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Sergio Ramos Spanien Kroatien 06212016Getty Images

​Erster Halt Italien: Spanien nun auf der "Todesroute"

Andres Iniesta schlich bedröppelt zum Mannschaftsbus. "Das ist kein schöner Zeitpunkt für eine Niederlage", sagte der kleine Spielmacher leise und kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf. Spaniens erste EM-Pleite seit zwölf Jahren kommt tatsächlich zur Unzeit - jetzt wartet die "Todesroute". Erster Halt: Italien.

Die Neuauflage des Endspiels von 2012 (4:0) steigt am kommenden Montag (18 Uhr im LIVE-TICKER) in Paris - ein Spiel, auf das auch Trainer Vicente del Bosque in dieser Turnierphase allzu gerne verzichtet hätte. "Es ist nicht der Weg, den wir gehen wollten", sagte der 65-Jährige und blickte dabei ziemlich grimmig drein. Das vollkommen unnötige 1:2 im Gruppenfinale gegen Kroatien, das war unübersehbar, hatte bei den Spaniern Spuren hinterlassen.

"Wir müssen das Spiel schnell abhaken, uns wieder aufrichten und uns gut auf das Achtelfinale vorbereiten", sagte del Bosque, wohlwissend, dass im Viertelfinale mit Weltmeister Deutschland schon der nächste Brocken warten könnte. Während die Sportzeitung AS von einem "Minenfeld" und der "dunklen Seite des Spielplans" schrieb, meinte der spanische Trainer trocken: "Wenn du Champion werden willst, musst du gegen jeden gewinnen."

Das Gefühl einer EM-Niederlage ist für die jetzige "La Roja" und auch del Bosque etwas vollkommen Neues. Bis auf Ersatzkeeper Iker Casillas, der das 0:1 gegen Gastgeber Portugal am 20. Juni 2004 miterlebte, hatte noch kein Spieler im Kader bei einer EURO verloren. Von den letzten 14 Partien hatte der Titelträger von 2008 und 2012 13 gewonnen und einmal unentschieden gespielt. Und so nannte El Pais die fast schon historische Pleite von Bordeaux eine "schallende Ohrfeige für Spanien". Marca kommentierte: "Wir sind wieder auf der Erde."

Pique macht sich wenig Sorgen

Tatsächlich landeten die Spanier, die nach den ersten beiden Auftritten in der Heimat schon als "Außerirdische" gefeiert worden waren, am Dienstagabend ziemlich unsanft in der Realität. Nach einer starken ersten Halbzeit und der frühen Führung durch Alvaro Morata (7.) fehlte es an Tempo, Esprit und Ideen. Aufmüpfige Kroaten drehten durch Nikola Kalinic (45.) und Ex-Bundesligaprofi Ivan Perisic (88.) die Partie.

"Ich mache mir wenig Sorgen", sagte Verteidiger Gerard Pique demonstrativ lässig und versuchte zu beschwichtigen. Auch Iniesta versicherte, weiterhin das Ziel zu haben, "so weit wie möglich zu kommen". Selbst der kleine Mittelfeld-Magier hatte seinen Zauberstab am Dienstagabend offensichtlich verlegt. Nach zwei herausragenden Spielen zum Turnierauftakt tauchte der Spielmacher vom FC Barcelona völlig ab.

Iniesta wollte den Elfmeter schießen

Da passte es ins Bild, dass sich Iniesta vor dem so wichtigen Foulelfmeter beim Stand von 1:1 den Ball von Sergio Ramos mopsen ließ. "Ich wollte schießen, aber Sergio fühlte sich sicher", sagte der 32-Jährige. Das Resultat ist bekannt: Kapitän Ramos vergab den Matchball zum Gruppensieg - und damit die vermeintlich leichteren Aufgaben auf dem Weg ins Finale.

"In der Theorie haben wir die stärkeren Mannschaften auf unserer Seite des Tableaus. Aber der Fußball", sagte Iniesta, "schreibt seine eigenen Geschichten". Die der Spanier soll in Frankreich noch lange nicht zu Ende sein.

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