Aus der Ligue 1 zum Superstar: Didier Deschamps

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Er wurde erst als "Wasserträger" verspottet. Dann aber setzte sich der Mann aus Bayonne durch und wurde zu Frankreichs Admiral.

Didier Deschamps sei nur ein "Wasserträger", lautete die geringschätzige Annahme. Er verrichte nur niedrige Arbeiten, sagte Eric Cantona, und füllte eine Rolle aus, die für die Spieler vorgesehen sei, deren Talent für nichts Anderes ausreichte.

Spieler wie Deschamps seien einfach Arbeiter, Bedienstete, die die Ware bei den Admirälen auf dem Schlachtfeld abliefern müssten. Admirälen wie Cantona, die danach das Steuer in die Hand nehmen würden und in den Sonnenuntergang hineinsegelten.

Der junge Bedienstete erlebte später allerdings einige dieser Sonnenuntergänge selbst, als er sich nach der harten Arbeit des Tages an Deck erholen durfte. Denn schließlich war Deschamps, wie es die Franzosen ausdrücken, "unter einem guten Stern" geboren worden.

Didier Deschamps 28041992

Er wuchs in Bayonne in Südwestfrankreich auf. Als Youngster spielte der kleine General Rugby, bevor es seine Fußballqualitäten waren, die die örtlichen Scouts begeisterten. Schon als junger Spieler zeichneten ihn seine unnachgiebige Härte, seine taktische Disziplin und seine unzerstörbare Hingabe aus.

Deschamps ist selbst der Erste, der zugibt, dass bei ihm nicht das große Talent für eine Fußball-Karriere gesorgt hat.

"Ich denke, dass Didier ein Vorbild für die Spieler ist, die es schaffen wollen, obwohl sie keine von Gott gegebene besondere Fähigkeit haben", sagte sein Ex-Kollegen bei Chelsea und in Frankreichs Nationalteam, Franck Leboeuf, dem Independent.

Und Deschamps stimmt ihm zu: "Aus mir hätte nie ein so talentierter Spieler wie Zidane oder Del Piero werden können", erklärte er dem Cambridge Student. "Ich glich diese Schwächen durch meine extrem harte Arbeit aus und, indem ich meinen Mitspielern so gut half, wie ich nur konnte", ergänzte er.

Marseille Milan Champions League 26051993

Nachdem er die Jugendabteilung bei seinem Heimatklub im Baskenland durchlaufen hatte, verdiente er sich mit seiner harten Arbeit einen Vertrag in Nantes, wo sein Mentor Jean-Claude Suaudeau ihn 1985 in der Ligue 1 debütieren ließ.

Mehr als 100 Ligue-1-Partien bestritt er für den Verein, bevor er 1989 einen großen Schritt nach vorne machte, indem er zu Marseille ging. Dort spielte er mit Cantona zusammen und holte zwei Meisterschaften.

In seiner ersten Saison bei OM machte er 17 Liga-Spiele und holte seinen ersten Titel. Danach wurde er zu Girondins Bordeaux ausgeliehen, doch in der Saison 1991/92 war er wieder zurück in Marseille und verpasste nur zwei Liga-Spiele, als OM sich erneut die Meisterschaft sicherte.

Im zentralen Mittelfeld war Deschamps extrem wichtig. Er blieb noch in Marseille und gewann mit dem Klub in der folgenden Saison die UEFA Champions League. Als Kapitän führte er sein Team an, das im Finale den von Fabio Capello trainierten AC Mailand schlug.

Marseille Champions League 26051993

Danach erschütterte eine Spielmanipulationsskandal den französischen Verein. Marseille durfte den Europapokal-Titel nicht verteidigen und es folgte im Jahr 1994 der Zwangsabstieg.

Damit war Didier Deschamps' Zeit in Frankreich zu Ende gegangen. Er wechselte nach Italien zu Juventus und hatte schon zwei Meisterschaften in der Ligue 1 und mehr als 250 Liga-Spiele an Erfahrung im Gepäck.

Schon lange vorher hatte er sein Länderspieldebüt gegeben und übernahm auch in der Equipe Tricolore eine Führungsrolle. Er bekam die Kapitänsbinde, die vorher Cantona getragen hatte - und das wird der Moment gewesen sein, an dem ihre persönliche Fehde begann.

Cantona lief nie mehr für sein Land auf - und Deschamps führte Frankreich 1998 zum WM-Titel im eigenen Land. Zwei Jahre später gewann das Team auch noch die Europameisterschaft.

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France 2000

Der kleine Mann aus Bayonne war nicht nur ein Wasserträger, sondern er hatte eine ganze Nation ins gelobte Land geführt. "Man kann nicht nur Künstler haben", sagte Leboeuf. "Man braucht Spieler, die für andere arbeiten. Und niemand macht das besser als Didier", fügte er hinzu.

Der Bedienstete war ganz oben angekommen. "Der WM-Titel 1998 war zweifellos die größte Ehre meiner gesamten Karriere. Und die meines ganzen Lebens", sagte Deschamps, Frankreichs neuer Admiral.

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