Schalke-Juwel Breel Embolo: Die Rückkehr des Strahlemanns

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Nach 349 Tagen stand Breel Embolo erstmals wieder in der Startelf des FC Schalke 04. Christian Heidel verrät, dass sogar ein Karriereende drohte.


HINTERGRUND

Strahlend huschte Breel Embolo nach dem 1:1-Remis seiner Schalker durch die Interview-Zone, vorbei an den wartenden Journalisten. Grund für die Euphorie des 20-jährigen Schweizers war nicht etwa die durchwachsene Leistung gegen Bayer Leverkusen, sondern das Ende seiner persönlichen Leidenszeit. 349 Tage – exakt so lang ist es her, dass er sich gegen den FC Augsburg eine Horror-Verletzung zuzog, die sogar seine weitere Fußballkarriere gefährdete.

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Denn nach der Verletzung war längst nicht klar, dass der Offensivmann jemals wieder Strahlen kann wie am Freitagabend in Gelsenkirchen. Fraktur des Sprunggelenks und Wadenbeins sowie Riss des Syndesmose- und Innenbandes lautete die Diagnose im Oktober 2016. "Der Kreis hat sich heute geschlossen", freute sich Sportvorstand Christian Heidel für seinen Rekord-Einkauf: "Am siebten Spieltag in der letzten Saison hat er sich in Augsburg schwer verletzt. Eine Saison später steht er am siebten Spieltag erstmals wieder in der Startelf – das ist ein komplettes Jahr."

In diesem Jahr riss er seine Kilometer nicht wie gewohnt auf dem Platz ab, sondern in der Reha. Einen wahren Ärzte-Marathon hat Embolo hinter sich: Egal ob auf Schalke, bei Spezialisten in Deutschland oder in der Schweiz, der 20-Jährige sah zuletzt mehr Ärztezimmer als Fußballstadien.

"Es war eine fürchterliche Verletzung"

Einige der Spezialisten hatten sogar die Befürchtung, dass der Schalker nie wieder Profisport betreiben kann, wie Heidel nun verriet: "Es ist öffentlich gar nicht so rübergekommen, aber es war eine fürchterliche Verletzung, die zu allem hätte führen können. Es waren einige dabei, die daran gezweifelt haben, dass Embolo tatsächlich noch spielen kann. Es ist Fakt, dass es Sportler gibt, die nach einer solchen Verletzung keinen Fußball mehr gespielt haben."

Um den Druck auf das Sturmjuwel nicht noch größer zu machen, entschied Heidel im letzten Jahr, der Öffentlichkeit zu verschweigen, dass es teilweise längst nicht sicher war, ob Embolo seine Karriere fortsetzen kann: "Damals haben wir es mit Absicht nicht so dramatisiert. Heute, wo alles wieder gut, ist, kann man da aber drüber reden."

Dass es für die Schweizer Frohnatur auch hätte schlimmer ausgehen können, zeigt die Leidenszeit von Augsburg-Profi Jan-Ingwer Carlsen-Bracker. Der Verteidiger kämpft nach der gleichen Verletzung seit Dezember 2015 um sein endgültiges Comeback. Mehr als zwei Bundesliga-Minuten im Mai 17 waren für den 33-Jährigen bislang noch nicht drin und es ist fraglich, ob er je wieder an sein altes Niveau herankommt.

GFX Quote Christian Heidel

"Erwarten keine Wunderdinge von Breel"

"Solch schwere Verletzungen gab es in Deutschland bislang nicht so häufig", erklärte Heidel. "Deshalb dürfen wir auch keine Wunderdinge von Breel erwarten. Er wird nun Schritt für Schritt herangeführt." Nach Kurzeinsätzen gegen Werder Bremen, Bayern München und 1899 Hoffenheim folgte gegen die Werkself der nächste Schritt, der gleichbedeutend mit 52 Spielminuten war.  

Echte Akzente konnte er dabei nicht setzen, denn in einer über weite Strecken ideenlosen Schalker Mannschaft blieb Embolo ohne Torschussbeteiligung. Mit nur 15 Ballaktionen nahm er zum Zeitpunkt seiner Auswechslung sogar weniger am Spielgesehen teil, als beide Torhüter. Kritik am 20-Jährigen wäre dennoch das absolut falsche Signal, wie auch Heidel nach Abpfiff deutlich machte: "Da ich seine ganze Story kenne, verkneife ich mir jegliche Kritik an seiner Leistung. Der Junge kämpft, ackert und macht – wir werden ihm alle helfen, damit er zu der Form zurückfindet, die er hatte, als wir ihn geholt haben."

"Er konnte sich heute leider nicht belohnen", erklärte auch S04-Kapitän Ralf Fährmann. "Doch wie ich ihn kenne, wird er versuchen, es in den nächsten Spielen nachzuholen." Ob und wann er sich tatsächlich auch mit Toren belohnt, sei dahingestellt.

Für Embolo, die Mannschaft und jeden einzelnen Fußballfan ist es schon Belohnung genug, den Schweizer nach seiner schweren Verletzung wieder strahlend auf dem Rasen zu sehen.

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