Bei den letzten drei groĂen Turnieren stand Linda Dallmann jeweils im Kader der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Vergangenes Jahr beim Vize-Titel bei der EM 2022 kam die Mittelfeldspielerin in jeder Partie zum Einsatz und sollte eigentlich auch bei der anstehenden WM 2023 in Australien und Neuseeland ein fester Bestandteil des DFB-Aufgebots sein.
Allerdings fehlt Dallmann im Kader von Martina Voss-Tecklenburg fĂŒr das Turnier Down Under. Warum ist das so? Was ist der Grund fĂŒr das Fehlen von Dallmann? GOAL klĂ€rt in diesem Artikel auf.
Warum ist Linda Dallmann bei der WM nicht dabei?
Der Grund fĂŒr Dallmanns Fehlen bei der WM 2023 ist eine Verletzung. Die 28-JĂ€hrige hatte sich Ende Februar im DFB-Pokalviertelfinale mit dem FC Bayern gegen die TSG Hoffenheim einen Syndesmosebandriss zugezogen und musste operiert werden.
GettyFĂŒr den FCB konnte Dallmann daher in der abgelaufenen Saison kein weiteres Spiel mehr bestreiten. Auf eine Nominierung fĂŒr die WM 2023 hatte sie bis zuletzt gehofft und in der Reha alles dafĂŒr gegeben. Allerdings reichte letztlich die Zeit nicht und Voss-Tecklenburg musste auf die technisch versierte Mittelfeldakteurin verzichten.
Frauen-WM: Darum fehlt Linda Dallmann
"Linda steckt noch im Aufbautraining und ist bei der Belastbarkeit noch nicht so weit, sodass es zeitlich bis zu den LehrgĂ€ngen und dem Turnier zu knapp wĂŒrde", erklĂ€rte Voss-Tecklenburg im Rahmen ihrer Kader-Nominierung Ende Mai.
Die Bundestrainerin fĂŒhrte hinsichtlich des Verzichts auf Dallmann aus: "Wir wollten eigentlich noch etwas abwarten, aber haben uns in vielen GesprĂ€chen gemeinsam dazu entschlossen, ihr die Möglichkeit zu geben, sich ohne Zeitdruck auf die neue Saison vorzubereiten."
Wann genau Dallmann ihr Comeback feiern wird, ist noch offen. Wahrscheinlich ist aber, dass sie zu Beginn der neuen Spielzeit wieder fĂŒr Bayern auf dem Platz stehen wird.
Linda Dallmann fehlt bei der WM: Ihre EinsÀtze bei der EM 2022
| Spiel 1: Deutschland - DĂ€nemark 4:0 | In der 69. Minute fĂŒr Lina Magull eingewechselt |
| Spiel 2: Deutschland - Spanien 2:0 | In der 72. Minute fĂŒr Sara DĂ€britz eingewechselt |
| Spiel 3: Finnland - Deutschland 0:3 | Startelf, in der 76. Minute ausgewechselt |
| Viertelfinale: Deutschland - Ăsterreich 2:0 | In der 64. Minute fĂŒr Lina Magull eingewechselt |
| Halbfinale: Deutschland - Frankreich 2:1 | In der 68. Minute fĂŒr Lina Magull eingewechselt |
| Finale: England - Deutschland 2:1 n.V. | In der 91. Minute fĂŒr Lina Magull eingewechselt |
Frauen-WM: Warum ist Linda Dallmann nicht dabei? Das DFB-Team vor dem Turnier
Den heftigen Stimmungskiller haben die deutschen FuĂballerinnen auch noch teuer bezahlt: Carolin Simon hat bei der grĂŒndlich verpatzten WM-Generalprobe einen Kreuzbandriss erlitten. Die schwere Verletzung der eingeplanten Linksverteidigerin von Meister FC Bayern beim 2:3 (0:0) gegen Sambia ĂŒberschattete Martina Voss-Tecklenburgs Kaderbekanntgabe drei Tage vor dem Abflug nach Australien.
"Die Nachricht von Carolin Simon trifft uns alle", sagte "MVT" am Samstag: "Sie hatte eine hervorragende Entwicklung genommen, tolle Leistungen gezeigt und sich ihren WM-Platz mehr als verdient. Wir mĂŒssen die Situation nun so annehmen."
