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DFB-Team: Die Mannschaft steht

Erst acht Minuten waren gespielt, da rannte die Abwehrkannte schnurstacks in die Arme von Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Physiotherapeut Klaus Eder. Jerome Boateng bleibt das Phänomen dieser Europameisterschaft. In der Gruppenphase herausragend, beginnt der Innenverteidiger der deutschen Nationalmannschaft pünktlich zur K.o.-Runde auch noch mit dem Toreschießen. Sein Treffer gegen die Slowakei war sein erster im 63. Länderspiel.

"Es hat ja lange genug gedauert", lachte Kapitän Bastian Schweinsteiger später in der Mixed Zone des Stade Pierre Mauroy: "Ich habe schon zu ihm gesagt, dass ich das Tor nicht schlecht fand. Noch interessanter war aber sein Jubel." Mit seinem Jubelsprung, seinem Lauf zum Ärztestab, wollte sich Boateng schlicht bedanken, nachdem er den Ball volley ins linke Eck gewuchtet hatte.

"Die Physios und Mul haben sich in den vergangenen Tagen sehr um meine Wade gekümmert. Andernfalls hätte ich heute nicht spielen können", verriet Boateng, der sich nach dem Spiel noch "nicht wie sonst, aber gut" fühlte. Dank ihm war der Plan des DFB-Teams perfekt aufgegangen. Trainer und Spieler hatten sich im Vorfeld der Partie gleichermaßen ein frühes Tor gewünscht. Sie bekamen es, das erleichterte den weiteren Spielverlauf merklich.

"Wir haben insgesamt eine gute Leistung gezeigt, defensiv wie offensiv", lobte Joachim Löw bei auf der Pressekonferenz auf Goal-Nachfrage. Vor dem Viertelfinale gegen Italien oder Spanien am kommenden Samstag scheint er alle nötigen Antworten gefunden zu haben. Die Mannschaft steht.

Joshua Kimmich etwa löste nicht nur das Problem auf der Rechtsverteidiger-Position, sondern auch das von Thomas Müller. Weil der Youngster den ganzen Flügel beackert, immer wieder mit vorstößt, kann sein Münchner Teamkollege öfter ins Zentrum ziehen, wo er deutlich besser zur Geltung kommt. "Thomas hat gegen die Nordiren schon relativ zentral gespielt und Mesut Özil im Halbraum. Durch die Müller-Position können wir verstärkt vorne in die Zentrale reingehen, was er ja auch gerne macht", erklärte Löw. 

Die deutsche Auswahl spielte ebenso schön wie effektiv und kam beim bis dato besten EM-Spiel zu zahlreichen Chancen. Teil des funktionierenden Kollektivs war erneut Joshua Kimmich. "Vielleicht, möglich ist es", grinste der gebürtige Rottweiler, ob die neue Rolle womöglich doch noch seine Lieblingsposition werden könnte. "Davon ausgehen", auch im Viertelfinale in der Startelf zu stehen, könne er indes nicht, "aber man wünscht und erhofft sich das natürlich schon", sagte Kimmich. Seine Chancen dürften sehr gut stehen. Genauso wie die von Mario Gomez. 

"Gomez hat das im Blut"

Der Besiktas-Angreifer hat sich im Sturmzentrum festgespielt. Nach überragender Vorarbeit von Julian Draxler traf Gomez zum 2:0 - es war sein zweites Tor im zweiten Startelfeinsatz. Mit Gomez im Zentrum ist die deutsche Auswahl schlicht schwieriger auszurechnen. Bei Flanken und Standardsituationen sorgt der 30-Jährige ohnehin für Gefahr; Zudem kann er auch als Wandspieler fungieren oder gleich zwei Verteidiger binden und somit seinen Mitspielern helfen. Das sei von Vorteil, sagte Draxler: "Mario ist da vorne sehr präsent. Dass er Räume für uns schafft, steht außer Frage. Auch beim zweiten Tor hat man wieder gesehen, dass er da ist, wo ein Stürmer sein muss. Das hat er im Blut. Von daher ist er sehr wichtig für uns."

Der Wolfsburger selbst hatte den Vorzug gegenüber Mario Götze bekommen und wusste auf dem linken Flügel restlos zu überzeugen. "Es war heute mal ein Ausrufezeichen. Natürlich will man immer spielen. Und gute Argumente habe ich sicherlich geliefert", sagte der 22-Jährige. Nachdem Löw zuletzt bemängelt hatte, kaum Spieler zu haben, die offensiv Eins-gegen-eins-Situationen auflösen, wusste Draxler ganz genau, was er zu tun hatte. 

"Es war eine klare Ansage vom Bundestrainer. Wenn du spielen willst, solltest du das umsetzen." Dafür braucht es neben den technischen Fähigkeiten und dem nötigen Tempo in erster Linie Selbstvertrauen. "Es hat sehr viel damit zu tun. Vor allem wenn mal ein Spiel dabei ist, in dem man in den ersten zwei Situationen hängenbleibt. Dann wieder und wieder reinzugehen ist nicht so einfach", erklärte Draxler. Bei ihm hatte von der ersten Minute an alles zusammengepasst. "Von daher war es für mich eine optimale Partie, um so zu spielen."

Steht Löws Startelf für die heiße Phase?

Mario Götze dürfte seinen Startplatz damit vorerst verloren zu haben. "Jeder möchte natürlich spielen", sagte der Münchner, gab sich aber sportlich: "Julian hat sehr gut gespielt, das haben wir generell als Mannschaft. Wir sind im Viertelfinale, das steht im Vordergrund. Jetzt geht das Turnier so richtig los, es ist noch ein weiter Weg." Dafür müsse jeder einzelne den Teamgedanken verfolgen. 

Vor dem ersten echten Härtetest im Hinblick auf den Titel hat Löw offenbar alle Antworten und somit auch seine Aufstellung für den weiteren Turnierverlauf gefunden. "Ich will nicht sagen, dass ich jetzt mit dieser Mannschaft auf Teufel komm raus durchspielen werde", sagte der Bundestrainer - große Rotationen wird es dennoch wohl kaum geben, zumindest nicht ohne äußere Einflüsse wie Sperren oder Verletzungen.

Zu viel Euphorie wollte im deutschen Lager nach dem 3:0 allerdings niemand aufkommen lassen. "Bei allem Respekt vor dem Gegner war die Slowakei heute nicht der Gradmesser", meinte etwa Löw und befand: "Wir müssen uns weiter steigern, wenn wir das Turnier gewinnen wollen." Auch Schweinsteiger verwies darauf, dass die bisherigen Gegner nicht zu den absoluten Top-Nationen zählen. "Ich glaube schon, dass wir gut sind", sagte der Kapitän auf Goal-Nachfrage: "Um aber sehr gut zu sein, müssen wir eine Top-Mannschaft schlagen."

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