News Spiele
EM 2016

DFB-Elf vor EM-Quali-Abschluss: Das Zittern in Grenzen halten

16:15 MESZ 11.10.15
Germany EC Qualification 10102015
Die DFB-Elf ist noch nicht durch, hat dennoch alle Trümpfe in der Hand. Limitierte Georgier dürften die Reise nach Frankreich nicht wirklich gefährden. Die Goal-Vorschau.

Am letzten Spieltag der Qualifikation für ein großes Turnier noch um das direkte Ticket zur Endrunde bangen müssen? Das ist der deutschen Nationalmannschaft lange nicht passiert. Genauer gesagt seit der Ausscheidung zur Europameisterschaft 2004. Damals hieß der letzte Gegner Island, der die DFB-Elf mit einem Auswärtssieg noch vom Spitzenplatz hätte verdrängen und in die Playoffs schicken können.

Tipico

Doch der Favorit blieb souverän, siegte in Hamburg mit 3:0 und durfte feiern. Am Sonntag, auf den Tag genau zwölf Jahre nach dem letzten Quali-"Endspiel", steht Deutschland beim Duell mit Georgien in Leipzig (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) unter ähnlichem Druck. Und doch sollte sich das Zittern um die Teilnahme an der EM 2016 in Frankreich in Grenzen halten.

AUSGANGSSITUATION: Holt Deutschland die erwarteten drei Punkte, ist alles klar und die Mannschaft von Trainer Joachim Löw fährt als Gruppenerster nach Frankreich. Auch ein Unentschieden reicht sicher zum Weiterkommen, da sich die Verfolger aus Polen und Irland, die mit deren 18 einen Punkt weniger als die DFB-Elf auf dem Konto haben, im direkten Duell die Zähler klauen. 

Das einzige Szenario, dass Deutschland von Rang eins noch auf Playoff-Platz drei rutschen ließe, wäre eine Heimniederlage gegen Georgien und ein gleichzeitiges Unentschieden zwischen Polen und Irland. Dann wären alle drei Nationen punktgleich und Deutschland hätte das Nachsehen, weil man den direkten Vergleich gegen beide Kontrahenten jeweils verloren hat. Für DFB-Gegner Georgien, mit neun Zählern auf Platz fünf notiert, geht es derweil nur noch um die goldene Ananas.

FORM: Im September war im deutschen Lager noch eitel Sonnenschein. Siege holte die Mannschaft in Schottland und gegen Polen, vor allem gegen Robert Lewandowski und Co. gelang dabei ein sehr überzeugender Auftritt. Vergangenen Donnerstag erhielt die gute Stimmung jedoch einen Dämpfer, verlor die DFB-Elf in Irland doch mit 0:1. Dabei präsentierte man sich über weite Strecken zu statisch im Spiel nach vorne, die Ideen gegen tief stehende Iren erwiesen sich meist als zu plump.

Im Duell mit Georgien soll nun wieder Besserung her. Die Mannen aus dem Kaukasus ließen im September mit einem 1:0-Heimerfolg über Schottland aufhorchen, mussten sich ein paar Tage später in Irland nur knapp mit 0:1 geschlagen geben. Am Donnerstag gelang dann gegen Underdog Gibraltar ein klarer 4:0-Sieg. Die Form könnte also schlechter sein.

PERSONAL: Bitter für Deutschland: Mario Götze fällt nach seiner Adduktorenverletzung, die er sich in der ersten Hälfte des Spiels in Irland zuzog, lange aus. Löw wird anstelle des Münchners wohl Karim Bellarabi in der Offensive aufstellen. Bastian Schweinsteiger, der gegen die Iren mit einer Adduktorenverhärtung ausfiel, absolvierte indes das Abschlusstraining, sein Einsatz entscheidet sich kurzfristig. Ansonsten stehen alle nominierten Akteure zur Verfügung.

Die Georgier verzichten mit Giorgi Chanturia vom MSV Duisburg auf einen ihrer Stars. Der 22-Jährige soll sich aktuell voll und ganz auf seine Aufgabe beim deutschen Zweitligisten konzentrieren. Auch der Ex-Schalker Levan Kenia und Jano Ananidze von Spartak Moskau stehen nicht im Kader.

TAKTIK-ECKE: Ähnlich wie Irland wird sich auch Georgien nicht aus der Reserve locken lassen und enorm tief verteidigen. In Dublin wurden die Räume für Deutschland dadurch zu eng - wenn es gefährlich wurde, dann nur über die Flügel. Löw wird daher wohl seine Außenverteidiger anweisen, noch höher zu stehen, noch stärker am Offensivspiel mitzuwirken und im Zusammenspiel mit ihren Vorderleuten um Marco Reus, Bellarabi und Co. die Tiefe zu suchen. So könnten Überzahlsituationen entstehen, könnte Deutschland in den Rücken der Abwehr gelangen - und Torchancen kreieren.

Karim Bellarabi rückt gegen Georgien vermutlich in die Startelf

IM BLICKPUNKT: Karim Bellarabi. Der Leverkusener, in Irland noch Joker, wird vermutlich den Startplatz des verletzten Götze einnehmen. Wegen seiner Schnelligkeit, seiner Dribbelstärke und seinem Zug zum Tor kann er gegen das georgische Abwehrbollwerk ein entscheidender Faktor sein. Und so auch seine Aussichten auf eine gewichtige Rolle bei der EM im kommenden Jahr verbessern.

DER OPTA-EINWURF: 

  • Die deutsche Auswahl hat ihre vier bisherigen Länderspielduelle gegen Georgien alle gewonnen und dabei nur ein einziges Gegentor kassiert.
  • Die DFB-Auswahl hat insgesamt acht Länderspiele in Leipzig bestritten. Zuletzt gab es dort sieben Siege in Folge – nur im ersten Spiel wurde nicht gewonnen - und das liegt lange zurück: Am 17. November 1912 gab es ein 2:3 gegen die Niederlande.
  • Georgien hat an den ersten neun Spieltagen der aktuellen EM-Qualifikation lediglich neun Tore zustande gebracht (sieben davon in den zwei Spielen gegen Gibraltar). In vier der letzten sechs Partien blieben die Georgier ohne eigenen Treffer.

AUFGESCHNAPPT: "Wir sind im Moment nicht so tödlich für den Gegner, wie wir das schon waren. Die Spieler müssen begreifen, dass eine Chance vielleicht die allerletzte im Spiel ist." (Bundestrainer Joachim Löw auf der abschließenden Pressekonferenz)

DER GOAL-AUSBLICK: Die Marschroute für Deutschland ist simpel: Sieg eintüten, Ticket buchen, auf den nächsten Sommer freuen. Alles andere als ein souveräner Dreier käme gegen während der Quali-Runde offensiv erschreckend harmlos Georgier einer herben Enttäuschung gleich.