Deutschland löst EM-Ticket: Ende gut, alles gut?!

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Das Zittern war deutlich größer als erwartet, die Souveränität eines Weltmeisters phasenweise wie weggeblasen. Und doch sollte der Tenor sein: Hauptsache qualifiziert.

Es war keine aalglatte EM-Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft. Beileibe nicht. Eher eine mit Wellentälern. Der holprige Start inklusive Niederlage in Polen und Remis gegen Irland. Dann der Aufschwung in 2015, gekrönt von einem Gala-Auftritt gegen die Polen. Der Schlussakt lief schließlich nicht wie gewünscht, die 0:1-Pleite vergangenen Donnerstag gab Rätsel auf. Nach dem mühevollen 2:1 (0:0)-Sieg über Georgien am Sonntagabend ist nun endlich klar: Die DFB-Elf fährt zur Endrunde nach Frankreich.

Analyse: Kruse beendet das Zittern

Das ist alles, was zählt. Wie die Qualifikation zustande kam, danach kräht kommenden Sommer kein Hahn mehr. Obwohl auch der Abschluss gegen einen international bestenfalls zweitklassigen Gegner nicht reibungslos verlief. Besser gesagt: Das Spiel hatte zwei ganz unterschiedliche Hälften. Eine überzeugende ohne Tore, eine zittrige mit Toren.

Tipico

Von Beginn an war dabei spürbar, dass vor allem die offensive Viererreihe, in der Andre Schürrle als falsche Neun begann und Mesut Özil, Marco Reus sowie Thomas Müller dahinter wirbeln sollten, in der Pflicht stand. Es wurde rochiert, viel versucht - und früh stellten sich Chancen ein. Reus scheiterte allerdings entweder an Keeper Nukri Revishvili (9.), oder zielte schlicht nicht gut genug (12.). Die Georgier verschanzten sich keineswegs nur am eigenen Sechzehner. Sie zeigten nadelstichartig, dass auch sie über fußballerische Klasse verfügen. 

Bestes Beispiel: Die gute Einschussmöglichkeit durch Tornike Okriahsvili, der Manuel Neuer nach schönem Konter aus zwölf Metern zu einer glänzenden Parade zwang (27.). Mats Hummels hatte vor der Schrecksekunde schlecht ausgesehen. Fortan ging es zur Freude der durchaus kritischen Zuschauer in Leipzig wieder in die andere Richtung.

Killerinstinkt gesucht

Alleine das Zählbare blieb aus, Gelegenheiten wurden versemmelt. Und das, obwohl Bundestrainer Joachim Löw im Vorfeld der Partie genau diesen Missstand angeprangert und zu einer Steigerung aufgerufen hatte. "Wir sind im Moment nicht so tödlich für den Gegner, wie wir das schon waren. Die Spieler müssen begreifen, dass eine Chance vielleicht die allerletzte im Spiel ist", sagte Löw auf der abschließenden Pressekonferenz.

Löw beklagt "das gleiche Lied" - die Stimmen zum Spiel

Speziell Reus ließ Löw aber erneut verzweifeln. Zwei weitere Hundertprozentige (31., 37.) vergab der Dortmunder, die große Beruhigungspille ließ weiterhin auf sich warten. "Im Training schießen wir 50 Tore, ein Ball nach dem anderen fliegt ins Netz. Wir brauchen vorne den Killerinstinkt und machen uns das Leben selbst schwer", beklagte Keeper Neuer im Nachgang bei RTL.

Dass es nach 45 Minuten torlos in die Kabinen ging, grenzte angesichts der Halbzeit-Torschussbilanz von 18:2 pro Deutschland an ein Wunder. Lange blieb der georgische Kasten nach Wiederanpfiff aber zum Glück nicht mehr sauber, Müller führte mit seinem Elfmeter zum 1:0 die vorläufige Erlösung herbei (49.). Die Zeichen standen auf Ruhepuls, auf souveräner Route ins Ziel. Denkste!

Ruhepuls? Denkste!

"Wir können das gleiche Lied singen wie gegen Irland. Wir haben in der ersten Halbzeit drei, vier sehr klare Chancen liegen lassen. Irgendwann kommt ein gewisser Frust dazu, dann schleichen sich Fehler ein", so Löw. Georgien schlug gleich im Gegenzug zurück, kam durch Jaba Kankava zum Ausgleich - und spielte den Weltmeister in der Folge teilweise schwindelig. Dass in jener Phase nicht das 1:2 aus deutscher Sicht fiel: Glück. Dass Polen zeitgleich gegen Irland führte und so selbst bei einer Niederlage das EM-Ticket in der Tasche gewesen wäre: eine Fügung des Schicksals. Und dass sich Max Kruse kurz nach seiner Einwechslung als Super-Joker erwies: die endgültige Erlösung.

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Galerie: Deutsche Zitter-Quali in Bildern

Ende gut, alles gut, ist der gemeine Beobachter nun geneigt zu sagen. Ein Tenor, der - wie eingangs erwähnt - durchaus berechtigt ist. "Grundsätzlich sind wir zufrieden, dass wir die Qualifikation geschafft haben", sagte Löw nach Abpfiff. Das darf er auch sein. Im Vorfeld der Europameisterschaft im kommenden Sommer interessieren die Umstände der Qualifikation nicht mehr. Und der Bundestrainer hat in der Vorbereitung auf das Turnier genügend Zeit, um die Mannschaft besser einzustellen.

Dennoch gab Löw zu, "unzufrieden mit den letzten beiden Spielen" zu sein. "Das ist nicht unser Standard, es liegt noch viel Arbeit vor uns." Denn gegen einen Gegner wie Georgien derart unter Bedrängnis zu geraten, ist einem Weltmeister nicht würdig. Am Ende bleibt allerdings das nackte Ergebnis. Seien wir ehrlich: Lediglich das ist es, was von einer Qualifikationsrunde in Erinnerung bleibt. Der Rest muss im kommenden Sommer erledigt werden.

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