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Deutschlands Offensivabteilung: Vier gewinnt!

13:00 MESZ 06.06.16
Thomas Müller Mesut Özil Germany Deutschland DFB 04062016
Wer ist der kreative Kopf im deutschen Team? Wie soll man die gegnerischen Abwehrreihen überwinden? Wer schießt die Tore? Goal macht den Offensiv-Check.

Am Freitag beginnt endlich die Europameisterschaft in Frankreich, am Sonntag greift dann auch Deutschland ein, wenn es zum Auftakt gegen die Ukraine (21 Uhr im LIVE-TICKER) geht. Und es wäre vermessen, die DFB-Elf als aktuellen Weltmeister nicht zum Favoritenkreis zu zählen. Dementsprechend defensiv dürften die Gegner agieren, weshalb die Kreativität in der Offensive ein wichtiger Faktor sein wird.

Nicht selten tat sich die Mannschaft von Joachim Löw in der Qualifikation gegen tief stehende Kontrahenten extrem schwer, nachdem man oftmals die nötige Raffinesse im Angriff vermissen ließ und somit nur zu einigen knappen und am Ende durchaus auch glücklichen Siegen kam. Klar ist aber auch, dass Deutschland seit jeher als Turniermannschaft gilt und sich vor der Partie gegen die Ukrainer steigern wird und muss.

Dabei werden vor allem die kreativen Köpfe gefragt sein, wobei die Aufstellung mit Thomas Müller, Mesut Özil, Julian Draxler und Mario Götze in der Offensive beim 2:0 gegen Ungarn im letzten Test vor dem Turnierstart durchaus schon ein Fingerzeig sein könnte, wie das Team auch gegen die Ukraine auflaufen könnte. Mit Toni Kroos eine Reihe dahinter, verfügt Löw über einen weiteren Strategen, der das Spiel lenken kann.

Özil als kreatives Zentrum

Özil als klassischer Spielmacher soll letztendlich das kreative Offensivzentrum bilden, die Bälle verteilen und auch mal den tödlichen Pass in die Spitze spielen, um die Abwehr des Gegners auszuhebeln. Dass er das kann, hat er bereits zu Genüge bewiesen - wenngleich ihm auch oftmals vorgeworfen wird, in den großen Spielen abzutauchen und sein volles Potential nicht abzurufen.

Mit 19 Vorlagen in 35 Premier-League-Spielen für den FC Arsenal reist der 27-Jährige jedoch mit einer bärenstarken Saison im Rücken nach Frankreich und dürfte vor Selbstbewusstsein nur so strotzen - es könnte sein Turnier werden. Und wie wichtig Özil für die Angriffsmaschinerie der Gunners ist, unterstreichen auch seine 146 Torschussvorlagen (4,2 pro Spiel). Beide Werte waren mit Abstand die besten in der Liga.

Unterstützt wird der 73-malige Nationalspieler auf den Flügeln von Müller und Draxler, die für unerwartete Momente sorgen sollen. Ersterer hat mit Bayern München ebenfalls die Saison seines Lebens gespielt, glänzte gleichermaßen als eiskalter Vollstrecker und mannschaftsdienlicher Vorbereiter. Mit seiner unkonventionellen Art ist Müller für den Gegner darüber hinaus unberechenbar, wenngleich er nicht der klassische Spielmachertyp ist.

Flügel können entscheidend sein

Dennoch werden gerade die Flügelpositionen bei einem zugestellten Zentrum wichtig sein, wobei sowohl Müller als auch Draxler an der Grundlinie gerne mal das Dribbling suchen und sich so ebenfalls Raum verschaffen können. Während der Bayern-Star auf der rechten Seite gesetzt ist, dürfte die linke Außenbahn nach dem Ausfall von Marco Reus fest in der Hand des VfL Wolfsburg sein.

Draxler scheint dabei vor Andre Schürrle im Moment die Nase vorne zu haben, während Leroy Sane als erste Alternative auf der rechten Seite zu Müller gilt. Jene Spieler sind allerdings weniger der Mann für den tödlichen Pass, sondern vielmehr der schnelle Spieler, der sich auch mal im Eins-gegen-Eins durchsetzen soll, um das Leder dann in den Rücken der Abwehr zu legen oder selbst den Abschluss zu suchen.

Ähnlich wie bei Bayern dürften die Spieler auch im DFB-Dress während einer Partie aber ohnehin mehrere Male rochieren, und so kann sich auch ein Mario Götze mal etwas zurückfallen lassen, während Müller in die Spitze oder Özil - wie bereits bei der WM 2014 - mal auf den Flügel geht. Die Positionen - gerade in der Offensive - sind nicht in Stein gemeißelt, was der Mannschaft noch mehr Flexibilität verschafft.

Mit Kroos hat Löw zudem einen Kreativspieler auf der Doppel-Sechs, der bei Real Madrid in der abgelaufenen Saison in 32 Partien mit zehn Torvorlagen und in der EM-Qualifikation mit den mit Abstand meisten Pässen (1108) überzeugen konnte. Und wenngleich der 26-Jährige mittlerweile eher eine defensive Rolle einnimmt, so ist er mit seiner Ruhe am Ball, seiner Übersicht und seinen offensiven Vorstößen gepaart mit einem gefährlichen Schuss aus der Distanz ein wichtiger Bestandteil im Angriffsspiel des dreimaligen Europameisters.

Deutschland hat vielleicht nicht die besten Einzelspieler auf jeder entsprechenden Position, definiert sich stattdessen aber über die mannschaftliche Geschlossenheit und das Zusammenspiel unter den einzelnen Akteuren. Wir haben mittlerweile den Luxus, über genügend Offensivkräfte zu verfügen, die je nach Situation ihre Stärken zum Tragen bringen können und sich perfekt ergänzen. Offensiv steht einer erfolgreichen EM damit nichts im Wege.