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Bayern Münchens Werben um Callum Hudson-Odoi: Bitte nicht ein zweiter Fall Jadon Sancho!

11:30 MEZ 04.01.19
Callum Hudson-Odoi Chelsea Bayern
Bayern will Callum Hudson-Odoi, Chelsea fordert 40 Millionen Euro Ablöse. Warum sollten die Münchner so viel Geld für ihn in die Hand nehmen?
Uli Hoeneß hat es immer wieder im feinsten Denglisch gesagt: "Der trend is your friend." So kommentierte der Präsident beispielsweise die Leistungssteigerung seiner Bayern in der zweiten Halbzeit bei einer Niederlage gegen den VfL Bochum vor etwa einem Jahrzehnt. Doch wenn er diesen Satz heute sagen würde, könnte er sich auch auf einen aktuellen Trend auf dem Transfermarkt beziehen.

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Es ist die junge Generation an Engländern, die momentan angesagt ist, ergo in den Scoutingberichten der großen Klubs in Europa ganz oben steht und sich anschickt, besonders im Ausland für Furore zu sorgen. Reiss Nelson, der aktuell vom FC Arsenal an die TSG 1899 Hoffenheim ausgeliehen ist und dort auf ganzer Linie überzeugt, ist Teil dieser Generation. Und natürlich Jadon Sancho von Borussia Dortmund.

Bayern München: Der BVB schnappte Jadon Sancho weg

Bei eben jenem Sancho ist der FC Bayern im Sommer 2017 aber mit seinem Angebot abgeblitzt. Dass es eines gegeben hatte, versicherte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic sogar eidesstattlich, um klarzustellen, dass der FC Bayern keinen Markt-Trend verschläft. Die Sport Bild hatte zuvor berichtet, dass der deutsche Branchenprimus kein Interesse an einer Verpflichtung des 17-Jährigen gezeigt habe.

Sancho hatte sich allerdings bewusst für den BVB entschieden. Auch, weil sich Dortmund "frühzeitig" und "sehr intensiv" um ihn bemüht habe, wie der Shootingstar der Schwarz-Gelben (17 direkte Torbeteiligungen in 24 Pflichtspielen) unlängst erklärte.

"Frühzeitig" und "sehr intensiv": Die Worte Sanchos blieben in München offenbar nicht ungehört. Denn eineinhalb Jahre nachdem dem FC Bayern eines der aktuell größten Talente des englischen Fußballs durch die Lappen gegangen war, wirbt der Rekordmeister erneut um die Dienste eines hochgehandelten englischen Talents - und das überaus intensiv.

Callum Hudson-Odoi ist gerade einmal 18 Jahre alt und kommt bei den Profis des FC Chelsea in dieser Saison auf lediglich sechs Einsätze, ein Tor und eine Torvorlage. Ein Umstand, der dem hochgelobten Talent offenbar überhaupt nicht passt, schließlich zögert Hudson-Odoi seit dem Sommer mit einer Unterschrift unter einem Vertrag, der ihn bis 2025 an die Blues binden würde. Dass Hudson-Odoi durchaus an einen Abschied denkt, hat aber auch noch andere Gründe.

Trotz Sarri-Lob: Hudson-Odoi hat bei Chelsea große Konkurrenz

Zu selten schafften zuvor hochgelobte Eigengewächse beim FC Chelsea dauerhaft den Sprung zu den Profis und in die Stammelf. Sogar Spieler mit heute klangvollen Namen versauerten von Zeit zu Zeit bei den Blues auf der Bank. Spieler wie Romelu Lukaku, Kevin De Bruyne oder Mohamed Salah. Die Konkurrenz ist groß und die Gefahr, durchs Raster zu fallen, noch viel größer.

Wird Chelsea-Trainer Maurizio Sarri auf seinen Umgang mit Hudson-Odoi und dessen geringe Spielzeit angesprochen, stellt der knurrige Italiener klar, dass Hudson-Odoi keinen Grund habe, unzufrieden zu sein. "Odoi hat in dieser Saison sechs- oder siebenmal gespielt, deshalb finde ich, er sollte sich glücklich schätzen", sagte der 59-Jährige erst kürzlich und stellte gar die aktuelle Premier-League-Tauglichkeit des Juwels in Frage.

