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England Sturridge 16062016Getty Images

Daniel Sturridge lässt England träumen

Gareth Bale stand die Enttäuschung nach dem Schlusspfiff regelrecht ins Gesicht geschrieben. Auch seine Mitspieler trotteten mit hängenden Köpfen in Richtung Fanblock der lautstarken walisischen Fans. Wenige Minuten zuvor hatte Daniel Sturridge den Traum von einem Punktgewinn gegen den großen Erzrivalen England platzen lassen. Und diese Niederlage tat weh. Sehr weh.

Das 102. Duell zwischen den favorisierten Engländern und Nachbar Wales war im Vorfeld mit Spannung erwartet worden. Die Engländer standen nach dem extrem bitteren 1:1 gegen Russland am ersten Spieltag bereits unter enormen Druck. Bei einer Niederlage hätte den Three Lions, wie schon bei der WM 2014 in Brasilien, das Aus nach der Vorrunde gedroht.

Die Waliser hatten nach dem Auftaktsieg gegen die Slowakei eine Menge Selbstvertrauen getankt und wollten gegen die Elf von Roy Hodgson den ersten EM-Achtelfinaleinzug perfekt machen. Die Stimmung in Lens war prächtig, doch die 22 Akteure auf dem Rasen boten in den ersten 30 Minuten reichlich Magerkost. Zweikämpfe und Nickligkeiten prägten das Geschehen und Torchancen waren Mangelware. Nur Dele Alli hatte nach sieben Minuten die Führung auf dem Fuß, doch der Youngster drosch die Kugel über den Kasten.

Die Unsicherheit der noch jungen englischen Mannschaft war vor allem in der Anfangsphase deutlich spürbar. Man war um Spielkontrolle bemüht und wollte die Offensive der Waliser um Real-Star Bale nicht zur Entfaltung kommen lassen. Doch das Ballbesitz-Spiel der Three Lions war zu statisch und die vertikalen Bälle in die Spitze waren für die tief stehende walisische Defensive leicht zu verteidigen. 

So dauerte es 32 Minuten bis zum ersten richtigen Aufreger des Spiels. Davies bekam den Ball im Sechzehner an den Arm, doch der gute deutsche Schiedsrichter Felix Brych entschied zurecht nicht auf Strafstoß. Als sich die knapp 34.000 Zuschauer bereits auf ein gerechtes Remis zur Pause eingestellt hatten, kam der Aufritt Gareth Bales.

Bale mit dem Dosenöffner

Der 26-Jährige sorgte mit einem Freistoßtor aus gut 30 Metern für kollektives Ausrasten bei den mitgereisten walisischen Anhängern. Der Schuss war allerdings alles andere als platziert und so sah der englische Torwart Joe Hart doch mehr als unglücklich aus. Kurios: Bereits im ersten Spiel gegen die Slowakei sorgte Bale mit einem Freistoß für die Führung der Waliser. Auch hier patzte der Keeper.

Mit der Niederlage vor den Augen kamen die Engländer wie ausgewechselt aus der Pause und drückten auf den Ausgleich. Vor allem die individuelle Klasse der Three Lions machte sich nun auf dem Feld bemerkbar. Vardy und Sturridge, die zur Pause für Kane und Sterling gekommen waren, gaben dem Team neue Impulse und sorgten für eine sichtbare Qualitätssteigerung.

Der Leicester-Stürmer war es dann auch, der zehn Minuten nach seiner Einwechslung, den ersehnten Ausgleich markierte. Pech: Williams legte Vardy den Ball unfreiwillig vor den Fuß und der Torjäger ließ sich nicht zweimal bitten. Die Waliser wirkten wie geschockt und wurden fortan von den Engländern am eigenen Strafraum regelrecht eingekesselt. Die agilen Alli und Sturrige stellten den Defensivverbund um Kapitän Ashley Williams vor große Probleme, doch Rooney, Sturridge und erneut Vardy zielten zu ungenau.

Sturridge lässt England träumen

Für die Three Lions war ein Punkt zu wenig, doch machten die Spieler in den letzten 20 Minuten nicht den Eindruck, die Partie noch für sich entscheiden zu können. Beide Teams wirkten platt und so plätscherte das Spiel in den letzten Minuten so vor sich hin. Doch dann sorgte der starke Sturridge in der Nachspielzeit für walisische Schockstarre. Nach einer Energieleistung traf der 26-Jährige zum umjubelten Ausgleich. 

"Es ist ein schönes, verrücktes, unglaubliches Gefühl. Wir sind eine tolle Mannschaft und haben uns am Ende belohnt", freute sich Matchwinner Sturridge nach dem Schlusspfiff.

Bitter für die Waliser, doch der englische Sieg war auch aufgrund der zweiten Halbzeit durchaus verdient. Der Underdog enttäuschte jedoch keineswegs und überzeugte vor allem durch Leidenschaft und mit starker, kämpferischer Leistung. Die Offensive schaffte es aber letztlich zu selten, Nadelstiche gegen die defensiv nicht immer gutstehende englische Hintermannschaft zu setzen.

Der Last-Minute-Sieg wirkte für die englische Mannschaft wie eine Befreiung. Noch lange nach dem Spiel feierte die Elf um Kapitän Wayne Rooney mit den Fans den Erfolg gegen den britischen Rivalen. Nach dem bitteren Unentschieden kurz vor Schluss gegen Russland könnte das Tor von Sturridge nun den nötigen Schub geben und eine Art Initialzündung für das restliche Turnier sein. Nimmt die zweitjüngste Truppe des Turniers die Euphorie aus diesem 'Derby-Sieg' nun mit in die nächsten Spiele, so ist der erste EM-Triumph der Geschichte des Landes keine Utopie. 

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