Kurz vor der Nominierung des EM-Kaders äußerte sich Frankreichs Nationalcoach Didier Deschamps (47) über die neue Spielergeneration im Vergleich zur Weltmeister-Mannschaft von 1998 und die Attentate vom 13. November 2015.
Herr Deschamps, Sie waren als Spieler Weltmeister 1998 und Europameister 2000. Jetzt sind Sie Trainer des Viertelfinalisten der WM in Brasilien und einer der Favoriten auf dem EM-Gewinn im eigenen Land. Können Sie beide Mannschaften miteinander vergleichen?
Didier Deschamps: Ich bin kein Fan des Vergleiches verschiedener Epochen. Physisch, mental und taktisch hat es permanent Entwicklungen gegeben. Neue Techniken haben die Vorbereitung und die Erholung nach den Spielen verfeinert. Deshalb können die Umfelder nicht miteinander verglichen werden. Außerdem ist eine Mannschaft immer ein zerbrechliches Gefüge, das sich aus Tausenden individueller und kollektiver Details zusammensetzt. Deshalb macht es keinen großen Sinn, zwei Mannschaften aus zwei unterschiedlichen Perioden zu vergleichen.
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In Frankreich ist oft der Satz zu hören 'Wir haben verloren, aber erhobenen Hauptes'. Was ist für Sie persönlich wichtiger, das Ergebnis oder die Art und Weise, wie es zustande kam, die Moral oder der Erfolg?
Deschamps: Da muss jeder vor seiner eigenen Tür kehren, und jeder sieht ein Spiel unter seinem persönlichen Blickwinkel. Aber wir bewegen uns nicht in einem Sport, in dem Schiedsrichter Haltungsnoten vergeben. Wir spielen Fußball auf Top-Niveau und werden an unseren Ergebnissen gemessen. Die Trophäen hinterlassen eine Spur, die Ergebnisse, nicht die Art und Weise, wie sie errungen wurden! Wenn die Art und Weise zudem begeistert, wird sich niemand darüber beklagen. Und oft ist ein schönes Spiel ja auch das beste Mittel, um zum Erfolg zu kommen. Hocherhobenen Hauptes, aber mit einer Niederlage das Spielfeld zu verlassen - so habe ich nie getickt, und das war gewiss nie mein Ziel beim Anpfiff.
Was sich am 13. November, nachdem die Mannschaften von den Attentaten erfuhren, zugetragen hat: Hat das die Franzosen ebenso zusammengeschweißt wie die Deutschen?
Deschamps: Die dramatischen Ereignisse, die wir zusammen mit unseren deutschen Freunden bis in den frühen Morgen geteilt haben, hinterlassen natürlich Spuren in einer Gruppe und sind nicht leicht zu vergessen. Aber jeder hat sie auf seine Art erlebt und verarbeitet und es wäre ins Blaue geraten, jetzt zu behaupten, das habe die eine oder andere Mannschaft zusammengeschweißt. Ich kann für uns Franzosen nur sagen, dass bis Juni/Juli eine Menge Zeit vergangen sein wird und dass unser Mannschaftsgeist stark genug ist, dass sich niemand mehr an Dinge erinnert, die hoffentlich niemand von uns noch einmal erleben muss.