"Er hat das Potenzial, ein großartiger Spieler zu werden, jetzt muss er sich verbessern", sagte Sarri und ergänzte: "Mit dem Ball ist er schon sehr gut. Aber er muss sein Spiel ohne Ball verbessern, er muss sich in der Defensivarbeit verbessern." Er verstehe, dass die Fans die Talente aus den Nachwuchsakademien lieben, "aber letztlich muss ich Spiele gewinnen". Das klingt nicht unbedingt danach, als wolle er alles dafür, um den Youngster zu halten.

Es ist dieses Sancho-Szenario, diese schleichende Perspektivlosigkeit, die sich in den Köpfen der hochtalentierten Spieler aus den englischen Nachwuchsakademien breitgemacht hat und die den FC Bayern in der Causa Hudson-Odoi auf den Plan gerufen hat.

Bayern München bietet Chelsea 33 Millionen Euro für Callum Hudson-Odoi

Nach Informationen von Goal und SPOX sind die Münchner nun sogar bereit, ihre ersten beiden Angebote in Höhe von 14 Millionen und 22,5 Millionen Euro nochmal auf 33 Millionen Euro zu verbessern. Das soll laut Sky Sports UK aber immer noch nicht reichen.

Chelsea fordert angeblich 40 Millionen Euro für den Youngster. Das liegt wohl nicht nur an der Hoeneß'schen Prahlerei über den überaus guten Zustand der bajuwarischen Schatzkammern ("Die Kassen sind gut gefüllt"), sondern auch daran, dass die Blues sich die Summe als Maßstab gesetzt haben, die sie für Christian Pulisic hinblättern mussten. Das waren immerhin 64 Millionen Euro.

Doch es ist auch nicht nur die Komponente der Dortmunder Sancho-Erfahrung, die das Begehren der Münchner in einem durchaus verständlichen Licht erscheinen lassen.

Der in London geborene Flügelspieler passt zumindest in der Theorie auch in das sportliche Portfolio des Rekordmeisters: Technisch beschlagen, passsicher dynamisch im Dribbling und offensiv flexibel einsetzbar. So ist er trotz seiner Ähnlichkeit mit Kingsley Coman spielerisch kein klassischer Flügelstürmer, sondern kann sich auch hinter der Spitze ins Zentrum fallen lassen.

Bayern München: Hudson-Odoi als Nachfolger von Robben und Ribery?

Außerdem wäre eine Verpflichtung des 18-Jährigen im Winter oder im Sommer nach dem Transfer von Alphonso Davies und den Abschiedsbekundungen von Arjen Robben und Rafinha das nächste Rendezvous mit der Zukunft. Das nächste Kapitel der geplanten Verjüngungskur und des Umbruchs, der beim Rekordmeister spätestens im Sommer endgültig eingeläutet werden soll.

Hudson-Odoi, der beim FC Chelsea vorwiegend in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kommt und bei den Profis bis zum Boxing Day (Premier-League-Debüt gegen Watford) eigentlich nur dann, wenn Sarri in der Europa League die zweite Garde aufbot, müsste sich wie auch Davies auch beim FC Bayern zunächst in die Reservistenrolle einordnen.

Weil alle Flügelspieler des FC Bayern aber die Verletzungsresistenz kaum gepachtet haben, könnte Hudson-Odoi im Falle eines Winter-Wechsels und spätestens im Sommer schneller in die Rotation des Rekordmeisters rutschen, als es Stand jetzt den Anschein hat. Auch Jadon Sancho, der vor seinem Wechsel zum BVB, kein einziges Spiel für die Profis von Manchester City gemacht hatte, benötigte ein halbes Jahr der Orientierung, spielte sich dann aber in der Startelf fest.

Beim FC Bayern München kündigt sich ein Umbruch an

Es sind die spielerischen und situativen Parallelen zwischen Sancho und Hudson-Odoi, gepaart mit der Trendwende beim FC Bayern vom personellen "Weiter so" zum Drang nach Veränderung, Umbruch und frischem Wind, die den 18-Jährigen so interessant für den Rekordmeister machen.

Sollte der Wechsel über die Bühne gehen und auch noch fruchten, freundet sich Uli Hoeneß vielleicht demnächst mal wieder verbal mit einem Trend an. Dann meint er aber sicherlich nicht die Leistungssteigerung der Mannschaft in der zweiten Halbzeit bei einer Niederlage gegen den VfL Bochum.