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Joachim Löw DFB GermanyGetty Images

DFB-Team gegen Italien: Guter Espresso statt kalten Kaffees

"Das ist kalter Kaffee, ich mag lieber frischen Espresso. Und wir müssen schauen, dass unserer am Samstag gut schmeckt", sagte Joachim Löw und rührte dabei schelmisch den Löffel durch sein Lieblingsgetränk. Nein, von einem Angstgegner wollte der Bundestrainer vor dem EM-Viertelfinale gegen Italien nichts wissen. "Ich halte nichts davon, Dinge aus der Vergangenheit herbeizuziehen. Wir haben kein Italien-Trauma", stellte Löw auf der Pressekonferenz am Dienstag in aller Deutlichkeit klar. 

Auf den Tag genau vier Jahre ist es her, als Mario Balotelli im Warschauer Nationalstadion sein Trikot abstreifte und die Muskeln spielen ließ. In der Folge war eine Debatte entbrannt, denn Löws Idee, mit vier zentralen Mittelfeldspielern und Toni Kroos in der Rolle des Wadenbeißers von Andrea Pirlo spielen zu lassen, war keine gute. "Damals ist mein Plan nicht aufgegangen und dafür musste ich die Verantwortung übernehmen, auch wenn das Spiel vor allem durch individuelle Fehler verloren wurde. Es kann aber immer passieren, dass man sich verzockt", sagte Löw.

Verstörender als die 1:2-Niederlage war seinerzeit die Erkenntnis, dass man sich im deutschen Lager offenbar dermaßen unterlegen wähnte, dass Löw die eigene Taktik ausschließlich an der des Gegners festmachte. Für ein Top-Team durchaus beschämend. Er habe "rekapituliert, was damals passiert ist", erklärte Löw. Die schmerzliche Niederlage habe unheimlich weh getan, bei manchen Überlegungen im Hinblick auf die WM in Brasilien aber auch geholfen: "Sie war für mich eine gute Lehre." 

Letztendlich ist das aber kalter Kaffee. In Löws Kopf ist der jüngste 4:1-Testspielsieg präsenter als die herben Enttäuschungen aus den Jahren 2012 und 2006. Dem 56-Jährigen ist gleichwohl bewusst, dass Deutschland die Squadra Azzurra noch nie bei einem großen Turnier schlagen konnte. Genau das will er ändern. "Wir haben keine Angst, ich habe ein gutes Gefühl. Und wenn wir unser Niveau abrufen, haben wir auch gute Chancen", sagte Löw und erklärte, dass er sich wahnsinnig auf das Duell zwischen den "beiden bisher besten Mannschaften" dieser Europameisterschaft freue.

Löw war das Selbstbewusstsein eines Weltmeisters anzumerken, von der Rolle des absoluten Top-Favoriten auf den EM-Titel wollte er dennoch nichts wissen. Mit dem überzeugenden 3:0-Sieg im Achtelfinale habe seine Mannschaft "ein Etappenziel" erreicht, die Slowakei sei aber "bei allem Respekt nicht der Gradmesser. Sie mussten wir schlagen. Deshalb sollte man den Ball flach halten".

Löw baut auf Tipps von Khedira

Daher wollte Löw auch gar nicht in überschwängliche Euphorie verfallen. "Ich singe nicht mit denen im Chor, die uns nach Polen abgeschrieben haben und uns jetzt als absoluten Favoriten darstellen wollen", sagte er und predigte stattdessen "Bescheidenheit und Demut" als "Gebot der Stunde". Er weiß ganz genau, wie schwierig es am Samstag in Bordeaux für seine Auswahl sein wird (21.00 Uhr im LIVE-TICKER). Italien sei aus seiner Sicht sogar noch stärker als in der jüngeren Vergangenheit und "durchschlagskräftiger als 2012".

"Das Verteidigen", sagte Löw, "haben sie in Fleisch und Blut. Sie schlagen auch mal den Ball auf die Tribüne und lächeln dabei." Trainer Antonio Conte habe erkannt, dass man mit Catenaccio allein kein Spiel gewinnt. Löw schien durchaus beeindruckt von Italiens jüngstem 2:0-Erfolg gegen Titelverteidiger Spanien und hob Daniele de Rossi aus dem starken Kollektiv hervor. Tatsächlich spielte die Conte-Elf im Achtelfinale keineswegs mit typisch-italienischer Mauertaktik, viel mehr ließ sie Ball und Gegner laufen, war nach vorne hin immer wieder gefährlich und in der Rückwärtsbewegung unheimlich schnell wieder mit dem Gros der Akteure hinter dem Ball.

Um die taktisch unheimlich gewieften und abgezockten Italiener zu knacken, setzt Löw auch auf Tipps von Sami Khedira. "Natürlich werde ich mit ihm reden. Er wird mir Informationen geben können, die ich noch nicht habe." Khedira kenne schließlich viele Spieler aus täglichem Training bei Juventus Turin "und weiß, wie sie in Extremsituationen reagieren".

Letztendlich will und wird sich Löw diesmal nicht am Gegner orientieren wie noch vor vier Jahren, das ist kalter Kaffee. Im Jahr 2016 mag der selbstbewusste Weltmeister lieber frischen Espresso. 

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