Die Zukunft von Startrainer Carlo Ancelotti liegt langfristig bei der brasilianischen Nationalmannschaft.
AFP"Ein Job, der mir sehr gefällt": Carlo Ancelotti bestätigt überraschende Zukunftsentscheidung
Carlo Ancelotti bleibt bis nach der WM 2030 brasilianischer Nationaltrainer
Wie der Italiener in einer TV-Sendung bei Movistar Plus bestätigte, geht er davon aus, seinen Vertrag bei der Selecao für vier weitere Jahre nach der anstehenden WM zu verlängern. Damit würde sich Ancelotti bis Sommer 2030 an den brasilianischen Verband binden, wie es The Athletic vor kurzem bereits berichtet hatte. "Es ist ein neuer Job, der mir sehr gefällt", erklärte Ancelotti seine Entscheidung, die Medienberichten zufolge noch im Februar auch vom Verband offiziell verkündet werden könnte.
Nach seinem Aus bei Real Madrid, wo er vom mittlerweile schon wieder entlassenen Xabi Alonso beerbt wurde, hatte Ancelotti Brasilien im vergangenen Sommer übernommen. Die bisherige Bilanz ist mit vier Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen durchwachsen. Mitte September hatten die Brasilianer ihr abschließendes WM-Qualifikationsspiel in Bolivien mit 0:1 verloren, als ihnen das Ticket zur Endrunde im Sommer bereits sicher war.
Gut einen Monat später setzte es dann eine 2:3-Testspielniederlage gegen Japan. Dem gegenüber stehen gute Auftritte wie ein 3:0 gegen Chile in der WM-Quali oder Testspielerfolge gegen Südkorea (5:0) und Afrikameister Senegal (2:0).
AFPKann Carlo Ancelotti Brasilien zum lange ersehnten sechsten WM-Titel führen?
Beim brasilianischen Verband scheint man angesichts der bevorstehenden, vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Ancelottis Arbeit jedenfalls zufrieden zu sein. Das neue Arbeitspapier würde bis nach der WM 2030 gelten - durchaus ein Risiko, da Ancelotti weiterhin sehr gut verdienen soll (um die zehn Millionen Euro Jahresgehalt) und bei einer möglichen Enttäuschung bei der anstehenden WM in den USA, Mexiko und Kanada schnell unter Druck geraten könnte.
Die Qualifikation gelang als Fünfter der Südamerikagruppe zwar letztlich souverän, doch nur 28 Punkte bedeuteten das bis dato schlechteste WM-Quali-Ergebnis in Brasiliens Geschichte. Das kann aber auch als gutes Omen ausgelegt werden: Denn nach der zuvor schlechtesten Qualifikationsphase (30 Punkte) holten die Brasilianer um die Superstars Ronaldo, Ronaldinho und Rivaldo bei der Weltmeisterschaft 2002 ihren bis dato letzten von fünf WM-Titeln.
Nichtsdestotrotz zählt Brasilien ohne die ganz große Star-Dichte bester Tage bei der WM 2026 nicht zum engsten Favoritenkreis. Das sieht auch Real Madrids Vinicius Junior so, der im Gespräch mit dem spanischen Streamer Ibai Llanos jüngst Argentinien, Portugal, Spanien und Frankreich als derzeit beste Nationalmannschaften der Welt nannte.
Carlo Ancelotti: Job bei Brasilien eine Rückkehr zu den Wurzeln
Zum WM-Auftakt wartet auf Brasilien gleich eine komplizierte Aufgabe gegen Marokko, Vize-Afrikameister und WM-Vierter von 2022. Angesichts der beiden weiteren Vorrundengegner Haiti und Schottland hat die Selecao insgesamt aber eine machbare Gruppe erwischt.
Ancelotti stand in seiner ruhmreichen bisherigen Trainerkarriere bereits zweimal bei Real Madrid, dazu bei zahlreichen weiteren Weltklubs wie der AC Mailand, dem FC Bayern München, Juventus Turin, Paris Saint-Germain oder dem FC Chelsea an der Seitenlinie. Als Chefcoach stets bei Vereinen angestellt, ist das Engagement in Brasilien gewissermaßen eine Rückkehr zu seinen Wurzeln als Trainer.
Denn nach Beendigung seiner Spielerkarriere begann Ancelotti 1992 zunächst als Co-Trainer der italienischen Nationalmannschaft. Drei Jahre lang war er dort Assistent von Italiens Trainerlegende Arrigo Sacchi und hatte dabei auch einen ganz berühmten Berührungspunkt mit Brasilien: Bei der WM 1994 in den USA entschied die Selecao das dramatische Finale gegen Italien mit Co-Trainer Ancelotti nach Elfmeterschießen für sich.
Getty ImagesHolt Carlo Ancelotti Nummer sechs? Brasiliens bisherige WM-Titel
- 1958: 5:2 im Finale gegen Schweden (Tore: Pele 2, Vava 2, Zagallo)
- 1962: 3:1 im Finale gegen die Tschechoslowakei (Tore: Amarildo, Zito, Vava)
- 1970: 4:1 im Finale gegen Italien (Tore: Pele, Gerson, Jairzinho, Carlos Alberto)
- 1994: 3:2 n.E. im Finale gegen Italien (Tore im Elfmeterschießen: Romario, Branco, Dunga)
- 2002: 2:0 im Finale gegen Deutschland (Tore: Ronaldo 2)