Er wollte einfach nicht aufgeben. Bastian Schweinsteiger wurde getreten und geschlagen, doch der Kapitän kämpfte ungeachtet des Cuts unter seinem rechten Auge und den Krämpfen in der Wade weiter. Knapp zwei Jahre ist es her, als der völlig entkräftete Schweinsteiger schließlich den WM-Pokal im Maracana-Stadion gen Himmel reckte. Wie kein anderer war er nach dem packenden Finale gegen Argentinien Symbol des Erfolgs.
Vor dem Turnier hatte es noch - wie schon vor der Europameisterschaft 2012 - Diskussionen über Schweinsteigers Fitness gegeben. Kann ein angeschlagener Kapitän Deutschland tatsächlich zum Titel führen? Ist seine Zeit nicht ohnehin längst abgelaufen? Schweinsteiger trotzte nicht nur seinen Patellasehnenproblemen, sondern auch allen Zweifeln.
Nun, kurz vor Schweinsteigers 32. Geburtstag und womöglich auch vor seinem letzten Turnier mit der deutschen Nationalmannschaft, plagen den Mittelfeldmotor erneut körperliche Probleme. Und erneut gibt es Diskussionen über Schweinsteiger, dessen Fitnesszustand und Daseinsberechtigung.
"Er kann ein sehr wichtiger Spieler sein"
Diesmal allerdings scheinen die Zweifel berechtigter denn je. Seit seinem Wechsel zu Manchester United konnte Schweinsteiger nur selten überzeugen, zuletzt fiel er lange mit einem Innenbandanriss im rechten Knie aus. Gerade einmal sechs Spiele absolvierte er im EM-Jahr, vier davon als Einwechselspieler in den letzten 20 Minuten.
Sein Kurzeinsatz im Testspiel gegen Ungarn war sein erster Auftritt seit dem 20. März. Kein Wunder, dass Schweinsteiger fürs Auftaktspiel am Sonntag gegen die Ukraine (21.00 Uhr im LIVE-TICKER) maximal als Einwechselspieler in Frage kommt. "Basti hat sicherlich noch nicht die Substanz, über einen längeren Zeitraum zu gehen", sagt Co-Trainer Thomas Schneider.
Als Typ, ergänzt Schneider, sei Schweinsteiger dennoch "unheimlich wichtig für die Mannschaft, und er ist auf einem sehr, sehr guten Weg. Basti ist auf alle Fälle fit, macht einen sehr guten Eindruck und kann für uns ein sehr wichtiger Spieler sein mit seiner ganzen Klasse, mit seiner Erfahrung."
Joachim Löw sieht das ähnlich. "Bastian", stellt der Bundestrainer auf der Abschlusspressekonferenz am Samstag klar, "bleibt Kapitän, weil ich weiß, dass er im Laufe des Turniers spielen wird." Beim DFB zählen sie auf Schweinsteiger. Nach wie vor.
Fehlendes Tempo vs. Leaderqualitäten
Zumindest fraglich scheint dennoch, ob der Ex-Münchner tatsächlich nochmal seine Leistungsgrenze erreichen kann. Zuletzt wurde immer deutlicher, dass dem Rechtsfuß, einst Rechtsaußen und "Schweini" genannt, auf höchstem Niveau das Tempo fehlt.
Andererseits sind da sein unbändiger Wille und seine Leaderqualitäten. Schweinsteigers Fähigkeit, ein Spiel zu lenken und ein Team zu führen, ist unbestritten. Die diesjährige Europameisterschaft ist für Schweinsteiger sein siebtes großes Turnier. Es ist jene große Bühne, die seines Abschieds würdig wäre. Nun ist es an der Zeit, erneut alle zu überraschen. Wie in jener magischen Nacht vor zwei Jahren in Rio de Janeiro.
