Sven Mislintat: Der Perlentaucher von Borussia Dortmund

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Er ist das Superauge und unersetzbar für Borussia Dortmund: Sven Mislintat. Aber was macht den Leiter Profifußball so besonders?

HINTERGRUND

In der Sommerpause wurde es auf einmal hektisch am Rheinlanddamm in Dortmund. Ein wichtiger Mann soll vor dem Absprung bei Borussia Dortmund stehen, hieß es. Der FC Bayern sei scharf auf ihn. Dabei ging es nicht um einen Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang oder Ousmane Dembele. Es ging um die vielleicht wichtigste Person im Zusammenhang mit der sportlichen Entwicklung des BVB, um Sven Mislintat. Er ist der Kaderplaner der Schwarz-Gelben und ein wahrer Perlentaucher.

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Im Sommer gab es (wieder einmal) das Gerücht, dass der 44-Jährige den Verein verlassen könnte. Der FC Bayern machte das Interesse an ihm mehr oder weniger öffentlich. Auch der VfB Stuttgart soll ihn angefragt haben. In den vergangenen Jahren lockten bereits Fortuna Düsseldorf, Hannover 96 und der Hamburger SV. Aber Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer der Borussen, wurde deutlich. "Er bleibt beim BVB. Punkt, aus, Ende", sagte er. Das Superauge wird den Verein in keinem Fall verlassen. Aber warum ist Mislintat so begehrt? Warum wollte der FC Bayern einen Mitarbeiter von BVB-Sportdirektor Michael Zorc verpflichten?

Mislintat findet die Stars von morgen

Ganz einfach: Er ist derjenige, der die Stars von morgen schon findet, bevor sie bei anderen im Blickfeld auftauchen. Mislintat ist der Strippenzieher im Hintergrund, sichtet mit seinen Mitarbeitern im Scouting-Team weltweit neue Spieler und bastelt somit am BVB der Zukunft. Nicht umsonst hatten die Dortmunder in der Vergangenheit den Ruf, die heißeste Talentschmiede Europas zu sein.

Shinji Kagawa,Juergen Klopp
Harmonierten herausragend: Shinji Kagawa (links) und Jürgen Klopp führten den BVB zu zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg

Der 44-Jährige war es, der den Vereinsverantwortlichen damals Mats Hummels empfahl, der beim FC Bayern keine große Rolle spielte. Er lockte Jakub Blaszczykowski, Neven Subotic und Sven Bender zum BVB. Seine wohl besten Transfers waren die von Robert Lewandowski, der damals für Lech Posen kickte, und natürlich der von Shinji Kagawa. Der kleine Japaner kam im Jahr 2010 für ein paar Hunderttausend Euro Ausbildungsentschädigung von Cerezo Osaka aus der zweiten japanischen Liga und schlug in der Bundesliga ein. Er war damals maßgeblich an den beiden Meisterschaften und dem Pokalsieg 2012 beteiligt. Kagawa war ein wahrer Diamant, den Mislintat damals zum BVB lotste.

Auch Ousmane Dembele, Raphael Guerreiro und Pierre-Emerick Aubameyang empfahl er den Vereinsbossen schon, als sie in der Weltöffentlichkeit noch kaum in Erscheinung traten. Dembele wechselte vor einigen Tagen für die Rekordablösesumme von 105 Millionen Euro (plus 42 Millionen Euro an Bonuszahlungen) zum FC Barcelona. Aubameyang und Guerreiro können dem Verein sportlich noch viel zurückzahlen. Sind sie fit, gehören sie zu den besten Spielern der Liga. Nicht umsonst war Aubameyang in diesem Sommer heiß umworben.

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Mislintat hatte Streit mit Tuchel

Intern genießt Mislintat aufgrund dieser Transfers ein hohes Standing. Das wurde beim Disput mit Ex-Trainer Thomas Tuchel deutlich. Die beiden seien mehrfach heftig aneinandergeraten, woraufhin Tuchel Mislintat verboten hatte, das Trainingsgelände in Brackel zu betreten. Eskaliert sein soll der Streit, als es um die Verpflichtung des Spaniers Oliver Torres ging. Tuchel soll den Spieler abgelehnt haben, nachdem Mislintat viel Zeit investiert hatte, ihn vom BVB zu überzeugen. Daraufhin sind die beiden Dickköpfe so hart aneinandergeraten, dass Tuchel ihn mit Missachtung strafte. Der BVB allerdings stärkte Mislintat den Rücken und beförderte seinen Chefscout zum Leiter Profifußball mit Vertrag bis 2021.

Mislintat tritt nicht gern in der Öffentlichkeit auf, gibt kaum Interviews und gibt sich auch ansonsten eher wortkarg. Mitunter wirken sein lässiges Auftreten und seine Art etwas unfreundlich. Doch das nur auf den ersten Blick. Intern ist er längst unumstritten, arbeitete sich in den vergangenen zehn Jahren vom Scout zu einer der besten Spürnasen der Welt hoch. Seine Meinung ist intern unglaublich wichtig, auf seine Tipps wird gehört. Er verfügt über ein sehr gutes Netzwerk, bekommt Tipps von Beratern und Ex-Spielern.

Heißt es über diverse Spieler immer, sie seinen unersetzbar, kommt vom BVB oft der Hinweis, dass dies niemand wäre. So war es auch im Fall Dembele in diesem Sommer. Unersetzbar scheint derzeit ohnehin nur einer in Dortmund: Sven Mislintat.

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