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Spieleranalyse: Lyon-Star Nabil Fekir im Goal-Check


NABIL FEKIR (Olympique Lyon, Frankreich, 24 Jahre, OM)

Nabil Fekir hat sich im letzten Jahr zum Gesicht von Olympique Lyon entwickelt. Der 24-jährige Spielmacher ist nicht nur seit Beginn der laufenden Saison Kapitän des Tabellenvierten der Ligue 1, er ist in dieser Spielzeit mit 16 Toren und sechs Torvorlagen in Frankreichs Oberhaus auch Lyons Topscorer.

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Der inzwischen zehnfache französische A-Nationalspieler mit algerischen Wurzeln hat bereits einen durchaus beschwerlichen Weg hinter sich. Mit 14 musste er Lyons Jugendabteilung verlassen, körperliche Defizite und eine komplizierte Knieverletzung waren die Gründe. Über seinen Heimatklub Vaulx-en-Velin und AS St. Priest kam er erst mit 18 zurück zu OL, etablierte sich bei den Profis - ehe ihn ein Kreuzbandriss zwischen September 2015 und April 2016 monatelang außer Gefecht setzte.

Mittlerweile ist Fekir längst wieder in Topform, vor allem der FC Arsenal soll ihn unbedingt haben wollen. Goal hat sich den begnadeten Techniker mal genauer angeschaut, sein Spiel, seine Stärken und Schwächen analysiert.


TECHNIK


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Technisch bewegt sich Fekir auf extrem hohem, vor allem ausgereiftem und fehlerarmem Niveau. So sehr man auch sucht, am Boden findet man einen echten Makel bei ihm nicht. Besonders der erste Kontakt macht Fekirs Technik besonders, im Angriffsdrittel könnte er aber mitunter noch stärker das Risiko suchen. Dass er kein großer Kopfballspieler ist, tut seiner Qualität keinen merklichen Abbruch.

  • Ballverarbeitung / erster Kontakt

Überragend! Auch unter Gegnerdruck ist Fekirs erster Kontakt häufig ideal, so schnell wie er schaffen es nur wenige, die Kugel so zu verarbeiten, dass sie direkt in die gewünschte Aktion übergehen können. Er kann Ballannahme und dessen Weiterleitung miteinander verschmelzen lassen.

Was Fekir für das Kollektiv besonders wertvoll macht: Er hat keine Scheu, mit Gegner im Rücken Risiko bei der ersten Berührung zu gehen und ist auch in der Umsetzung meist so gut, dass er Dynamik in den Spielaufbau bringen und Angriffe initiieren kann. Die straßenfußballertypische Gabe, blitzschnell auf die Gedanken und Bewegungen des Gegenspielers zu reagieren, hat Fekir verinnerlicht. Und: Stockfehler sind bei ihm eine absolute Ausnahme.

  • Passspiel

Fekir spielt nicht überdurchschnittlich viele Pässe, was vor allem in seiner Position begründet liegt, bei Lyon spielt er eine Mischung aus Zehner und verkapptem Stürmer. Lediglich von Zeit zu Zeit lässt er sich etwas zurückfallen, um im Sechser- oder Achterraum besser anspielbar zu sein. Ist er das, verfügt er sowohl mit links als auch mit rechts über ein gutes Passspiel, in dieser Ligue-1-Saison bringt er bisher 84 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler. Den Moment für einen riskanten Pass in die Schnittstelle könnte der 24-Jähriger aber sicherlich noch etwas öfter erwischen.

  • Dribbling / Ballbehandlung im Tempo

Fekirs Ballführung ist extrem eng, auch in hohem Tempo hat er die Kugel immer unter Kontrolle. Seine Spezialität sind schnelle, kleine Drehungen und Richtungswechsel, die ihm sein linker Fuß, der sowohl mit Innen- als auch mit Außenseite oder Spann rundherum hervorragendes Ballgefühl aufweist, sowie sein tiefer Körperschwerpunkt (bei nur 1,73 Meter Körpergröße) ermöglichen. Hilfreich sind diese Qualitäten, wenn er sich auf engstem Raum um die Gegenspieler winden, auf deren Bewegungen mit blitzschnellen Haken reagieren muss - das kann Fekir extrem gut!

