Es war die 78. Minute im Finale um den DFB-Pokal - Mats Hummels humpelte, biss auf die Zähne und musste dann doch vorzeitig das Feld verlassen - Muskelfaserriss! Des einen Leid, des anderen Freud hieß es dann bis Dienstagabend für Antonio Rüdiger.
Der Innenverteidiger der AS Roma galt als heißester Kandidat für den Platz des zukünftigen Bayern-Spielers in der Auftaktpartie am Sonntag (21 Uhr im LIVE-TICKER) gegen die Ukraine, nachdem Hummels erst das dritte Gruppenspiel für ein Comeback anpeilt.
Was folgte, ist bekannt: Rüdiger verletzte sich im Training am Dienstag, biss auf die Zähne und musste dann doch vorzeitig das Feld verlassen - Kreuzbandriss, sechs Monate Pause, EM-Aus! Ja, genau: des einen Leid, des anderen Freud.
Mit Jonathan Tah steht ein Ersatz bereit, der nun doch noch auf den EM-Zug aufspringen darf, nachdem er bei Bayer Leverkusen eine starke Saison gespielt hat - obwohl er zunächst nicht mal im erweiterten 27-Mann-Kader eine Berücksichtigung gefunden hatte.
Doch was bedeutet die Rüdiger-Verletzung nun für den weiteren Turnierverlauf? Fakt ist, dass Joachim Löw mit Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes oder auch Emre Can und Joshua Kimmich genügend Alternativen für die Abwehrzentrale hat.
Die personelle Lage in der Defensive ist aber freilich kein Wunschszenario, wobei auch Jerome Boateng nach seinem Sehnenriss nur sechs Spiele absolviert hat und erst wieder in den Rhythmus kommen und zu seiner Best-Form finden muss.
Kein Grund zur Beunruhigung
Kimmich und Can sind keine gelernten Innenverteidiger, haben diese Position aber auch schon gespielt. Denkbar wäre aber auch, dass Höwedes in die Mitte rückt und einer der beiden Youngster die rechte Verteidigerposition bekleidet.
Ebenfalls denkbar wäre eine Dreierkette mit Höwedes, Boateng und Mustafi, die bereits bei der WM 2014 zusammen mit Per Mertesacker gegen Algerien auf dem Feld standen. Sicherlich keine optimale Lösung, aber auch kein Grund zur Beunruhigung.
Der Bundestrainer hat im Zeitalter der flexiblen Spielerausbildung genügend Möglichkeiten und Szenarien, auch gegen die Ukraine eine schlagkräftige Verteidigung aufzustellen. Und spätestens wenn Hummels zurückkehrt, stellt sich diese Frage ohnehin nicht mehr.
In den zwei Gruppenspielen gegen die Ukraine und Polen kann jedoch auch viel passieren und der Einzug in ein mögliches Achtelfinale bereits verspielt werden. Vorsicht ist also zweifelsfrei geboten, wobei Taktik-Fuchs Löw die richtigen Mittel finden dürfte.

