DFB-Team: Noch fehlt das Gesicht

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Zwischen WM-Triumph und nächstem Highlight schwebt Löws Elf noch im luftleeren Raum. Alte Baustellen bleiben weiterhin, neue Konturen sind noch nicht klar definiert.

In exakt 363 Tagen beginnt sie, die Europameisterschaft 2016. In der französischen Hauptstadt Paris steigt dann, am 10. Juni des kommenden Jahres, das Eröffnungsspiel des nächsten großen Highlights, bei dem die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich sein will. Und nicht nur zeitlich liegen Jogis Jungs ein knappes Jahr nach der triumphalen Nacht von Rio irgendwie zwischen den Welten. 

Tipico

Als Fan der Nationalelf ist man beinahe froh, dass am Samstag (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) in der alles andere als rund angelaufenen EM-Qualifikation "nur" Underdog Gibraltar wartet. Denn das Gesicht der Elf, die rund 80 Millionen Deutschen im kommenden Sommer erneut ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern soll, erscheint aktuell reichlich unausgereift.

Analyse: Die US-Boys schlagen den Weltmeister

Mit Miroslav Klose, Per Mertesacker und Philipp Lahm traten drei prägende Figuren des letzten Jahrzehnts ab, die zudem sportlich bei der erfolgreichen WM in Brasilien noch großen Wert besaßen. Und wenngleich mit erfahrenen Kräften wie Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Lukas Podolski, Toni Kroos, Mats Hummels, Manuel Neuer oder Thomas Müller zur Genüge Personal vorhanden war und ist, die Verluste aufzufangen, gestaltete sich die Aufgabe, neue Identität und Integrität zu schaffen, schwieriger als erwartet.

Das wankende Quali-Schiff

Als entschlossen vorangehender Anführer konnte sich in den Pflichtspielen seit der WM keiner jener - bewiesenermaßen zu Großtaten fähigen - Akteure profilieren. Verletzungen, Formschwäche, Konzentrationsmängel - die Liste der Gründe dafür ist lang. Dabei war ein eben solcher Leader nach der WM zwingend notwendig. Gegen Teams, die Deutschland seit dem 1:0-Finalsieg über Argentinien mehr denn je ein Schippchen schlagen wollen.

Den Polen und den Iren gelang dies bislang. Jeweils, obwohl die Löw-Elf das bessere Team war, im Angriffsdrittel aber nicht zielstrebig genug agierte. "In manchen Spielen fehlt mir bei manchen Spielern so ein bisschen diese Geilheit, ein Tor machen zu wollen", haderte Löw auch kürzlich im Anschluss an die Pleite gegen Jürgen Klinsmanns Amerikaner.

Hinzu kamen im weiteren Verlauf der EM-Quali enttäuschende Auftritte gegen Schottland und Gibraltar, die aber siegreich endeten sowie der überzeugende Dreier in Georgien Ende März. Ernsthafte Zweifel daran, dass der Weltmeister bei der EM im Nachbarland mit von der Partie sein wird, hegt bei Quali-Halbzeit zwar niemand. In trockenen Tüchern ist die Qualifikation aber bekanntlich noch nicht ansatzweise.

Ohnehin sind die Ansprüche nicht erst seit dem vergangenen Sommer ganz andere. Der größtmögliche Ertrag wird angepeilt. "Natürlich ist es mein Ziel, 2016 mit dieser Mannschaft den EM-Titel zu holen", sagte Podolski jüngst auf einer Pressekonferenz. Der Kölner ist nach einem verlorenen Jahr, in dem er weder bei Arsenal noch bei Inter Mailand überzeugte, jedoch eines von vielen Fragezeichen, die auf dem Weg dorthin noch in Ausrufezeichen verwandelt werden müssen.

Fragezeichen in Hülle und Fülle

Mats Hummels, bei der WM noch einer der Titel-Garanten, unterlag beim BVB starken Formschwankungen, Schweinsteiger oder Ilkay Gündogan waren lange verletzt und suchen ihre Bestform. Andre Schürrle und Khedira haben eine ähnlich düstere Post-WM-Saison hinter sich wie Podolski. Und Mario Götze hat zwar eine ordentliche Spielzeit auf die Beine gestellt, sein goldenes Tor im Maracana beeinflusste ihn aber nicht so nachhaltig positiv wie erhofft.

Derweil wird es innerhalb der altbekannten Problemzonen schon gerne gesehen, wenn es überhaupt konkrete Personalien gibt. Im Sturmzentrum ist nach Kloses Rücktritt kein ähnlicher Tor-Garant in Sicht. Dabei ist eine echte Neun, auf die Löw vermehrt verzichtet, ein nicht zu verachtender Mehrwert. "Ich warne davor, diesen Spielertypen abzuschaffen", sagte ARD-Experte Mehmet Scholl vor der 1:2-Testspielniederlage gegen die USA vergangenen Mittwoch.

Gegen Gibraltar: Löw will vor allem Tore

Über zu große Auswahl kann sich Löw aber nicht beschweren. Pierre-Michel Lasogga fehlt offenbar die Konstanz, Max Kruse und Kevin Volland sind andere Spielertypen. Und mit Davie Selke spielt einer der wenigen nachrückenden aussichtsreichen Kandidaten in der nächsten Saison bei einem Zweitligisten.

Warum nicht Castro ausprobieren?

Schon etwas länger nicht optimal besetzt sind die Außenverteidigerpositionen. Auf links drängt sich inzwischen der Kölner Jonas Hector, der auch gegen die US-Boys gefiel, dafür auf, eine langfristige Lösung zu werden. Dazu bleibt die Option Benedikt Höwedes, der als gelernter Innenverteidiger immerhin den WM-Titel in der Flügel-Rolle gewann.

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Auf rechts experimentierte Löw zuletzt mit Sebastian Rudy, der im defensiv-taktischen Verhalten aber immer wieder gravierende Mängel aufweist. Eigentlich unverständlich, warum sich der Bundestrainer hier in Tests wie gegen die USA oder - mit Verlaub - im Quali-Match gegen Gibraltar nicht Spieler wie Gladbachs Julian Korb anschaut oder es noch einmal mit Gonzalo Castro probiert.

So könnte man unter Umständen neue Optionen schaffen, Problemfälle zu beseitigen. Denn daran mangelt es ein knappes Jahr vor dem nächsten Groß-Event wahrlich nicht. Doch welche Vor-Turnier-Zeit verlief schon reibungslos? Zweifel gibt es immer, mal mehr, mal weniger. Und dass allemal ausreichend Potenzial vorhanden ist, sich nach der globalen auch die kontinentale Krone aufzusetzen, ist unbestritten. Zumal es auch in diesem eher tristen Übergangsjahr 2015 nicht zu verachtende Lichtblicke gibt. Patrick Herrmanns couragierter Debüt-Auftritt gegen die USA lässt grüßen.

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