Im direkten Duell Eins-gegen-Eins ist Fekir eher der stringente als der verschnörkelt-spektakuläre Typ, eher der effektive Dribbler aus festgefahrenen Situationen heraus als der Flügelläufer. Und das erfolgreich! 76 abgeschlossene Dribblings in 2017/18 stellen den dritthöchsten Wert in der Ligue 1 hinter Neymar und Florian Thauvin. 69,72 Prozent seiner Dribblings bestreitet Fekir damit erfolgreich, Neymar kommt nur auf 61,37 Prozent Erfolgsquote.

Nabil Fekir Lyon PSGAFP/Getty
  • Abschluss

Seinen ohnehin bereits guten Abschluss hat Fekir im letzten Jahr noch einmal verfeinert. Am liebsten schießt er mit einer Mischung aus Innenseite und Spann, hat dabei ein gutes Feeling dafür, den Ball direkt neben den Pfosten zu setzen. Dabei variiert er auffällig gut zwischen der kurzen und langen Ecke.

Sowohl aus vollem Lauf als auch unter Gegnerdruck mit dem ersten Kontakt kann er sehr präzise abschließen, kann in Höchstgeschwindigkeit seinen Fuß optimal ausrichten. Ähnlich wie beim ersten Kontakt ist Fekir so auch beim Abschluss variabel, kann auch mit rechts Tore erzielen, beim Treffer gegen Bordeaux von der Mittellinie im August vergangenen Jahres sogar von der Mittellinie. Zwei seiner bisher 16 Saisontore in der Ligue 1 hat er mit rechts erzielt, die restlichen 14 mit links.

Was für Fekirs Präzision im Abschluss spricht: 39 seiner insgesamt 58 Schüsse gingen aufs Tor, starke 27,59 Prozent seiner Versuche landen im Netz.

  • Kopfballspiel

Alleine schon aufgrund seiner relativ geringen Körpergröße ist Fekir kein Kopfballspezialist. Ballgefühl hat er zwar auch in der Rübe, wirklich damit arbeiten kann oder muss er aber selten. Lobenswert: Er reibt sich spürbar häufiger als früher in Luftzweikämpfen auf, gewann in der aktuellen Spielzeit bisher auch immerhin 46,5 Prozent davon.

  • Beidfüßigkeit

Der linke Fuß ist der stärkere, eindeutig. Aber auch der rechte Fuß Fekirs erfüllt mehr als nur die Grundvoraussetzungen. So spielt er mit dem schwächeren Bein solide Pässe, schreckt auch nicht vor Abschlüssen oder Flanken damit zurück. Um sich als beidfüßig bezeichnen zu dürfen, fehlt Fekir mit rechts nur ein Tick - wenngleich er effektive Aktionen im Angriffsdrittel mit rechts doch eher selten hat.


GESCHWINDIGKEIT


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  • Antritt / Explosivität

Fekir kann aus dem Stand mit einer beeindruckenden Leichtigkeit einen oder auch mehrere Gegenspieler stehen lassen. Mit seinen kleinen Schritten beschleunigt er sehr schnell, ist ob seiner kompakten Statur dann auf den ersten Metern oft nur mit unfairen Mitteln aufzuhalten.

  • Geschwindigkeit mit Ball

Die Fähigkeit, auf allerhöchstem Niveau mit Ball am Fuß nicht an Geschwindigkeit einzubüßen, haben nur wenige. Fekir gehört dazu! Manchmal hat man gar das Gefühl, als sei er mit Ball schneller als ohne. Der einzige Makel: Noch zu selten bringt er sich in Situationen, in denen er diese riesige Stärke ausspielen kann.


ZWEIKAMPFVERHALTEN


Sein tiefer Körperschwerpunkt und seine kompakte Physis sind hier die größten Pluspunkte Fekirs. Er versteht es enorm gut, seinen Körper zwischen Ball und Gegner zu bringen, hat ein sehr gutes Gespür für den Offensivzweikampf. So kommt auch seine für einen Offensivspieler gute Zweikampfquote von 52,4 Prozent (Ligue 1 Saison 2017/18) zustande.

