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EM 2016

Everton-Verteidiger John Stones: Der Anti-Engländer

15:30 MESZ 08.09.15
John Stones England San Marino 05092015
Der 21-Jährige bringt Attribute mit, welche die Three Lions seit langer Zeit suchen. Trotz der hohen Wertschätzung von allen Seiten konzentriert er sich dabei auf das Wesentliche.

Sex, Drogen, wilde Partys und andere Skandale - Englands Nationalspieler machten in der jüngsten Vergangenheit eher durch ihr ausschweifendes Privatleben auf sich aufmerksam, denn durch gute Leistungen auf dem Rasen. Das Mutterland des Fußballs zählt schon längst nicht mehr zur Weltspitze, doch mit John Stones steht der Prototyp für eine erfolgreiche Zukunft der Three Lions bereit.

Und der 21-Jährige ist begehrt, heiß begehrt - Chelsea schleuderte für den Everton-Verteidiger im Sommer gleich vier Angebote raus, aber auch das letzte über umgerechnet 50 Millionen Euro wurde von seinem Arbeitgeber trotz der Bitte des Spielers nach einer Freigabe abgelehnt. Angesichts der aktuell gehandelten Summen kein schockierender Preis, wohl aber wäre er in seinen jungen Jahren bereits zum teuersten Verteidiger aller Zeiten aufgestiegen.

Während der Ruhm und die Anerkennung zusammen mit der ein oder anderen Millionen auf dem Konto schon so manchem Youngster zu Kopf gestiegen sind, zieht Stones einfach weiter sein Ding durch. "Er ist ein anderer Charakter. Er ist nicht arrogant, für ihn ist es das Wichtigste, einfach nur Fußball spielen zu können", erklärte sein Teamkollege Tim Howard.

"John verhält sich tadellos"

Und Mitspieler Leighton Baines ergänzte: "Ich denke, es gibt da oftmals viele Missverständnisse. Die Leute sind der Meinung, dass, wenn ein Spieler um die Freigabe bittet, er dann auch einfach geht und fortan nur noch eine ruhige Kugel schiebt. Aber John hat auf dem Rasen gezeigt, dass es nicht so ist. Er verhält sich in der Umkleide tadellos und hat in allen Spielen gut gespielt."

Aussagen, die es auf den Punkt bringen. Trotz Wechselwunsches konnte Stones ein 'Nein' akzeptieren und seinen noch laufenden Vertrag bis 2019 bei den Toffees letztendlich auch respektieren. Dennoch ist auch klar, dass die mittel- und langfristige Zukunft des Supertalents nicht im Goodison Park liegen wird, die Blues wollen auch im Januar wieder alles unternehmen, um Stones für dann mindestens 55 Millionen Euro zu verpflichten.

Bis dahin hat der Abwehrmann noch Zeit, weiter zu reifen. Auch in der englischen Nationalmannschaft, wo er beim 6:0 in San Marino in seinem fünften Länderspiel mit einer soliden Leistung überzeugen konnte. Der Maßstab sind freilich andere Gegner, dennoch offenbart Stones in seinem Alter schon eine bemerkenswerte Abgeklärtheit.

Nachdem England bereits für die EM-Endrunde in Frankreich qualifiziert ist, hat Trainer Roy Hodgson nun auch die Gelegenheit, dem Nachwuchs vermehrt eine Chance zukommen zu lassen. Stones ist mitunter die große Hoffnung für das Turnier im kommenden Jahr und hat in den verbleibenden Partien gegen die Schweiz, Estland und Litauen noch die Gelegenheit, auch Erfahrung auf internationalem Parket zu sammeln.

Mit seiner soliden Ballbehandlung wirkt er auch unter Druck stets souverän und schaltet sich zudem gerne ins Aufbauspiel mit ein, weswegen er den ehemaligen englischen Nationaltrainer Glenn Hoddle an Rio Ferdinand erinnert. Stones verkörpert den Typ des modernen Innenverteidigers, der nicht nur grätschen kann, sondern auch mit technischer Finesse aktiv am Angriffsspiel teilnimmt.

"Es zaubert einem ein Grinsen ins Gesicht ..."

Eigenschaften, die im Spitzenfußball immer wichtiger werden - und auch die Three Lions wollen dort wieder hin. Aktuell ist der Weltmeister von 1966 leicht auszurechnen, die Gegner wissen, wie England die Zähne zu ziehen sind. Die Duelle bei der WM 2014 gegen Italien und Uruguay machten dies deutlich. Während man die im Aufbau technischen limitierten Innenverteidiger Phil Jagielka und Gary Cahill meist gewähren ließ, wurde Spielgestalter Steven Gerrard gekonnt aus dem Spiel genommen.

Ein einfaches, aber extrem wirkungsvolles Mittel, welches England einiger Stärken beraubt. Umso wichtiger dürfte in der Zukunft ein Spieler wie Stones sein, der alles andere als der klassische von der Insel bekannte Spieler ist. Der Defensivmann ist einer, der dem Offensivspiel der eigenen Mannschaft mehr Alternativen verleiht, und den es von der gegnerischen Mannschaft bereits in vorderster Front zu attackieren gilt.

Trainer Roberto Martinez ist jedenfalls begeistert von seinem Schützling: "Es zaubert einem einfach ein Grinsen ins Gesicht, wenn man einem Spieler wie John Stones beim Verteidigen zusieht. Er ist ein unglaublicher Fußballer und die Tatsache, dass er die Dinge bereits in so einem jungen Alter so gut organisiert, zeigt, welche Klasse er hat." Klasse, wie sie sich ein jeder Spitzenverein und eine jede Nationalmannschaft dieser Welt nur wünschen können.

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