David Trezeguet ist größer und breiter, als man ihn sich immer vorgestellt hat. Er steht entspannt in der brennenden Pariser Sonne und schwitzt kaum, obwohl er beim "Hublot Match of Friendship" gerade gegen Spieler wie Rio Ferdinand oder Hernan Crespo gekickt hat.
Sie alle sind gekommen, um in der französischen Hauptstadt Historisches zu erleben: Denn niemand geringeres als die Legenden Pele und Maradona stehen zum ersten Mal gemeinsam auf einem Fußballplatz, als Trainer zweier Legendenteams. Trezeguet spricht im Interview über Paul Pogbas Verantwortung, die Stärke des deutschen Teams und den Schatten des Terrors.
Kann Frankreich bei der EM Ähnliches vollbringen wie Sie im Jahr 2000 in …?
Trezeguet: Das Team hat auf jeden Fall großes Potenzial. Aber es ist auch noch sehr jung. Martial, Pogba, Coman sind alle Spieler, die sich noch entwickeln müssen, was aber nicht heißt, dass sie nicht schon gut genug sind, um den Titel zu gewinnen. Die französische Mannschaft erinnert mich an Deutschland 2010 – viele talentierte Spieler, aber noch sehr jung.
Didier Deschamps hat bewusst auf Spieler wie Karim Benzema oder Franck Ribery verzichtet. Ein Risiko?
Trezeguet: Er hat nicht aus rein sportlichen Gründen auf sie verzichtet. Das wäre etwas anderes. Benzema hat sich das selbst zuzuschreiben und Ribery ist vorher zurück getreten. Ich glaube aber, dass Frankreich auch ohne diese beiden Weltklasse-Spieler etwas reißen kann. Denn so gibt es vielleicht keine klaren Superstars, dafür aber ein junges hungriges Team.
GoalIst Paul Pogba schon bereit, die große Last zu schultern, die sein Talent mit sich bringt?
Trezeguet: Das glaube ich schon. Er hat das in diesem Jahr bei Juventus eindrucksvoll bewiesen, wo er nach den Abgängen von Tevez, Pirlo oder Vidal Verantwortung übernehmen musste. Er ist mental schon sehr weit und ist keiner, der bei zu viel Druck einknickt.
Wie schwer trifft die Equipe der Ausfall von Raphael Varane?
Trezeguet: Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn er dabei gewesen wäre. Denn er ist einer der talentiertesten Verteidiger Europas. Aber auch ohne ihn hat Frankreich eine starke Mannschaft, die etwas erreichen kann.
Wer sind Frankreichs größte Konkurrenten?
Trezeguet: Deutschland natürlich. Die haben wieder eine großartige Mannschaft. Spanien besteht fast nur aus Spielern, die es gewohnt sind, Titel zu gewinnen. Italien muss man immer auf dem Zettel haben, sie haben wieder eine starke Abwehr. Und dann gibt es noch Belgien oder Portugal. Es wird auf jeden Fall spannend!
Welchem Spieler trauen sie zu, die EM zu prägen?
Trezeguet: Ich glaube, dass Pogba durchaus große Momente haben wird. Ronaldo ist immer dafür gut, den Unterschied zu machen. Aber auch Spieler wie Thomas Müller oder Andres Iniesta sind weltklasse.
HublotDavid Trezeguet (v. l.) mit seinem von Diego Maradona gecoachten Team der Legenden
Sie haben Müller angesprochen. Was erwarten sie vom deutschen Team?
Trezeguet: Sie sind Weltmeister, das sagt eigentlich schon alles. Wenn man sieht, wer neben Müller alles auf dem Platz steht, dann ist klar, dass sie der Favorit sind. Özil, Boateng, Kroos, Khedira, Hummels und natürlich Neuer – allesamt fabelhafte Spieler.
Die EM steht im Zeichen der Pariser Terror-Anschläge. Beunruhigt sie das?
Trezeguet: Natürlich darf man das nicht ignorieren. Aber man darf dieses Thema auch nicht Überhand nehmen lassen. Denn dann hätten sie gewonnen. Mit einem Turnier ohne Zwischenfälle zeigt man Stärke. Und ich bin sicher, dass alles gut gehen wird.
Hublot hat hier in Paris Pele und Maradona zusammen geführt, die zum ersten Mal gemeinsam auf einem Fußballplatz stehen. Was bedeutet es ihnen, bei diesem historischen Ereignis dabei zu sein?
Trezeguet: Das ist natürlich ein großer Augenblick. Die beiden sind die besten Spieler aller Zeiten. Hier mit ihnen zu sein, ist etwas Großes. Und wie man sieht, kann Maradona immer noch ganz gut kicken. (lacht)