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Schwächen fallen auf, wenn er dem Ball mit Gegner im Rücken entgegen gehen muss. Dabei agiert er mitunter zu zögerlich, kommt deshalb nicht rechtzeitig so vor die Kugel, um sie zu behaupten. Und im Defensivzweikampf fehlt es ihm häufig an eben jener Griffigkeit, die ihn eigentlich auszeichnet. Sprich: Er kommt nicht in den Zweikampf, läuft hinterher statt den Gegner aktiv zu bearbeiten.


KOGNITIVE FÄHIGKEITEN


  • Übersicht

Fekir ist sehr spielintelligent, hat eine gute Übersicht. Für einen Spielmacher auf Top-Level eine Grundvoraussetzung. Darüber hinaus geht Fekir in diesem Bereich aber nicht - obwohl er es eigentlich könnte. Denn da er den Ball quasi blind kontrolliert, könnte er noch häufiger den Kopf oben haben, den Blick gewinnen für außergewöhnliche Pässe, für Unvorhergesehenes. Kurzum: Das periphere Sehen ist bei Fekir nicht so ausgeprägt, wie es sein müsste, um ihn noch etwas besser zu machen.

  • Kreativität

Dass Fekir eine Vision im Kopf hat, noch bevor er an den Ball kommt, kann man förmlich spüren. Er kann sehr viele unterschiedliche Dinge mit der Kugel anstellen, ist flexibel und variabel, wenn er sie am Fuß hat, erkennt Räume, Pass- und Abschlussmöglichkeiten blitzschnell und scannt sie. Aber: Fekirs Kreativität ist zwar hoch, allerdings oft zu eindimensional. Vor allem in Tornähe fehlt ihm häufig das gewisse Etwas, das Spieler wie Lionel Messi ihm voraus haben: Die Fähigkeit, in letzter Sekunde doch noch etwas anderes zu machen, als er eigentlich vor hatte.

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  • Gespür für Laufwege / Anbieten

Fekir bewegt sich gerne schleichend zwischen Sechser und Abwehrreihe des Gegners, sucht dort die Räume, in denen er sich anbieten kann. Dabei geht er sehr geschickt vor: Er will jeden Ball haben, erzwingt es aber nicht, sich auch anzubieten, wenn er merkt, dass ein Mitspieler in einer besseren Position dafür ist. So stellt er nicht unnötig selbst die Räume zu.

Von Zeit zu Zeit verlässt er den langgezogenen Raum zwischen den Linien und lässt sich zurückfallen, um direkt am Spielaufbau teilzunehmen. Diese kurzen Ausflüge weiter nach hinten sind aber eher selten. Vielmehr versteht er sich als Verbindungsstück zwischen Defensive und Offensive, das Angriffe weiterleitet, ihnen mit Pässen oder Antritten Dynamik verleiht.

Was Fekir auch gerne macht, ist, in Mittelstürmerposition vorzustoßen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, ist er gerne vorderster Mann bei Lyon, sucht ab und an auch die Tiefe, um mit seiner Explosivität Anspielstation für Schnittstellenpässe zu sein.


UMSCHALTVERHALTEN


  • defensiv

Hierin liegt die wohl größte Schwäche Fekirs. Allzu oft läuft er eher schleppend nach hinten, wenn er oder einer seiner Teamkollegen den Ball verliert. Beim Unterbinden von Gegenangriffen ist er eigentlich nie ein Faktor. Muss er auch nicht sein, wenn man es in Lyon nicht explizit von ihm einfordert. Will er ganz nach oben und bei einem absoluten Top-Klub durchstarten, wird er aber nicht drumherum kommen, sich im defensiven Umschaltverhalten zu verbessern.

  • offensiv

Was ihm nach hinten schwerfällt, hat er in die andere Richtung im Blut. Fekir schaltet nach Ballgewinn blitzschnell auf Angriff um, kann oft mit dem Ballgewinn an sich eigene Offensivaktionen einleiten. Sofort geht sein Kopf nach oben und er sucht nach Lösungen, kann diese dank seiner Explosivität und Ballsicherheit auch häufig umsetzen. Für Mannschaften mit schnellen Außenspielern, die er nach Ballgewinn gleich bedienen kann, ist Fekir daher optimal geeignet.


