"Warum sollte Josh Maja zu Bordeaux gehen?", fragte Kevin Phillips, Ex-Stürmer von Sunderland, in der Sendung 'The Debate' von Sky Sports am Freitag.
Drei Tage später gab der 20-jährige Londoner, der 15 Tore in 24 League-One-Partien erzielt hatte, seine Antwort, als er als Neuzugang beim Klub aus der Ligue 1 vorgestellt wurde.
"Ich glaube nicht, dass ein Wechsel in die Premier Leauge zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere die beste Entscheidung wäre", erklärte Maja. Ihm war klar, dass es Talente in der obersten englischen Liga traditionell sehr schwer haben. Und ihm wird auch bewusst gewesen sein, dass es England-Youngster wie Reiss Nelson oder Jadon Sancho im Ausland wertvolle Erfahrungen gesammelt und riesige Schritte in ihrer Entwicklung gemacht haben - auch wenn sie nicht nach Frankreich, sondern in die Bundesliga gegangen sind.
Celtic, West Ham und Tottenham waren angeblich auch an Maja dran, doch auch er entschied sich für das Ausland. Bordeaux schnappte sich das Talent für rund vier Millionen Euro.
"Hier habe ich die Möglichkeit, zu spielen. Wenn ich in die Premier League gegangen wäre, hätte ich diese Garantie nicht", erklärte Maja. "Vielleicht hätte man mich sofort wieder verliehen oder ich hätte in der zweiten Mannschaft spielen müssen. Dieser Wechsel war für mich jetzt genau das Richtige", ergänzte er.
Getty ImagesMaja hat zwar noch kein Liga-Spiel für seinen neuen Klub absolviert, aber die Verantwortlichen des Vereins hat er schon mit seiner Reife und seinem überlegten Handeln beeindruckt.
Bevor er seine Entscheidung pro Bordeaux getroffen hat, hat er mit Sicherheit auch mitbekommen, dass sich Spieler wie Malcom, der aktuell für Barcelona aufläuft, und Francois Kamano, der nach drei Jahren bei Girondins mit Klubs wie Monaco, Atletico Madrid und Milan in Verbindung gebracht wird, an der Atlantikküste hervorragend entwickelt haben.
Maja wird auch vermittelt worden sein, dass der Verein bei beiden Star-Spielern Ruhe bewahrt hat. Denn das Duo setzte sich nicht von Anfang an durch, sondern benötigte zunächst Zeit zur Eingewöhnung - und erst dann starteten Malcom und Kamano durch. Aktuell baut Bordeaux darauf, dass auch der nigerianische Nationalspieler Samuel Kalu nun den nächsten großen Schritt macht.
Maja, der ebenfalls nigerianische Wurzeln hat, unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von den Girondins-Talenten der letzten Jahre: Er ist ein echter Mittelstürmer und muss sich deshalb mit dem Routinier Jimmy Briand und dem langen Dänen Andreas Cornelius, der momentan von Atalanta Bergamo ausgeliehen ist, um einen Platz in der Offensivzentrale streiten.
Bei solchen Konkurrenten wird es für Maja schwer werden, sofort Einsatzzeiten zu bekommen, aber Bordeaux sieht in ihm auch eher eine mittel- bis langfristige Lösung. Solange Maja kleine Fortschritte in der zweiten Saisonhälfte macht, sind die Girondins-Verantworlichen mit Sicherheit zufrieden.
Genau mit dieser Herangehensweise unterstützten sie auch Malcom, der schließlich zu Barcelona wechselte. Der Klub geht ein überschaubares Risiko mit Maja ein - und der Stürmer mit seinem Wechsel in die Ligue 1 auch.
"Ich weiß, dass es in der Ligue 1 hart ist. Aber wenn man Stürmer ist, muss man auch manchmal Risiko gehen", sagte Maja. "Das Risiko gehört zu meinem Spiel. Wenn ich erfolgreich bin, werden alle sehen, dass es für mich das Beste war, nach Bordeaux zu gehen", ergänzte er.

Auf den ersten Blick scheinen die Stärken des Engländers genau zu den Anforderungen in Bordeaux zu passen - und auch ideal dafür geeignet zu sein, um sich in Frankreichs erster Liga durchzusetzen.
"Ich schieße gerne Tore. Wenn ich eine Chance habe, dann verwerte ich sie auch meist", sagte Maja. "Ich denke, dass ist meine Hauptwaffe: Ich bin kräftig, ich habe eine gute Ballkontrolle und ich kann dribbeln", beschrieb er sich.
Angesprochen auf seine langfristigen Ziele machte er klar, dass die im Einklang mit seinem gesunden Selbstbewusstsein stehen.
"Mein Traum ist es, in der Champions League zu spielen. Und diesen Traum kann ich mir hier erfüllen", lachte er. "Lasst uns hoffen, dass ich hier die Möglichkeit habe", fügte er hinzu.
Es ist fast schon ein Jahrzehnt her, dass Bordeaux das Viertelfinale der Königsklasse letztmals erreichte und auf dem Weg dorthin auch Bayern München hinter sich ließ. Maja will nun mithelfen, dass solche Erfolg wieder in Bordeaux möglich gemacht werden.
Als aktueller Tabellenzwölfter wird sich dieser Erfolg nicht sofort einstellen. Aber glücklicherweise haben sowohl der Klub als auch der Spieler auf dem Weg dorthin aller Voraussicht nach einen langen Atem.

