Solari Real MadridGonzalo Arroyo Moreno

Lopetegui-Nachfolger Santiago Solari bei Real Madrid: Zwei Wochen Probearbeit


HINTERGRUND

Florentino Perez war am Montagmorgen merklich um Ruhe bemüht. Für den Präsidenten von Real Madrid stand angesichts der sportlichen Talfahrt, die in der Tracht Prügel im Clasico am Vortag gegen den FC Barcelona (1:5) ihren Tiefpunkt gefunden hatte, zwar ohne jeden Zweifel fest, Trainer Julen Lopetegui vor die Tür zu setzen, mit der offiziellen Bestätigung des Unvermeidbaren ließ er sich aber noch Zeit. So viel Zeit, dass der bemitleidenswerte Lopetegui sogar noch zu einer Trainingseinheit am Morgen verdonnert wurde. Erst danach durfte er sich verabschieden.

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Perez hatte zu diesem Zeitpunkt aber immer noch keinen Nachfolger gefunden. Am späten Nachmittag tagte der 72-Jährige mit dem restlichen Vorstand der Königlichen, um die weiteren Schritte zu besprechen. Das Ergebnis: Keine externe, sondern eine interne Lösung soll eine Wende herbeiführen. Zumindest vorübergehend. Santiago Solari, der Trainer der zweiten Mannschaft, wurde kurzerhand zum neuen Chefcoach befördert.

Real Madrid: Antonio Conte, Guti und Roberto Martinez werden gehandelt

Die Statuten des spanischen Fußballverbandes RFEF erlauben Profivereinen, einen Interimstrainer für zwei Wochen einzustellen. Genug Zeit für Perez, um genau abzuwägen, ob es in der momentanen Phase wirklich Sinn macht, einen exzentrischen Übungsleiter wie Antonio Conte zu verpflichten. Es bieten sich schließlich noch weitere Alternativen. Zum Beispiel Klublegende Guti, aktuell Co-Trainer von Besiktas Istanbul, Roberto Martinez, den Nationaltrainer Belgiens - oder vielleicht doch Solari?

Der 42 Jahre alte Argentinier darf sich durchaus Chancen auf einen Verbleib ausrechnen, wenn sein Team in den nächsten vier Spielen bis zur Länderspielpause einen guten Eindruck hinterlässt. Bereits am Mittwoch um 19.30 Uhr steigt sein Debüt im spanischen Königspokal bei Drittligist UD Melillia, danach trifft Real auf Valladolid (Liga), Pilsen (Champions League) und Celta (Liga).

Solari Real MadridGetty

Solari ist noch ein unbeschriebenes Blatt im Trainergeschäft. Nachdem er zunächst Reals A-Junioren betreut hatte, startete er 2016 seine Laufbahn im Seniorenbereich. Nennenswerte Erfolge kann der einstige Mittelfeldspieler bislang nicht vorweisen. Mit der Castilla blieb er in den vergangenen beiden Spielzeiten in der 3. Liga vielmehr mit den Plätzen elf und acht jeweils hinter den Erwartungen zurück. Auch aktuell belegt die königliche Reserve trotz ihrer Aufstiegsambitionen „nur“ Rang fünf.

Das Aber: Er kennt den Verein wie kaum ein Zweiter. Von 2000 bis 2005 spielte Solari im Estadio Santiago Bernabeu, er war ein fester Bestandteil der Galaktischen, die 2002 die Champions League gewannen. Im damaligen Finale gegen Bayer Leverkusen (2:1) stand er 90 Minuten lang auf dem Platz.

Real Madrid: Florentino Perez ist ein Fan von Santiago Solari

Für ihn spricht zudem vor allem sein gutes Verhältnis zu Perez. Reals Präsident galt schon immer als Fan Solaris, bot ihm die Möglichkeit, seine Trainerausbildung beim spanischen Rekordmeister zu absolvieren und verlängerte als Vertrauensbeweis sogar seinen Vertrag, als sich die Castilla alles andere als überzeugend präsentierte. Offenbar hatte Perez damals schon im Sinne, ihn eines Tages zu befördern - ganz nach dem Vorbild Zinedine Zidanes.

Solari, so sagt man, ist wie Zidane ein ruhigerer Zeitgenosse, ein anpassungsfähiger Spielerfreund, der nicht aneckt, aber klare Anweisungen gibt und viele Einzelgespräche führt. Lopetegui war ein ähnlicher Typ Trainer. Freundlich, hilfsbereit und dazu auch noch ein Verfechter des Offensivfußballs. Auch deshalb standen die meisten Spieler bis zuletzt hinter ihm.

Was dem ehemaligen spanischen Nationaltrainer aber außer einem Torjäger der Marke Cristiano Ronaldo fehlte, war in erster Linie Zidanes Charisma. Lopetegui schaffte es nicht, Reals erfolgsverwöhnte Starensemble als Kollektiv zu 100 Prozent von sich und seinen Ideen zu überzeugen. Gelingt Solari das in den nächsten zwei Wochen, ist nicht auszuschließen, dass er auch nach der Länderspielpause noch zum Training der Profis erscheint.

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