Tabea Sellner (VfL Wolfsburg), Sarai Linder (TSG Hoffenheim) und TorhĂŒterin Ena Mahmutovic (MSV Duisburg) wurden aus dem erweiterten Aufgebot gestrichen. Zur Sicherheit reist Mittelfeldspielerin Janina Minge (SC Freiburg) als 24. Spielerin am Dienstag mit nach Sydney, Paulina Krumbiegel (Hoffenheim) war schon zuvor verletzt abgereist.
Alexandra Popp, mit 128 LĂ€nderspielen erfahrenste Akteurin im WM-Kader, hatte sich direkt nach Abpfiff schon in Sarkasmus geflĂŒchtet. "Wir kennen ja die deutschen FuĂballfans, da ist das ganz schnell so, dass die Alarmglocken angehen", befand die KapitĂ€nin nach der peinlichen Pleite gegen den Weltranglisten-77. aus Sambia.
Popp war "angefressen", bemĂŒhte sich aber um Beschwichtigung: "Ich mache mir keine Sorgen. Wir haben noch ein paar Tage." Auch das klang mit Blick auf den WM-Start am 24. Juli gegen Marokko beschönigend. Schon am Dienstag steigt das Team in den Flieger nach Australien, mit alarmierenden Problemen im GepĂ€ck.
Zu allem Ăberfluss waren neben Simon auch AbrĂ€umerin Lena Oberdorf (Oberschenkel) und Abwehrchefin Marina Hegering (FuĂ) angeschlagen, die Nominierung konnte dennoch erfolgen. Diagnosen lieferte der DFB am Samstag nicht.
"In der Summe zu viele Fehler", hatte Voss-Tecklenburg in FĂŒrth beklangt. Dreimal lieĂ sich der zweimalige Weltmeister vom WM-Neuling um die herausragende DoppeltorschĂŒtzin Barbra Banda (48./90.+12.) auf einfachste Art auskontern. Diese AnfĂ€lligkeit zieht sich durch das "durchwachsene Jahr", wie "MVT" zugab.
0:0 gegen Schweden, 1:0 gegen die Niederlande, 1:2 gegen Brasilien, 2:1 gegen Vietnam: Nach dem SommermĂ€rchen 2022 in England blieb die angestrebte Weiterentwicklung ein frommer Wunsch. Selbst mit acht (!) Profis vom VfL Wolfsburg in der Startelf wirkte die deutsche Auswahl vor 11.404 Fans im Sportpark Ronhof uneingespielt und schludrig. Das AufbĂ€umen in der turbulenten XL-Nachspielzeit war der einzige Lichtblick, als Lea SchĂŒller (90.+1) und Popp (90.+10) ausglichen.
An diesem Denkzettel soll das DFB-Team nun "wachsen", so die Hoffnung der Bundestrainerin, die eine unmissverstÀndlich Mahnung aussprach: "Mit Kolumbien kommt das gleiche Tempo und die gleiche Physis auf uns zu. Wenn wir nicht lernen, wird es auch nicht zu einem positiven Ergebnis kommen."
Die Ă€hnlich unbequemen SĂŒdamerikanerinnen gelten im zweiten Spiel (30. Juli) als schwierigste Aufgabe in der WM-Gruppe H, bevor es am 3. August gegen SĂŒdkorea geht. "Wir werden in Australien nun die Zeit nutzen, um uns bestmöglich auf unsere bevorstehenden Aufgaben einzuschwören", mit Blick auf den Countdown im Basecamp in Wyong, 90 km nördlich von Sydney.
Nach der zweiwöchigen Vorbereitung in Herzogenaurach verabschiedeten sich die Spielerinnen fĂŒr drei Tage zu ihren Familien. Womöglich kehren die Gedanken noch öfter zu diesem lauen Sommerabend zurĂŒck.
Ein solcher Warnschuss, so die Hoffnung von Verteidigerin Kathrin Hendrich, könne ja auch eine "Jetzt-erst-recht"-MentalitĂ€t entfachen. Und Voss-Tecklenburg ĂŒbte sich vor der Hiobsbotschaft von Simons Knie noch in Zweckoptimismus: "Vielleicht gucken die anderen jetzt ein bisschen weniger auf uns. Vielleicht tut uns das gut." (SID)


