***GER ONLY*** Mesut Özil FC Arsenalimago

Mesut Özils Rolle unter Arteta: Ein Schritt zurück, zwei nach vorne


HINTERGRUND

Das Glücksgefühl, das Alexandre Lacazette, Mesut Özil und Co. in der 78. Minute erfasste, währte nur kurz. Mitten in den Jubel der Gunners-Protagonisten schnellte die Fahne der Schiedsrichterassistentin in die Höhe - Abseits. Die Achterbahnfahrt der Emotionen wurde schließlich komplettiert, als der Videoassistent sich einschaltete. Özil, der rund sieben Meter vor des Gegners Tor freistehend die Übersicht behalten und Lacazette mit einem lässigen Kopfball in Szene gesetzt hatte, war zum entscheidenden Zeitpunkt nicht in der verbotenen Zone gewesen.

Am Ende behielten die Nordlondoner im Stadtderby gegen West Ham United - aufgrund jener Aktion und einer starken Leistung ihres Keepers Bernd Leno - mit 1:0 die Oberhand. Özil wurde bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss mit stehenden Ovationen bedacht, einige Arsenal-Anhänger feierten den ehemaligen deutschen Nationalspieler via Twitter. "Der König der Assists ist wieder da", schrieb einer. Ein anderer lobte: "Ich bin wirklich erfreut über die Özil-Vorlage. Der Junge hat so viel Arbeit investiert und sich mit seinem Assist für Lacazette belohnt. Ich denke, da wird noch mehr kommen."

Mesut Özil FC Arsenal West HamGetty

Bezugnehmend auf die Szene, die erst Freude, dann Enttäuschung und zu guter Letzt doch wieder Jubel bereithielt, kann man deutliche Parallelen zum bisherigen Saisonverlauf Özils ziehen. Auch dieser erinnert an die oben zitierten Achterbahnfahrt. Unter Trainer Unai Emery, mit dem der Weltmeister von 2014 nie wirklich warm wurde, kam Özil kaum zum Zuge. Bis zum Abgang des Spaniers Ende November standen in dieser Spielzeit lediglich vier Einsätze in der Liga zu Buche, zweimal drückte er über 90 Minuten die Bank, sechsmal suchte man den 31-Jährigen auf dem Kaderbogen vergeblich. In der Europa League durfte er ebenfalls nur sporadisch ran.

FC Arsenal: Mikel Arteta setzt auf Mesut Özil

Dementsprechend rankten sich im Winter auch ständige Wechselgerüchte um Özil. Ein Transfer nach Katar kam laut Mirror lediglich nicht zustande, weil Arsenal die Zeit gefehlt habe, einen adäquaten Ersatz zu verpflichten. Neu-Coach Mikel Arteta dürfte es recht gewesen sein, führt man sich die Einsatzzeiten zu Gemüte, die der ehemalige Gunners-Profi seinem Schützling generiert: Seit Arteta das Zepter von Interimstrainer Freddie Ljungberg übernommen hat, stand Özil in jeder Premier-League-Partie in der Startelf – und das, obwohl der Edeltechniker nicht immer die erhoffte Leistung zurückzahlte, weder als Torschütze noch als Vorlagengeber den Weg in die Statistikbücher fand.

"Er hatte manchmal etwas Pech, wenn er zu jemandem durchgesteckt hat und der dann nicht getroffen hat", nahm Arteta den Mittelfeldmann im Gespräch mit Sky Sports noch Mitte Februar in Schutz. "Solche Dinge hätten die Statistiken etwas besser aussehen lassen. Man schafft es nicht, von dort, wo er sich befunden hat, zu dem, was er sein könnte, in fünf Wochen. Sogar, wenn man das wirklich will, läuft das nicht immer so." Warum Arteta trotzdem auf Özil setzte, erklärte der Übungsleiter abschließend: "In manchen Momenten kam er dem, was ich von ihm auf dem Platz sehen will, schon sehr nah."

Mesut Ozil/Mikel Arteta Arsenal 2019-20Getty

Doch was will der einstige Assistent von ManCity-Trainer Pep Guardiola von seiner Nummer zehn sehen? Ganz offensichtlich, dass Özil neben seinen ihm ohnehin innewohnenden Qualitäten als Kreativspieler auch als klassischer Arbeiter fungiert. "Er hat definitiv mehr defensive Aufgaben übernommen", erklärt Charles Watts, Arsenal-Correspondent bei Goal. "Er arbeitet mehr, auch mit Blick auf sein Defensivverhalten, zudem presst er gut. Er war schon immer ein Spieler, der viel gelaufen ist, aber seit Arteta da ist, agiert er mit viel mehr Intensität und Tempo."

