Yerry Mina: Der Neuzugang des FC Barcelona im Porträt

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Yerry Mina spielt ab sofort für Barca! Er ist großer Fan einer anderen Sportart und wurde unter anderem von zwei Ex-Bundesliga-Kickern geprägt.


PORTRÄT

Im hohen Norden Kolumbiens, im Städtchen Guachene, sah beim Spiel zweier Schulmannschaften zufällig ein Jugendtrainer zu. Ein baumlanger Junge fiel ihm sofort auf. Er bewegte sich trotz seiner Größe athletisch, war technisch gut und bewies ein gutes Auge. Der Mann sprach ihn an. Ob er nicht ein Probetraining machen wolle? Der Junge lehnte ab. Denn der Coach war keineswegs in der Fußballbranche tätig, sondern arbeitete als Basketballtrainer. Zwar liebte der Bub auch Basketball, viel mehr aber den Fußball.

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Heute ist der Junge noch größer als damals. Er ist 23, ist kolumbianischer Nationalspieler und war seit Monaten einer der begehrtesten Innenverteidiger der Welt. Ihn sollen auch die Bayern beobachtet haben. Am Donnerstag beendete der große FC Barcelona dann aber alle anderweitigen Spekulationen: Yerry Mina, so heißt der lange Schlaks aus dem hohen Norden Kolumbiens,  wechselt mit sofortiger Wirkung ins Camp Nou, erhält bei Barca einen Vertrag bis Sommer 2023 . 11,8 Millionen Euro Ablöse kostet er, seine Ausstiegsklausel beim neuen Klub hat es mit satten 100 Millionen Euro so richtig in sich.

Barca hatte sich wohl bereits Anfang 2017 ein Vorkaufsrecht für Mina gesichert, Palmeiras seinen Defensiv-Star aber unbedingt noch für das vergangene Jahr halten. Denn Mina war ein zentraler Baustein im letztlich gescheiterten Vorhaben, die Copa Libertadores zu gewinnen. Und doch: Mit Mina hat Palmeiras in den letzten anderthalb Jahren Großes geleistet.

Mit Yerry Mina erste Meisterschaft seit Rivaldo

Er war Stammspieler beim ersten Gewinn der brasilianischen Meisterschaft seit 1994. Damals gehörten Rivaldo, später beim FC Barcelona, Roberto Carlos und Flavio Conceicao, später beide bei Real, zum Kader. Gut 13 Jahre später war es wieder eine goldene Generation. Jesus wechselte bereits. Nun also auch Mina. Doch wer ist der 1,95 Meter große Verteidiger? Wer ist dieser 23-Jährige, den bis vor Kurzem bestenfalls Experten auf dem Schirm hatten?

 

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Ausgebildet wurde der 1994 in Guachene geborene Mina beim kolumbianischen Spitzenklub Deportivo Pasto. Er galt schon früh als Ausnahmetalent, einte er doch wie einst beim Basketball Stärke, Athletik, Technik und Übersicht. Er ist, wenn auch in allem noch sehr unausgereift, so etwas wie der Prototyp des modernen Verteidigers. In seiner Heimat wird er vor allem mit Gerard Pique verglichen.

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2014 wechselte er zum besten Team des Landes, Independiente Santa Fe. Der damals 19-Jährige macht einen großen Sprung, wird Stammspieler und macht sich mit seiner Torgefahr einen Namen. 19 Tore hat er in seiner jungen Karriere bereits erzielt. 2015 gewinnt Santa Fe die Copa Sudamericana, vergleichbar mit der Europa League Südamerikas.

Barcas Neuer Yerry Mina: Gelernt von Barrios und Ze Roberto

Im Mai 2016 wechselt er zu Palmeiras, einem Spitzenteam auf dem Kontinent. 3,2 Millionen Euro Ablöse kostet er, eine stolze Summe. Neben ihm kommt im Zuge der Transferoffensive auch Ex-BVB-Stürmer Lucas Barrios, der noch eine wichtige Rolle einnehmen sollte.

Mina wird Stammspieler und am Ende steht die ersehnte Meisterschaft. Damals Rivaldo, Conceicao und Roberto Carlos. Heute Jesus, Mina und Ze Roberto. Der frühere Münchner setzte sich mit 42 noch einmal die Krone auf – und war gleichzeitig Lehrmeister für Jesus und Mina. Er gab den beiden Tipps. Für ihr Spiel und auch Europa. Auf Instagram postete Mina bereits mehrfach Fotos von sich und dem ewigen Ze, der letztlich erst Ende November letzten Jahres seine ruhmreiche Karriere beendete.

 

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Ein zweiter wichtiger Mitspieler war der frühere Dortmunder Barrios. Denn wie Ze Roberto kannte er Europa, wusste, was ein Schritt in die Ferne bedeutet. Und als Stürmer zeigte er dem jungen Mina, was er in Übersee an Schlitzohrigkeit erlernt hatte. "Lucas hat mir viel gezeigt. Er hat eine Menge Erfahrung. Er ist ein guter Freund von mir geworden", sagte Mina.

Seit Sommer 2016 ist er auch Nationalspieler. An der Seite von den Stars der Cafeteros wie Carlos Bacca oder Juan Cuadrado traf er gegen Uruguay zum ersten Mal im Trikot seines Landes – die Erfüllung eines langen Traums. Mittlerweile hat er neun A-Länderspiele absolviert, dabei drei Treffer erzielt.

All eyes on Mina

Sein zweiter Traum wird sich nicht erfüllen: einmal in der NBA spielen. Auf Instagram zeigt er sich in Trikots der legendären Chicago Bulls oder der Cleveland Cavaliers, dem Team von LeBron James. Er schaut liebend gerne Spiele der nordamerikanischen Eliteliga an. Damit wird ab sofort Schluss sein. Denn jetzt muss er nachts schlafen, er spielt für Barcelona.

"Alles passiert unfassbar schnell, aber ich bin glücklich damit", sagte der Kolumbianer schon vor knapp einem Jahr im Interview mit Sport . "Ich bin sehr aufgeregt, denn, wie man sagt : Barca ist mehr als nur ein Klub. Jeden Tag wache ich auf und denke, dass ich gute Leistungen bringen muss, weil ich weiß, dass Barca auf mich achtet."

Und so wie vor Jahren die Augen eines Basketballtrainers auf ihn gerichtet waren, werden in den kommenden Monaten die vieler mehr auf ihn gerichtet sein. Denn er spielt nun auf Probe. Angst hat er keine. Er vertraut auf Gott, den er in jedem zweiten seiner an seine über 560.000  Instagram -Follower gerichtete Posts erwähnt. "Gesegnet durch Gott", schreibt er dann. Oder: "Mögen all meine Träume wahr werden. Mein Glück liegt in deinen Händen."

Ab nun wird er dann wirklich wahr, der Moment, in dem er für den Klub von Messi, Iniesta und Co. spielt. Ab jetzt liegt es nicht mehr nur in den Händen eines anderen, sondern vor allem in seinen eigenen Füßen.

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