Als Albaniens Taulant Xhaka in der 62 Minute des Duells mit der Schweiz ausgewechselt wurde, endete gleichzeitig das im Vorfeld der Europameisterschaft viel diskutierte Bruder-Duell mit Granit. Der zwei Jahre ältere Taulant schien mit seiner Herausnahme alles andere als einverstanden, feuerte unter lautem Geschimpfe eine Wasserflasche in Richtung Bank.
"Hotter als sein Bruder", fasste ZDF-Kommentator Martin Schneider die Szene knapp zusammen. Eine Aussage, die wohl mehr auf die Heißblütigkeit als auf das äußere Erscheinungsbild abzielte. Heißblütig war nicht nur der Mittelfeld-Spieler vom FC Basel. Heißblütig war der Auftritt der gesamten Mannschaft Albaniens – im positiven Sinne.
Schnelles Gegentor, früh in Unterzahl
Als Hoffenheims Fabian Schär die Eidgenossen nach einem katastrophalen Bock von Torwart Etrit Berisha, der in der Folge im Privatduell mit Haris Seferovic seinen Fehler mehrfach wettmachte, bereits nach fünf Minuten in Führung brachte, deutete vieles darauf hin, dass Albanien sein erstes EM-Endrundenspiel in den Sand setzen würde.
Spätestens als Kapitän Lorik Cana aufgrund eines absichtlichen Handspiels bereits nach 37 Minuten unter die Dusche musste, die Schweiz danach etliche Großchancen liegen ließ, zweifelten nur wenige an einer Niederlage der Südosteuropäer.
Von einem temperamentvollen Trainer am Seitenrand, namentlich Giovanni De Biasi, unentwegt angestachelt, ließen seine Mannen besonders im zweiten Durchgang nur selten erkennen, dass sie nur noch zu zehnt auf dem Platz standen. Aufopferungsvoll warfen sich die Albaner in jeden Ball, scheuten keinen Zweikampf, gingen volles Risiko auf den Ausgleich.
Nervenflattern im entscheidenden Moment?
Belohnt wurde das Engagement der Truppe vom Balkan nicht – weil in den entscheidenden Momenten die Nerven versagten, die Coolness fehlte. Armando Sadiku scheiterte bereits in Halbzeit eins am überragenden Yann Sommer und vergab kurz vor seiner Auswechslung aus aussichtsreicher Position.
Die dickste Chance, den Schweizern doch noch einen Punkt abzuringen, vergab aber der für Sadiku eingewechselte Shkelzen Gashi. Alleine vor dem Gladbach-Keeper stehend, überlegte der Angreifer vom MLS-Klub Colorado Rapids zu lange und fand ebenfalls in Sommer seinen Meister.
Unter der Berücksichtigung, dass den Kuq e zinjte, den Rot-Schwarzen, zudem ein glasklarer Elfmeter verweigert wurde, bleibt zu konstatieren, dass lediglich Nuancen zum ersten Endrundenpunkt der albanischen Fußballgeschichte gefehlt haben. Am kommenden Mittwoch wartet mit Frankreich ein noch dickerer Brocken auf die Mannschaft.
Gelingt es De Biasi, seinen Jungs in den letzten Trainingseinheiten vor dem Duell mit dem EM-Gastgeber das etwaig verlorengegangene Selbstbewusstsein zurückzugeben, dann dürfte die Equipe Tricolore kein leichtes Spiel haben. Vielleicht erzielt Albanien sogar gegen den großen Mitfavoriten sein erstes EM-Tor. Dafür muss allerdings die Coolness im wichtigen Augenblick stimmen.
