ebenfalls der große Run aus. Dort, wo sonst mehr als 10.000 Fans die BVB-Erfolge bejubeln, verfolgten gerade mal 1500 Anhänger die Tore von Shkodran Mustafi und Bastian Schweinsteiger. Der Leipziger Wilhelm-Leuschner-Platz erwies sich auch nicht als Besuchermagnet. "Es hat sich in Grenzen gehalten, auch die Ausschreitungen", sagte eine Polizeisprecherin.
Hotspot aller Feierlichkeiten war wieder die Straße des 17. Juni in Berlin. "Zehntausende von Fußballfans" feierten laut Veranstalter vor dem Brandenburger Tor, konnten aber die Resonanz früherer Großevents nicht bestätigen. Mit Masken, Fahnen und Papierketten in schwarzrotgold sorgten die meist jugendlichen Anhänger für gute Stimmung. Die verschärften Kontrollmaßnahmen an den Eingängen wegen der besonderen Gefahrenlage ließ das Party-Volk geduldig über sich ergehen.
Zuschauerflaute in Berlin
Berlin erlebte aber auch einen Tiefpunkt. Eine Gruppe Rechtsradikaler hatte sich auf der Fanmeile unters Volk gemischt. Wie die Polizei bestätigte, soll eine Person den Hitlergruß gezeigt haben. "Wir haben das Foto vorliegen und ermitteln jetzt. Womöglich werden wir Anzeige erstatten", sagte ein Polizeisprecher.
Auf Berlins Prachtmeile Kurfürstendamm wurden im Anschluss viele Autos von Fußballfans ausgemacht, von einem Korso wollte die Polizei aber nicht sprechen. Weitgehend friedlich verlief auch das "Rudelgucken" der türkischen Fußball-Fans am Nachmittag zur 0:1-Niederlage gegen Kroatien. Viele Fans hatten sich in rote Fahnen eingerollt oder besetzten in roten Trikots die Cafes und Kneipen der Stadt.
Gute Stimmung in Frankfurt
In Frankfurt feierten rund 10.000 Zuschauer in der WM-Arena. Die Stimmung war sehr gut, besonders Keeper Manuel Neuer wurde mit Sprechchören gefeiert. Lokalmatador und Ex-Eintracht-Frankfurt-Coach Dragoslav "Stepi" Stepanovic warnte: "Wir hatten Glück. Das muss noch viel besser werden."
Das Hamburger Heiligengeistfeld erlebte einen guten Start. 15.000 Zuschauer trotzten dem kalten Wetter und feierten das deutsche Team vor der Riesenleinwand. Als der in der 89. Minute eingewechselte Schweinsteiger den Sieg mit einem zweiten Tor besiegelte, machte ein Gast seiner Vanessa spontan einen Heiratsantrag - mit Erfolg. In München sorgten nur rund 1800 Fans im Olympiapark für einen eher ernüchternden>