SPIEL GEGEN DEN BALL


Im Umschaltverhalten nach hinten hat Fekir wie erwähnt viel Luft nach oben. Grundsätzlich ist er auch in taktischer Hinsicht aber ein wichtiger Spieler in Lyon, hat ein gutes Gespür für das Verschieben im Kollektiv. Er ist nicht der klassische Pressing- oder Gegenpressingspieler, er lauert eher in den Zwischenräumen und versucht, die Passwege der gegnerischen Spieler zu antizipieren.

Dennoch muss man konstatieren: Effektiv ist er dabei selten, in der laufenden Ligue-1-Saison konnte er erst sieben Bälle abfangen. Ist er mit Ball ein dominanter Spieler, gliedert er sich im Spiel gegen den Ball eher ein und ergreift recht selten die Initiative.

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STÄRKEN UND SCHWÄCHEN AUF EINEN BLICK


STÄRKEN

SCHWÄCHEN

Erster KontaktUmschaltverhalten defensiv
ExplosivitätAggressives Spiel gegen den Ball
Ballbehandlung im TempoKreativspiel oft zu eindimensional
Abschluss 

BONUSSTÄRKE / BESONDERHEITEN


Ein Bonus von Fekir ist ganz klar seine Qualität bei Standards. Mit seinem linken Fuß kann er dem Ball gleichzeitig enormen Effet und enormen Speed verleihen, seinen präzisen Abschluss haben wir oben zur Genüge thematisiert.

Zudem schießt er Ecken oder Freistöße auch mal unerwartet raffiniert, wie etwa bei seinem Führungstor gegen PSG im Januar.

Mit seinem hitzigen Gemüt kann Fekir derweil durchaus polarisieren. Ab und an verliert der Techniker die Fassung oder lässt sich zu unnötig aufwühlenden Aktionen hinreißen. So etwa vergangenen November, als er mit seinem Trikotjubel im Derby gegen Saint-Etienne einen Platzsturm provozierte .


WERDEGANG / ERFAHRUNG


Fekir wurde in Lyon geboren, kam schon als Zwölfjähriger in die renommierte Nachwuchsakademie von Olympique. Nur zwei Jahre später musste er OL aber wegen einer komplizierten Knieverletzung und körperlicher Defizite verlassen, sich über zwei kleinere Klubs wieder herankämpfen.

Das gelang dem technisch so beschlagenen Fekir. Als er 18 war, holte Lyon ihn zurück. Mit 20 feierte er sein Ligue-1-Debüt, der Durchbruch gelang ihm in der Saison 2014/15, als er Stammspieler wurde und sich mit 13 Ligatoren in den Fokus spielte.

Nabil Fekir 08022015

Im September 2015 bremste ihn dann ein Kreuzbandriss, in der zweiten Hälfte der Saison 2016/17 kämpfte sich Fekir allmählich wieder zurück. In der aktuellen Saison ist er mit 16 Toren und sechs Assists Lyons Topscorer in der Liga, traf auch in der Europa League schon dreimal.

Ohnehin hat der 24-Jährige mit algerischen Wurzeln auch international schon reichlich Erfahrung gesammelt. Insgesamt steht er bei 21 Partien in der Europa League, in der Saison 2016/17 kam er auch fünfmal in der Champions League zum Einsatz.

In Frankreichs U-Nationalteams tauchte er erst in der U21 auf, für die A-Elf lief er bis dato zehnmal auf. Der einzige Treffer gelang ihm bei einem Testspiel gegen Belgien (3:4) im Juni 2015.


DAS SAGT MAN ÜBER FEKIR


"Er ist eine hängende Spitze. Er könnte sich auch auf den Flügeln gut weiterentwickeln, aber ich weiß, dass das gegen seinen Willen wäre und er dort nicht die beste Leistung bringt. Er ist mehr so eine Art zweiter, verkappter Stürmer im Zentrum." ( Didier Deschamps, französischer Nationaltrainer )

"Nabil hat das Potenzial, für einen Klub dieser Art (PSG, d. Red.) zu spielen. PSG hat sehr viele sehr gute Spieler. Aber betrachtet man das Niveau, auf dem sich Fekir seit Beginn dieser Saison bewegt, hat er das Potenzial, dort zu bestehen. Er hat ein ganz bestimmtes Level erreicht." ( Lyon-Trainer Bruno Genesio )

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