DFB-Elf: "Tonton" bewacht Weltmeister bei der EM

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Deutschland kann während der Europameisterschaft in Frankreich beruhigt sein. "Tonton" wacht über sie. Ein Soldat mit Afghanistan-Erfahrung.

Er war in Algerien, der Elfenbeinküste und Afghanistan im Einsatz. Im Oktober muss er in den Irak. Doch vorher wird Major Philippe, genannt "Tonton" (der Onkel), noch einen Spezialauftrag der ganz anderen Art erledigen. Während der EM in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) wird Tonton, der zu einer Art französischen GSG 9 gehört, über die deutsche Nationalmannschaft wachen.

Und die Aufgabe in Evian-les-Bains geht Tonton mit dem Humor eines Mannes an, der Schlimmes erlebt hat. "Im Krieg hast Du es mit einem einzigen Gegner zu tun", sagte er der französischen Sport-Tageszeitung L'Equipe: "Im Fußball mit 23 eigenwilligen Individuen. Das ist ein ganz anderer Einsatz."


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Ob es ein ungefährlicher sein wird, bleibt abzuwarten. "Null Prozent Vorbereitung heißt 100 Prozent Risiko", erklärte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve: "Aber 100 Prozent Vorbereitung heißen nicht null Prozent Risiko."

Tonton und seine Helfer sind vorbereitet. Sie haben sogar die Türgriffe des Hotels in Évian-les-Bains fotografiert, die Gully-Deckel in der Umgebung digitalisiert, um einen Bio- oder Chemie-Angriff auszuschließen. "Ich war schon 1998 für die WM sicherheitstechnisch zuständig", erzählte der Bodyguard: "Aber das war etwas ganz anderes. Da waren wir ja so etwas wie Begleiter, Eskorte einer Mannschaft. Jetzt sind wir Bewacher."

Mit im Mannschaftsbus unterwegs

Tonton wird bei jedem Transport der Weltmeister im Mannschaftsbus sitzen. Ohne schusssichere Weste, ohne Sandsäcke um die Hüfte. Nur nicht auffallen, lautet die Devise. Wahrscheinlich wird er sich in der Kleidung der Nationalmannschaft tarnen, auch um für sie wie einer von ihnen zu wirken: "Wir dürfen die Spieler ja nicht verunsichern."

Trotzdem ist es ein ungewöhnlicher Einsatz für Tonton. "Die Presse, die Fans - da kommen so viele Leute nah an die Spieler heran, da musst du in Sekunden entscheiden und reagieren können", berichtete er: "Das ist ein ganz anderer Auftrag als in einem Krieg."

Details sind natürlich ein großes Geheimnis. Klar aber ist: Der Job wird ein anderer sein als noch 1998. Klar ist für Tonton aber auch, dass er sich für jeden deutschen Nationalspieler in die Bresche werfen würde. "Ich habe Politiker auf Todesrouten begleitet", erklärte er: "Das ist mein Job."

Und sollte er besondere Situationen nicht alleine bewältigen können, kann er immer noch seine Spezialeinheit rufen. Diese kann per Hubschrauber in 20 Minuten an jedem Ort des Geschehens sein.

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