Manchester Uniteds unklare Zukunft: Alarmierende Nachrichten - und eine neue Strategie

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Die enormen Transferausgaben von Manchester United wurden nicht von Erfolg gekrönt. Nun steht bei den Red Devils ein Strategiewechsel an.

HINTERGRUND

Paul Pogba reiste zunächst bis ans andere Ende der Welt, ehe er seinem Trainer Ole Gunnar Solskjaer die schlechte Nachricht überbrachte. Kurz bevor oder nachdem er bei einer Werbetour durch Tokio versuchte, fünf japanische Sumoringer mit einem Fußball abzuschießen, sagte er: "Es könnte ein guter Moment sein, um eine neue Herausforderung zu suchen." Und damit meinte er keinen Sumoringkampf.

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Pogba will United verlassen. Er ist wohl etwas enttäuscht von der Entwicklung seines Klubs, der bald womöglich nicht mehr seiner ist. "Ich bin seit drei Jahren hier und es gab gute und schlechte Momente", erklärte er durchaus vielsagend. Als er 2016 zu United wechselte, war er 23 Jahre alt und der teuerste Fußballer des Planeten. United plante Großes. Fast 190 Millionen Euro gab der Klub damals für neue Spieler aus, im darauffolgenden Jahr sogar noch ein kleines bisschen mehr. Als neuer Trainer kam Jose Mourinho.

Manchester United: Paul Pogba toppt jedes erdenkliche klubinterne Ranking

Gewonnen hat Pogba mit United seitdem einmal den League Cup und einmal die Europa League. Nichts, was ihm gerecht wird. Einem Triumph in der Premier League oder Champions League kam er nicht einmal nahe. Und jetzt will er also weg, als potenzielle Abnehmer gelten Real Madrid, Juventus Turin und Paris Saint-Germain.

Für Solskjaer ist das eine alarmierende Nachricht. Nachdem er im Winter den Trainerposten übernommen hatte, brachte er den von seinem Vorgänger Mourinho genervten Pogba in Form. Insgesamt schoss er in der vergangenen Saison bei United wettbewerbsübergreifend die meisten Tore (16), bereitete die meisten vor (elf) und toppte auch eigentlich jedes weitere erdenkliche klubinterne Ranking. Im Premier-League-Team des Jahres ist Pogba der einzige Vertreter, der nicht bei Manchester City oder dem FC Liverpool unter Vertrag steht.

Ole Gunnar Solskjaer, Paul Pogba, Man Utd

Manchester United: James kommt, Valencia und Herrera gehen

Solskjaer wollte eigentlich um Pogba herum eine neue Mannschaft aufbauen. Der aktuelle Stand lautet aber: Pogba will weg - und neu aufzubauende Spieler gibt es abgesehen von einer Ausnahme noch keine. Der bisher einzige fixe Transfer ist Daniel James. Ein 21-jähriger walisischer Flügelstürmer, der für 17 Millionen Euro vom Zweitligisten Swansea City kommt.

Kapitän Antonio Valencia und Mittelfeldmotor Ander Herrera verlassen den Klub dagegen ablösefrei. Ganz abgesehen von Pogba könnten weitere prominente Spieler folgen: Keeper David De Gea etwa, Anthony Martial, Alexis Sanchez oder Stürmer Romelu Lukaku.

Wie bei Pogba kamen auch bei Lukaku und Sanchez Abwanderungsandeutungen aus der Ferne. Ende April sagte Lukaku bei Sky Italia: "In der Serie A zu spielen, wäre ein Traum." Neulich verkündete sein Nationaltrainer Roberto Martinez in der belgischen Zeitung HLN: "Es ist klar, dass Romelu Manchester United verlassen muss." Sanchez sagte unterdessen bei der Copa America in Brasilien: "Ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt wie in den vergangenen sechs Wochen."

paul pogba manchester united alexis sanchez 2018 2019

United bekäme keinen Ersatz auf Paul Pogbas Niveau

Und nun? Pogba (bis 2021), Lukaku und Sanchez (beide bis 2022) stehen noch lange unter Vertrag. Die beiden Letzteren enttäuschten zuletzt zumeist und dürften bei einem entsprechenden Angebot wohl gehen. Pogba will United dagegen unbedingt halten. Aber gegen sein Willen? Damit würde der Klub Solskjaers Ankündigung konterkarieren, nur auf Spieler setzen zu wollen, die sich voll mit dem Verein identifizieren. Also verkaufen? Pogba würde wohl zwischen 150 und 200 Millionen Euro einbringen, einen Ersatz auf seinem Niveau bekäme United aber auf keinen Fall.

Potenzielle prominente Nachfolger könnte der Klub zwar mit viel Geld locken, aber mit deutlich weniger Perspektive. Die Entwicklung seit dem letzten Meistertitel 2013 zeigt klar nach unten und auch der zwischenzeitliche Aufschwung unter Solskjaer ebbte gegen Saisonende ab, was in Platz sechs und dem Verpassen der Champions-League-Qualifikation resultierte.

Manchester United muss sein Verhalten auf dem Transfermarkt anpassen

Aktuell ist es kaum vorstellbar, dass sich die mal hier und dann dort gehandelten Superstars auf einen Wechsel zu United einlassen würden: Antoine Griezmann, Ivan Rakitic, Philippe Coutinho, James oder Gareth Bale etwa.

United muss gerade sein Verhalten auf dem Transfermarkt anpassen. Die Philosophie der vergangenen Jahre, eher Namen zu kaufen als wirklich passende Verstärkungen, ging nicht auf und ist auch kaum mehr umsetzbar. Gegipfelt hat diese Entwicklung in Sanchez' Verpflichtung im Januar 2018, gebracht hat sie nichts.

United wird sich - völlig unabhängig von Pogbas Zukunft - künftig wohl in einem unprominenteren (aber womöglich gleichzeitig auch erfolgsversprechenderen) Marktsegment bedienen. Ein Strategiewechsel.

Kandidaten: Wan-Bissaka, Diop, Maguire, Tielemans, Maddison

Akutes Interesse besteht offenbar am englischen U21-Nationalspieler Aaron Wan-Bissaka. In seiner ersten Saison als Profi erkämpfte sich der 21-Jährige bei Crystal Palace direkt einen Stammplatz als Rechtsverteidiger und überzeugte. Ein erstes United-Angebot über rund 45 Millionen Euro soll sein Klub bereits abgelehnt haben und ein um etwa zehn Millionen Euro erhöhtes zweites auch. Der Poker läuft.

Ein Jahr älter als Wan-Bissaka ist Innenverteidiger Issa Diop von West Ham United, ein weiterer Kandidat. Auch er absolvierte gerade seine erste Premier-League-Saison (nach seinem Wechsel von seinem Jugendklub FC Toulouse nach England). Im Fokus steht darüber hinaus ein Trio von Leicester City: Verteidiger Harry Maguire und die beiden Mittelfeldspieler Youri Tielemans (zuletzt per Leihe in Leicester, gehört der AS Monaco) sowie U21-Nationalspieler James Maddison.

harry maguire james maddison youri tielemans leicester city premier league 2018/19 2019

Bei der finalen Abwicklung der Transfers könnte womöglich Rio Ferdinand mitwirken. Der langjährige United-Spieler soll demnächst der erste Sportdirektor der Klubgeschichte werden - und somit die fußballerische Kompetenz in der Vereinsführung erhöhen.

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