Zahlen zeigen deutlich: Mesut Özil agiert unter Arteta in defensiverer Rolle

Diese Beobachtungen spiegeln sich auch in Özils Zahlen wider. Während er unter Arsenals Trainer-Legende Arsene Wenger, unter dem er sicherlich seine Hochzeit hatte, im Durchschnitt 0,92 Tacklings pro Spiel verbuchte, kam er unter Emery lediglich auf 0,57. Bei Arteta hingegen sind es doppelt so viele (1,2).

Auch bezüglich der geführten Zweikämpfe pro Partie sind deutliche Unterschiede erkennbar: unter Emery ging Özil durchschnittlich 6,2-mal in direkte Duelle (bei saisonübergreifend 28 Spielen), seit Artetas Amtsantritt sind es 7,1 (bei zehn Partien). Andererseits muss Özil allerdings bezüglich offensivlastigerer Daten Abstriche machen. Kreierte er unter Wenger noch satte 3,35 Chancen pro Begegnung (bei 82,29 Ballaktionen), legte er seinen Kollegen unter Emerys Ägide nur noch 1,96 Torgelegenheiten (bei 59,64 Ballaktionen) auf. Unter Arteta kommt Özil lediglich auf 1,91 (bei 52 Ballaktionen).

Mesut Özil: Ein Schritt zurück, zwei nach vorne

Sinnbildlich gesprochen machte Özil also hinsichtlich seiner Rolle einen Schritt zurück (rein positionstechnisch), aber zwei nach vorne, was investierte Arbeit und das damit verbundene Vertrauen seines Trainers anbetrifft. "Jeder weiß, dass wir uns in den vergangenen zwei Monaten unter Mikel taktisch enorm verbessert haben. Er ist der richtige Mann", wurde Özil Anfang Februar von der Daily Mail zitiert. "Jeder Spieler weiß, auf welcher Position er zu spielen hat, wie er sich zu bewegen hat." Aussagen, die als klarer Seitenhieb in Richtung Emery verstanden werden durften.

Mesut Ozil, Unai Emery, ArsenalGetty

Obwohl es um die Beziehung zwischen Özil und Arteta offenkundig gut bestellt ist, rissen die Abgangs-Spekulationen nach Schließung des Transferfensters nicht ab. Der öffentliche Tenor: Arsenal möchte seinen Top-Verdiener, der immerhin noch einen Vertrag bis 2021 in der englischen Hauptstadt besitzt, loswerden.

Özil-Berater Erkut Sögut: "Er bleibt bis zum Ende seines Vertrages"

Endgültig ausgeräumt wurden die Ondits erst vor rund zwei Wochen. Özils Berater Erkut Sögut stellte im Interview mit der englischen Zeitung inewspaper klar: "Er bleibt bis zum Ende seines Vertrages. Es gibt keine Chance, dass er geht." Sögut schloss selbst einen Verbleib über die derzeitige Dauer des Kontraktes nicht aus: "Vielleicht hat er einen guten Saisonabschluss und eine gute nächste Saison, und der Verein bietet ihm eine Verlängerung an." Es läge letztlich aber "am Klub, nicht an mir oder Mesut. Wenn der Verein ihm kein neues Angebot macht, kann er nicht bleiben. Wenn er ein Angebot vom Verein bekommt, wird er darüber nachdenken."

Eventualitäten, für deren Eintreten nur Özil selbst verantwortlich ist. Ob die herausragende Vorlage am vergangenen Wochenende, die Erinnerungen an den alten, den genialen Özil wachwerden ließen, nur ein kurzzeitiges Aufbäumen war oder als zukunftsträchtiger Schub betrachtet werden darf, wird sich zeigen. Wann Özil wieder die Möglichkeit hat, den gelegten Grundstein für eine positive Entwicklung zu schleifen, ist indes offen.

Weil einige Arsenal-Spieler und -Mitarbeiter Kontakt mit dem am Coronavirus erkrankten Olympiakos-Boss Evangelos Marinakis hatten und folglich in häusliche Quarantäne geschickt wurde, fiel die Partie am Mittwochabend gegen Manchester City ins Wasser. Es folgte am Donnerstag die Meldung von der Coronaerkrankung Artetas, sodass die Quarantäne verlängert wird und auch das Premier-League-Spiel gegen Brighton am Samstag nicht steigt.

Werbung
0