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GFX Kokorin

Aleksandr Kokorin: Straßenrennen und Champagner statt Heim-WM

Ob Gianluigi Buffon, Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi – sie alle sind herausragende Sportler und große Persönlichkeiten, die sich die heutige junge Generation zum Vorbild nimmt, zu denen sie aufblickt, ja manchen sogar als Inspirationsquelle dient. Wie man seinen Lebensweg hingegen besser nicht bestreiten sollte, demonstriert aktuell der russische Angreifer Aleksandr Kokorin.

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Noch vor anderthalb Jahren galt der heute 26-Jährige als der Hoffnungsträger des russischen Fußballs. Bei Dynamo Moskau hatte er zwischen 2013 und 2015 zwei überragende Jahre, sollte auch in der Nationalmannschaft in die Fußstapfen von Andrey Arshavin treten und der Sbornaja bei der Heim-WM 2018 Ruhm und Ehre bringen.

Immer wieder wurde er mit dem FC Arsenal, Arshavins ehemaligem Klub, in Verbindung gebracht. Heute kann von einem Interesse eines solchen Vereins längst nicht mehr die Rede sein. Kokorin steht nicht einmal mehr im russischen Aufgebot für den Confed Cup, obwohl es der Sbornaja deutlich an Qualität mangelt, wie der blamable Auftritt vor einem Jahr bei der EM 2016 in Frankreich, als man unter anderem Wales mit 0:3 unterlag und als Gruppenletzter in der Vorrunde ausschied, eindrucksvoll bestätigte.

Vom Hoffnungsträger zur Hassfigur

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat Kokorin sein ohne Frage vorhandenes Talent leichtfertig vergeudet. Der Anfang vom Ende war sein Wechsel zu Zenit St. Petersburg ein typischer Schritt im russischen Fußball. Von Gazprom mit einem üppigen Gehalt ausgestattet, lässt es sich der 44-fache Nationalspieler in der nördlichsten Millionenstadt der Welt seitdem gut gehen, statt im Ausland in einer Top-Liga den nächsten Schritt zu machen. Seine Entwicklung stagniert bei Zenit stark. Von all dem, was ihn einmal zum begehrenswerten Stürmer machte, war in den letzten beiden Spielzeiten nicht mehr viel zu sehen.

Dennoch schafft es Kokorin regelmäßig die Schlagzeilen in Russland zu bestimmen. Wenn schon nicht durch seine Ballkünste, dann immerhin mit brisanten Geschichten außerhalb des Rasens. Da wäre beispielsweise seine Party-Nacht mit seinem Nationalmannschaftskollegen, Pavel Mamaev, wenige Tage nach dem peinlichen EM-Aus der Sbornaja in Frankreich. Während ganz Russland sich schockiert über den Zustand des heimischen Fußballs zeigte und mit Angst und Bangen Richtung Heim-WM blickte, feierten die beiden "Helden" in Monaco eine riesen Sause, rauchten Wasserpfeife und bestellten in einem Klub für 250.000 Euro Champagner, der feierlich unter den Klängen der russischen Nationalhymne hereingetragen wurde.

Das kam in der russischen Bevölkerung überhaupt nicht gut an. Nicht nur, dass Kokorin die Dreistigkeit besaß, nach dem blamablen EM-Aus so wild zu feiern, während in Russland viele Leute jeden Tag hart arbeiten müssen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Nein, mit dem Abspielen der russischen Nationalhymne in einer völlig unangebrachten Situation, ja auch noch nach einem derartigen persönlichen Versagen, beschmutzte er darüber hinaus die Ehre des Vaterlandes – und das sollte man im größten Land der Welt, wo Nationalgefühl und Patriotismus eine immense Rolle spielen, besser nicht machen.

GFX Kokorin

"Zwei Millionäre, die nicht einmal ein Hundertstel ihres Gehaltes verdienen. Zwei Spieler, die so viel Wert sind wie der Zehennagel von Lionel Messi. Sie sind dummes Vieh mit Silikon im Hirn", beschimpfte Dmitri Solovjew, einer der bekanntesten TV-Moderatoren des Landes, Kokorin und Mamaev in seiner Radio-Sendung und sprach vielen Russen damit aus der Seele.

Kokorin entschuldigte sich wenig später öffentlich für seine ausschweifende Nacht in Monaco. Wie ernst er es meinte, wurde ein halbes Jahr später deutlich. Im Januar dieses Jahres ließ er sich mit einem T-Shirt fotografieren, auf dem der berühmte Drogenboss und Killer Pablo Escobar abgebildet war. Im März wurde Kokorin nachts in Moskau dabei erwischt, wie er in seinem Bentley mit deutlich zu viel PS auf der Gegenfahrbahn fuhr. Manche Medien sprachen sogar von einem illegalen Straßenrennen.

Ein Problem des russischen Fußballs

Mit dieser Geschichte katapultierte er sich endgültig ins Aus. Nationaltrainer Valeri Gazzaev nominiert ihn seitdem nicht mehr für die Nationalmannschaft. Anstatt seine Landesfarben bei einem geschichtsträchtigen Ereignis wie einer Heim-WM zu vertreten, wird Kokorin nun aller Voraussicht nach – falls er im kommenden Jahr nicht so etwas wie eine Erleuchtung erlebt - vom Sofa zuschauen müssen.

Für den russischen Fußball ist der tiefe Fall eines der größten Talente des Landes angesichts der fehlenden Qualität im Nationalteam schmerzhaft, stellt aber gleichzeitig auch eine Chance dar. Denn Kokorin ist kein Einzelfall. "Solche Spieler wie Kokorin haben wir in unserem Land zuhauf. Das Problem ist das System, das sie gebärt", sagt etwa Grigori Telengater, Redakteur der großen Sportzeitung Championat , und meint damit die unprofessionellen Verhältnisse im russischen Fußball. Der Fall Kokorin hat gleichwohl einen Nerv in der Bevölkerung getroffen und könnte dafür sorgen, dass sich endlich etwas verändert und die Zügel vor der Heim-WM angezogen werden.

Und wer weiß, vielleicht wird einer der Russen bei der WM zum Vorbild für tausende junge Menschen im Land, wie es bisher nur Akteure vom Kaliber eines Buffon, Messi oder Ronaldo schaffen. Aleksandr Kokorin wird es nicht sein.

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