EM 2016: Von wegen Brexit

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Der Fußball vereint das Königreich: Die britischen Mannschaften marschierten unisono ins EM-Achtelfinale. Zwischen Wales und Nordirland gibt es nun ein brisantes Duell.

In diesen Tagen gibt es jede Menge Gesprächsstoff auf der Insel. Während das Vereinigte Königreich knapp für den "Brexit" votierte, entschieden sich die Fußballer für das Bleiben bei der EURO und brachten alle vier Nationen durch die Gruppenphase in Frankreich. Wales, England, Nordirland und Irland (gehört politisch nicht zum Königreich) stehen nun unter den 16 besten Nationen des Kontinents.    

Da war es fast nicht zu vermeiden, dass es im Achtelfinale mit dem Duell Wales gegen Nordirland einen echte "Battle of Britain" gibt. Erstmals treffen zwei britische Teams in einer K.o.-Runde eines großen Turniers aufeinander. Für beide Nationen ist es der größte Erfolg bei einer Endrunde seit 1958, als sowohl Wales (0:1 gegen Brasilien) als auch Nordirland (0:4 gegen Frankreich) bei der WM in Schweden erst im Viertelfinale scheiterten. 

96. Duell zwischen Wales und Nordirland

Als Favoriten darf aktuell man wohl die Waliser bezeichnen - nicht nur aufgrund der besseren Bilanz in direkten Duellen. 95 Mal trafen Wales und Nordirland (die FIFA rechnet die Spiele der gesamtirischen Mannschaft zwischen 1882 und 1921 hinzu) aufeinander, die Waliser gewannen 44 dieser Duelle (24 Remis, 27 Niederlagen). Wales ist aktuell seit acht Begegnungen mit Nordirland ungeschlagen (vier Siege, vier Remis). Die letzte Niederlage kassierte man im Mai 1980 in einem Freundschaftsspiel zu Hause mit 0:1.

Wales hat nicht nur den Erzrivalen England in der Gruppenphase hinter sich gelassen, sondern wurde als erster EM-Debütant seit Schweden 1992 Gruppensieger. Die Waliser stellen gemeinsam mit Ungarn die beste Offensive des Turniers (sechs Tore) und haben vielleicht sogar sich selbst überrascht. Das Team von Trainer Chris Coleman ist zwar abhängig von der Form seines Superstars Gareth Bale - aktuell Top-Torjäger des Turniers (drei Treffer, wie Spaniens Alvaro Morata) - verfügt in Frankreich aber über einen weiteren Spieler, der den Unterschied machen kann: Aaron Ramsey vom FC Arsenal schoss ein Tor und bereitete weitere zwei Tore vor.

Mit Nordirland treffen die "Gallier" auf einen Gegner, der dem nicht mehr zeitgemäßen britischen "Kick and Rush" am nähesten kommt (siehe Grafik). Im Turnierverlauf hatten die Nordiren den geringsten Ballbesitz (28%) und brachten lediglich 59% ihrer Pässe zum eigenen Mann. Ein bisschen Glück, der neue EM-Modus und das große nordirische Kämpferherz haben trotz zweier Niederlagen völlig überraschend das Weiterkommen bescherte.

Dass die Schützlinge von Martin O'Neill schwer zu schlagen sind, beweist der Fakt, dass sie nur zwei der vergangenen 15 Länderspiele verloren und dabei nie mehr als ein Gegentor kassiert haben. Darunter war auch das letzte Aufeinandertreffen mt Wales Ende März in Cardiff, bei dem die Waliser erst kurz vor dem Abpfiff zum 1:1-Endstand ausglichen. Damals stand jedoch weder Gareth Bale noch Aaron Ramsey auf dem Platz. 

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