Fünf lange Monate verbrachte die AS Monaco auf den Abstiegsplätzen der Ligue 1. Einer Niederlage folgte die nächste – und die Mannschaft befand sich in einer Krise, die viele vorher nicht für möglich gehalten hatten.
Im Januar ergriff der Klub dann drastische Maßnahmen: Für Thierry Henry übernahm erneut Leonardo Jardim den Platz auf der Trainerbank – und auf dem Transfermarkt schlug der Ex-Meister gleich mehrfach zu.
Die wohl wichtigste Entscheidung traf der Klub dabei, als er sich dafür entschied, Gelson Martins von Atletico Madrid auszuleihen.
Seitdem der 23-jährige portugiesische Nationalspieler sein Debüt im Ligapokal-Halbfinale gegen Guingamp gab, das der Klub mit 4:5 im Elfmeterschießen verlor, ist er der personifizierte Lichtblick bei den Monegassen.
GettyBei seiner Premiere im Monaco-Trikot lieferte er zwei Vorlagen, beim anschließenden 2:1-Sieg gegen Toulouse eine weitere – es war der erste Heimsieg des Teams in dieser Saison. Eine Woche später ließ er in Montpellier sein erstes Tor folgen; außerdem verwertete Radamel Falcao den Abpraller seines Schusses zum 2:2-Unentschieden. Das war aber noch nicht alles von Martins, der am vergangenen Wochenende gegen Nantes den Siegtreffer erzielte.
Er regelt nicht alles im Alleingang, aber sein Beitrag ist schon derart entscheidend, dass das Jardim-Team wohl ohne ihn nicht vor dem nun anstehenden Duell mit Lyon vom 19. auf den 16. Tabellenplatz geklettert wäre.
Genau wie sein neuer Verein hatte es auch Martins in der Hinrunde schwer. Er schien noch beeindruckt von all dem Trubel bei seinem Ex-Verein Sporting zu sein, zu dem er als 15-Jähriger gegangen und bei dem er in der Jugend groß geworden war. Dort hatte er nach Unruhen im Klub seinen Vertrag gekündigt - und Atletico war sofort zur Stelle und sicherte sich seine Dienste ablösefrei.
Bei den Spaniern kam er jedoch nur auf zwölf Einsätze, meist von der Bank. Die Leistungen auf dem Platz rechtfertigten dabei in keinster Weise die 100 Millionen Euro, die Sporting einmal ursprünglich für ihn haben wollte.
Deshalb musste für den Mann, der einmal der nächste Cristiano Ronaldo oder Luis Figo in Portugal werden sollte, ein Neuanfang her - und Monaco bot ihm die Gelegenheit.
Die beiden Portugal-Legenden hat er allerdings nicht im Blick, wenn es um seine Vorbilder geht. Er schaut lieber nach Brasilien und ganz besonders auf Robinho.
"Ich habe ihn im Fernsehen gesehen und versucht, all das nachzumachen, was er gemacht hat", sagte Martins im Interview mit dem portugiesischen Verband. "Ich war genauso schnell wie er. Auf der Straße war ich beim Fußballspielen immer er", ergänzte er.
Gelson hat jetzt schon bewiesen, dass er ein würdiger Nachfolger des Brasilianers ist: Er ist im Dribbling ganz stark und besitzt damit eine der Grundvoraussetzungen, um ein hervorragender Flügelspieler zu werden. Dazu kommen sein Tempo und seine Beweglichkeit, die ihn für die meisten Gegenspieler zu einem Albtraum machen.
Getty ImagesSogar der normalerweise sehr konservativ eingestellte portugiesische Nationaltrainer Fernando Santos, dem oft vorgeworfen wird, er setze nicht auf die Jugend, probierte Gelson Martins schon aus. Er nahm ihn in die Seleccao auf, als sich Martins bei Sporting durchsetzte, wo er dann drei weitere Spielzeiten absolvierte, bevor er den Klub verließ, nachdem Fans die Spieler auf dem Trainingsgelände angegriffen hatten.
Dass der Transfer zu Atletico bislang kein Erfolg war, half nun Monaco entscheidend weiter. Dort hat Martins keinerlei Eingewöhnungsschwierigkeiten gezeigt und will allem Anschein nach zeigen, was er wirklich drauf hat.
"Ich kenne den Verein und einige Spieler, die hier sind. Das hilft mir bei der Eingewöhnung", sagte er. "Die Lage, in die der Verein steckt, ist für mich eine zusätzliche Motivation. Ich bin hierher gekommen und will der Mannschaft unbedingt helfen. Ich hoffe, dass wir die nächsten Spiele gewinnen und damit aus dieser Lage herauskommen", fügte er hinzu.
Die Gefahr, dass Monaco wieder abrutscht, ist allerdings äußerst gering, wenn der neue Star, der nun mit seinen Landsleuten Rony Lopes und Adrien Silva im Stade Louis II spielt, weiter so aufdreht wie bisher.
Die einzige Sorge für Monaco dürfte sein, wie der Klub es hinbekommt, dass Gelson Martins bleibt. Obwohl es angeblich eine Kaufoption für ihn gibt, hat Martins dies abgestritten. Jede Top-Leistung, die er nun zeigt, macht ihn nun zweifellos teurer.
Aber wenn man sich die Lage anschaut, in der Monaco vor der Ankunft von Martins war und in der die Mannschaft jetzt ist, dürfte das ein Problem sein, das die Monegassen nur allzu gerne haben.


