Wie so oft wird die deutsche Nationalmannschaft auch bei dieser WM von einem Block des FC Bayern getragen. Keeper Manuel Neuer, Kapitän Joshua Kimmich, Abwehrchef Jonathan Tah, Ballverteiler Aleksandar Pavlovic, Kreativkopf Jamal Musiala. Alsbald dürfte sich dieser Gruppe der aufstrebende Linksverteidiger Nathaniel Brown anschließen. Er steht unmittelbar vor einem Transfer von Eintracht Frankfurt nach München für 55 Millionen Euro.
IMAGO / HMB-MediaWird die Kaderplanung des BVB mal eben völlig über den Haufen geworfen?
Borussia Dortmund ist in der deutschen Startelf aktuell zwar nur von zwei Spielern vertreten. Dafür nahmen Innenverteidiger Nico Schlotterbeck (26) und Sechser Felix Nmecha (25) beim 7:1-Schützenfest gegen Curacao entscheidende Rollen ein. Nmecha brachte Deutschland mit 1:0 Führung, Schlotterbeck machte sein kleines Missgeschick beim 1:1 mit seinem Kopfballtor zum so wichtigen 2:1 mehr als wieder wett, Nmecha wiederum holte den Elfmeter zum vorentscheidenden 3:1 heraus.
Auch unabhängig von diesen Torbeteiligungen überzeugten beide, vor allem Nmecha wurde anschließend mit Lob überschüttet. Deutschlands Sieg gegen Curacao war somit auch ein Sieg der kleinen Dortmunder Fraktion. Dadurch wuchsen aber gleichzeitig die Zweifel, wie lange dieses Duo noch als Dortmunder Fraktion betitelt werden darf. Nirgendwo sonst kann man sich schließlich so schnell für internationale Topklubs interessant machen wie bei einer WM.
Getty Images SportSchlotterbeck und Nmecha verlängerten beim BVB - mit Ausstiegsklauseln
Schlotterbeck und Nmecha entwickelten sich in den vergangenen Jahren zu unumstrittenen Ankern des BVB. Entsprechend groß war in Dortmund die Erleichterung, als sie im Frühling ihre Verträge verlängerten. Schlotterbeck bis 2031, Nmecha bis 2030. Dass sie tatsächlich bis dahin in Dortmund spielen, galt schon zum Zeitpunkt der Unterschriften als unwahrscheinlich. Nun erscheint es aber sogar denkbar, dass beide trotz ihrer jüngsten Verlängerungen überhaupt gar nie mehr für den BVB auflaufen.
Schlotterbeck ließ sich vorsorglich eine spezielle WM-Ausstiegsklausel in den Vertrag schreiben. Bis eine Woche nach dem Finale am 19. Juli darf er für 50 bis 60 Millionen Euro zu einem von drei ausgewählten Topklubs wechseln. Übereinstimmenden Berichten zählen dazu Real Madrid und der FC Liverpool, nicht aber der FC Bayern.
Angeblich soll sich der neue Real-Trainer Jose Mourinho sehr für Schlotterbeck interessieren, die festgeschriebene Ablösesumme wäre für die Madrilenen kein Problem. "Gute Spieler sind immer willkommen. Ich würde mich sehr freuen", sagte Antonio Rüdiger am Mittwoch im DFB-Camp in Winston-Salem. Rüdiger verlängerte kürzlich seinen Vertrag bei Real und würde im Fall eines Wechsel Schlotterbecks künftig auch bei Real mit ihm um Spielzeiten konkurrieren.
Getty ImagesWird Nmecha der drittteuerste Verkauf der BVB-Geschichte?
Nmecha besitzt ebenfalls eine Ausstiegsklausel. Diese greift aber erst im Sommer 2027, soll dann zunächst 80 Millionen Euro und ein Jahr später 70 Millionen betragen. Es ist der feine Unterschied zu Schlotterbeck: Über einen Transfer von Nmecha könnte der BVB in diesem Sommer mit möglichen Interessenten frei verhandeln, laut Bild soll die Schmerzgrenze bei 120 Millionen Euro liegen.
Damit würde Nmecha nach Ousmane Dembele (2017 für 148 Millionen Euro zum FC Barcelona) und Jude Bellingham (2023 für 127 Millionen zu Real) zum drittteuersten Verkauf der Klubgeschichte avancieren. Interesse zeigt angeblich ebenfalls Real, zudem werden der FC Chelsea und die beiden Topklubs aus Manchester gehandelt. Bei City spielte Nmecha bereits zwischen 2008 und 2021 in der Jugend.
Getty Images SportSchlotterbeck und Nmecha gewannen im DFB-Team ihre Konkurrenzkämpfe
Die WM könnte für Schlotterbeck und Nmecha zum Sprungbrett in den ganz großen Fußball werden. Dabei schien es lange völlig unklar, ob es die beiden überhaupt in die deutsche Startelf schaffen würden. Schlotterbeck gewann letztlich den Konkurrenzkampf mit dem jahrelang gesetzten Rüdiger, Nmecha verdrängte Leon Goretzka auf die Bank - und zwar ziemlich überraschend.
In der WM-Qualifikation vertraute Bundestrainer Julian Nagelsmann noch konsequent auf Goretzka und stellte ihm im März öffentlich einen WM-Startplatz in Aussicht. Während Goretzka in der Schlussphase der Saison in der Bundesliga für den FC Bayern überzeugte, fiel Nmecha wegen eines Außenbandrisses verletzt aus. Erst am letzten Spieltag feierte er sein Startelf-Comeback beim BVB, dann sprach ihm Nagelsmann doch noch das Vertrauen aus.
Für den BVB sind die erfreulichen Entwicklungen von Schlotterbeck und Nmecha und das damit einhergehende Interesse an den beiden ein zweischneidiges Schwert. Bei einem doppelten Verkauf in diesem Sommer winken einerseits riesige Einnahmen von insgesamt rund 180 Millionen Euro, andererseits würde eine zentrale Achse wegbrechen und die generelle Kaderplanung mal eben völlig über den Haufen geworfen.
Die Rekordverkäufe des BVB
Spieler Position Verkauft an Jahr Ablöse Ousmane Dembele Angriff FC Barcelona 2017 148 Millionen Euro Jude Bellingham Mittelfeld Real Madrid 2023 127 Millionen Euro Jadon Sancho Angriff Manchester United 2022 85 Millionen Euro Christian Pulisic Angriff FC Chelsea 2018 64 Millionen Euro Pierre-Emerick Aubameyang Angriff FC Arsenal 2023 63,75 Millionen Euro

