Benficas Trainer Jose Mourinho wird aufgrund seiner Aussagen zum Vorfall rund um Real Madrids Vinicius Junior im Champions-League-Spiel am Dienstagabend vorgeworfen, rassistische Beleidigungen zu rechtfertigen.
Getty Images Sport"Heuchlerisch, dass das von Jose Mourinho kommt": Schwere Vorwürfe gegen Benfica-Trainer nach Rassismus-Eklat um Vinicius Junior
Jose Mourinho "hat einen großen Fehler gemacht und Rassismus rechtfertigt"
"Ich glaube, er ist noch zu sehr in der Emotion. Er hat einen großen Fehler gemacht und Rassismus rechtfertigt", beklagte der ehemalige Weltklasse-Mittelfeldspieler Clarence Seedorf als TV-Experte bei Amazon Prime. Der 49-Jährige führte zu Mourinhos Kommentaren im Anschluss an Benficas 0:1-Niederlage gegen Real Madrid aus: "Er sagt ja, es sei in Ordnung, rassistisch zu sein, wenn Vinicius dich provoziert - und ich denke, das ist sehr falsch. Rassistische Beleidigungen sollten niemals gerechtfertigt werden. Vinicius musste schon genug von diesem unsäglichen Verhalten einiger Menschen ertragen. Ich weiß, dass Mourinho mir von Herzen zustimmen würde, aber er hat sich ein bisschen unglücklich ausgedrückt", so Seedorf.
Sein traumhaftes Siegtor in der 50. Minute hatte Vinicius mit einem provokanten Jubel vor Benficas Fans gefeiert. Unmittelbar danach soll Gianluca Prestianni, Offensivspieler der Portugiesen, ihn rassistisch beleidigt haben. Der Argentinier verdeckte dabei seinen Mund mit seinem Trikot. "Es ist eine Schande, dass die Kameras das nicht aufgezeichnet haben. Wenn du deinen Mund bedeckst, bevor du etwas sagst, dann ist doch klar, dass da etwas nicht stimmt", schimpfte Vinicius' Teamkollege Fede Valverde. Und Reals Stürmerstar Kylian Mbappe stellte klar: "Der Spieler mit der Nummer 25 hat Vini fünfmal als Affen bezeichnet. Das habe ich selbst gesehen." Bei Movistar betonte der Franzose zudem: "Wir können nicht akzeptieren, dass sich ein Spieler, der in Europas wichtigstem Wettbewerb spielt, so verhält."
gettyJose Mourinho hatte Vinicius Mitschuld an rassistischen Beleidigungen gegeben
Die Partie war von Schiedsrichter Francois Letexier nach dem Vorfall zunächst unterbrochen worden, wurde nach knapp zehn Minuten aber wieder fortgesetzt. Mourinho, der inmitten der aufgeheizten Atmosphäre kurz vor Schluss die Gelb-Rote Karte sah, unterstellte Vinicius nach der Partie, eine Mitschuld an den mutmaßlich rassistischen Beleidigungen gegen ihn zu haben.
"Diese Talente sind in der Lage, solche wunderschönen Dinge zu vollbringen, aber leider war er nicht einfach nur glücklich darüber, dieses erstaunliche Tor erzielt zu haben. Wenn man ein Tor wie dieses schießt, sollte man auf respektvolle Weise feiern", störte sich Mourinho an dem Jubel des Real-Stars. Der Portugiese weiter: "Irgendetwas stimmt nicht, denn es passiert in jedem Stadion. In einem Stadion, in dem Vinicius spielt, passiert immer etwas."
Für diese Aussage setzte es auch vom früheren englischen Nationalspieler Theo Walcott Kritik: "Ich liebe alles, was Jose Mourinho für den Fußball geleistet hat. Aber ich denke in diesem Fall hat er eine schlechte Entscheidung getroffen", so Walcott. "Vielleicht war es dieses eine Mal, bei dem wir lieber nichts von ihm hätten hören sollen. Dieser eine Abend, an dem er nicht vor eine Kamera hätte treten sollen."
Rassismus-Eklat um Real Madrids Vinicius: Prestianni äußert sich
Bei CBS Sports regte sich indes auch Liverpool-Legende Jamie Carragher über Mourinhos Reaktion auf. Der TV-Experte erkennt mit Blick in dessen Vergangenheit deutlich eine Doppelmoral bei The Special One.
"Jeder kann jubeln, wie er will - und Vinicius sollte niemals Rassismus erfahren", sagte Carragher und betonte hinsichtlich Mourinhos Kritik am provokanten Jubel des Brasilianers: "Es ist ein bisschen heuchlerisch, dass das von Mourinho kommt. Ein Mann, der in der Vergangenheit mit seinem Torjubel wahrscheinlich mehr Gegner provoziert hat als jeder andere Trainer. Erinnert Ihr Euch, wie er im Old Trafford die ganze Seitenlinie abgelaufen ist (nach einem Siegtor für den FC Porto bei Manchester United 2004, d. Red.)? Und ich weiß noch, wie Mourinho nach einem späten Tor für Chelsea in einem Pokalfinale gegen Liverpool den Reds-Fans zurief, sie sollen leise sein. Oder wie häufig hat er schon die Hände an seine Ohren gelegt, um damit Gegner zu provozieren? Es ist also echt heuchlerisch von ihm, Vinicius zu kritisieren."
Für das Rückspiel kommende Woche in Madrid ist jedenfalls viel Zündstoff geboten. Prestianni hat sich derweil inzwischen zu dem Eklat geäußert und sich dabei gegen die Rassismus-Vorwürfe gewehrt: "Ich möchte klarstellen, dass ich zu keinem Zeitpunkt rassistische Beleidigungen gegenüber Real Madrids Spieler Vinicius Jr. geäußert habe. Er hat bedauerlicherweise missverstanden, was er meinte, von mir gehört zu haben", schrieb der 20-Jährige bei Instagram. "Ich war noch nie rassistisch jemandem gegenüber und ich bedauere die Drohungen, die ich von Reals Spielern erhalten habe."
AFPDie nächsten Spiele von Real Madrid
- Samstag, 21. Februar (18.30 Uhr): CA Osasuna vs. Real Madrid (LaLiga)
- Mittwoch, 25. Februar (21 Uhr): Real Madrid vs. Benfica (Champions League)
- Montag, 2. März (21 Uhr): Real Madrid vs. FC Getafe (LaLiga)
- Samstag, 7. März (21 Uhr): Celta Vigo vs. Real Madrid (LaLiga)



