Benfica-Trainer Jose Mourinho sieht nach dem Rassismus-Eklat im Champions-League-Spiel zwischen dem portugiesischen Topklub und Real Madrid auch eine Teilschuld bei Vinicius Junior. Dieser hat sich zu dem Vorfall bereits geäußert.
getty"Irgendetwas stimmt nicht, denn es passiert in jedem Stadion": Jose Mourinho gibt nach Rassismus-Eklat Real-Superstar Vinicius Junior Teilschuld an Eskalation
"Diese Talente sind in der Lage, solche wunderschönen Dinge zu vollbringen, aber leider war er nicht einfach nur glücklich darüber, dieses erstaunliche Tor erzielt zu haben. Wenn man ein Tor wie dieses schießt, sollte man auf respektvolle Weise feiern", kritisierte Mourinho bei Amazon Prime Video Vinicius Junior mit Blick auf dessen provokanten Jubel nach dem 1:0. Anschließend verschärfte der Portugiese seine Aussagen mit einem brisanten Vorwurf: "Irgendetwas stimmt nicht, denn es passiert in jedem Stadion. In einem Stadion, in dem Vinicius spielt, passiert immer etwas."
Vinicius hatte nach seinem Traumtor in der 50. Minute mit einem Tänzchen an der Eckfahne provokant vor den Benfica-Fans gejubelt, anschließend wurde der Brasilianer von Prestianni angegangen und offenbar beleidigt. Der Argentinier hielt sich dabei das Trikot vor den Mund, Vinicius stürmte daraufhin wild gestikulierend zu Schiedsrichter Francois Letexier, der das Spiel umgehend unterbrach. Erst nach zehn Minuten hitziger Diskussionen an der Seitenlinie ging es weiter.
Das Zeichen von Letexier weise "eindeutig auf einen rassistischen Vorfall" hin, sagte Lutz Wagner, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter und heutiger Referee-Lehrwart beim DFB, bei Amazon Prime Video: "Der Schiedsrichter hat beide Arme über dem Kopf verschränkt. Da müssen rassistische Beleidigungen oder Zwischenrufe gefallen sein."
Jose Mourinho: "Aber ich glaube weder dem einen noch dem anderen"
"Ich habe zwei völlig unterschiedliche Dinge gesehen. Ich will unabhängig bleiben und das nicht weiter kommentieren. Ich habe ihm (Vinicius) genau das gesagt", fügte Mourinho hinzu. "Ich habe ihm gesagt: Wenn du so ein Tor schießt, feierst du einfach und gehst zurück. Als er über Rassismus diskutierte, habe ich ihm gesagt, dass die größte Persönlichkeit in der Geschichte dieses Vereins (Eusebio) schwarz war."
Benfica sei "alles andere als rassistisch. Falls in seinem Kopf irgendetwas in dieser Richtung war – hier bei Benfica. Sie (Vinicius und Gianluca Prestianni) haben mir unterschiedliche Dinge erzählt. Aber ich glaube weder dem einen noch dem anderen. Ich möchte unabhängig bleiben."
Um Punkt Mitternacht meldete sich Vinicius endlich selbst zu Wort. "Rassisten sind vor allem Feiglinge. Sie müssen sich das Hemd über den Mund ziehen, um zu zeigen, wie schwach sie sind", postete der Starstürmer von Real Madrid mit etwas Abstand nach dem 1:0 (0:0) im Play-off-Hinspiel der Champions League bei Benfica Lissabon in seiner Instagram-Story. "Nichts von dem, was heute geschehen ist, ist neu in meinem Leben oder im Leben meiner Familie."
Kylian Mbappe: "Er hat ihn fünfmal als Affen bezeichnet"
Was sein Gegenspieler Gianluca Prestianni genau gesagt habe, verschwieg Vinicius in seinem Statement. Das hatten zuvor schon seine Teamkollegen übernommen. "Der Spieler mit der Nummer 25 hat Vini fünfmal als Affen bezeichnet. Das habe ich selbst gesehen", wütete Kylian Mbappe laut spanischen Medienberichten in den Katakomben - und holte gegenüber Prestianni fassungslos zum Rundumschlag aus.
"Wir können nicht akzeptieren, dass sich ein Spieler, der in Europas wichtigstem Wettbewerb spielt, so verhält", sagte Mbappe bei Movistar über den Benfica-Stürmer. "Wir müssen ein Vorbild für all die Kinder sein, die zu uns aufschauen. Es gibt Dinge, die wir nicht akzeptieren können."
Die brachten vor allem Mbappe auf 180. "Dieser Junge hat es nicht mehr verdient, in der Champions League zu spielen", schimpfte der Franzose: "Überlassen wir es der UEFA, die immer versucht, etwas zu unternehmen. Diesmal haben sie einen ernsten Fall, und ich hoffe, sie unternehmen etwas." Sogar ein Abbruch habe im Raum gestanden: "Ich habe Vini gefragt, was er tun möchte. Was auch immer er tun möchte, wir werden es als Team tun. Wir werden Vini niemals im Stich lassen."
Brasilianischer Verband reagiert auf Vorfall um Vinicius Junior
Auch der brasilianische Fußballverband CBF bekundete seine Solidarität mit dem 45-maligen Nationalspieler. "Rassismus ist ein Verbrechen. Er ist inakzeptabel. Er darf weder im Fußball noch irgendwo sonst existieren. Vini, du bist nicht allein", hieß es in dem Statement auf X.
Und Vinicius selbst? Veröffentlichte neben der Story noch einen Post. Dieser zeigte seinen Jubel an der Eckfahne, darunter stand "Bernabeu. WIR SEHEN UNS DORT", versehen war der Beitrag zudem mit mehreren Ausrufezeichen, einem weißen Herz und einem Tänzer-Emoji. "Tanze Vini - und bitte hör niemals auf. Sie werden uns niemals vorschreiben, was wir tun müssen oder nicht", schrieb Mbappe.



