HINTERGRUND
15. Juli 2015. Mogi Mirim Esporte Clube gegen Macae Esporte Futebol Clube. Zweite brasilianische Liga, der Tabellen-18. empfängt den Achten, gut 1.700 Zuschauer sind gekommen. Was klingt wie ein Geheimtipp für Groundhopper, ist in Wahrheit ein Stück Fußball-Historie.
Denn bei Mogi Mirim steht nicht nur ein früherer Weltfußballer und Weltmeister auf dem Platz, sondern auch sein Sohn. Und noch besser: Rivaldo, damals auch noch Präsident des Klubs und bereits 43, erzielt beim 3:1-Sieg von Mogi Mirim sogar ein Tor, sein damals 20-jähriger Sprössling die beiden anderen.
Was für ein Tag für die Familie Rivaldo. Für den Papa, der zwei WM-Finals gespielt hat, mit Milan die Champions League gewann und fünf Jahre beim großen FC Barcelona unter Vertrag stand, dürfte dieses 3:1 vor gut fünf Jahren trotz dieser großen Erfolge einen Ehrenplatz unter seinen ganz besonderen Momenten als Fußballer finden. Und für Rivaldinho sowieso.
Rivaldinho: "Das unbeschreiblichste Gefühl meiner Karriere"
"Das war das unbeschreiblichste Gefühl meiner bisherigen Karriere, an der Seite meines Idols zu spielen", sagte der mittlerweile 25-Jährige Anfang des Jahres im Interview mit der spanischen Zeitung As. Immer hatte er davon geträumt, auch Profi zu werden. Schon als kleiner Junge, als er während Rivaldos Zeit bei Barca im Nachwuchs der Katalanen mittrainierte. "Ich war erst sieben und spielte mit den Neunjährigen. Iniesta, Messi, Fabregas oder Victor Valdes waren natürlich älter als ich, aber wir trainierten auf den gleichen Plätzen. Das ist immer eine coole Geschichte zum Erzählen."
Konkrete Erinnerungen an Messi habe er zwar nicht mehr, dafür weiß er aber noch, dass man sich rund um Barcelona schon damals Wunderdinge vom heute sechsmaligen Weltfußballer erzählte. "Die Leute sprachen oft über diesen kleinen Argentinier, der sensationell sein sollte", sagt er.
Imago Images / GloballmagensBild: Imago Images / GloballmagensDavon, wie Messi oder sein Vater ein Star in Barcelona zu sein, ist Rivaldinho noch weit entfernt. Doch in Ost-Europa hat sich der Angreifer, der als Neuner, aber auch auf den Flügeln spielen kann, zuletzt einen guten Ruf erarbeitet.
Rivaldinho, anders als der Papa Rechtsfuß, ist körperlich stark, bullig. Er erinnert eigentlich mehr an Adriano als an Rivaldo, hat einen schnörkellosen Abschluss und auch technisch gute Anlagen. Nachdem er bei Mogi Mirim den Sprung zum Profi geschafft hatte, versuchte er es im Sommer 2015 erstmals in Europa, heuerte unter riesigem medialen Interesse - natürlich wegen Papa Rivaldo - in Portugal bei Boavista Porto an.
Rivaldinho: "Hagi ist hier wie Pele"
Dort kam er allerdings nur auf zwei Pflichtspieleinsätze, kehrte nach einem halben Jahr schon wieder nach Brasilien zurück. Er kickte für kleinere Vereine in der 2. Liga, ohne nennenswerten Erfolg - ehe er seit Februar 2017 im Südosten Europas probierte, seine Laufbahn in Schwung zu bringen.
Bei Dinamo Bukarest in Rumänien lief es ordentlich, bei Levski Sofia in Bulgarien eher schlecht als recht. Der bis dato entscheidende Wechsel Rivaldinhos war dann jener Anfang 2019 zu Viitorul Constanta, wieder zurück nach Rumänien. Beim Klub, den Gheorghe Hagi, der größte rumänische Fußballer aller Zeiten, besitzt und bis vor kurzem auch selbst trainierte, hatte Rivaldinho eine bärenstarke Saison 2019/20.
Elf Tore und vier Assists gelangen dem Brasilianer in 27 Pflichtspielen, er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Viitorul letztlich souverän den Klassenerhalt schaffte. Und Hagi verdanke er extrem viel, betont Rivaldinho. "Hagi ist hier wie Pele. Aber als Trainer ist er sehr nahbar, ein echter Lehrer, von dem man jeden Tag etwas Neues mitnehmen kann. Er glaubte an mein Potenzial und gab mir die Chance, nach der ich gesucht hatte."
Mehrere Vereine, auch aus den Top-5-Ligen, hatten Rivaldinho, der mit Viitorul 2019 rumänischer Pokalsieger wurde, in diesem Sommer daher auf dem Zettel. Doch er entschied sich, Step by Step weiter zu machen, erst einmal eine kleine Stufe auf der Leiter nach oben zu gehen. Vor kurzem unterschrieb er einen Dreijahresvertrag beim polnischen Erstligisten Cracovia, der in der Ekstraklasa vergangene Saison immerhin auf Platz sieben landete.
Rivaldinho: "Darum wollte ich immer wie mein Vater sein"
Rivaldinho hat sich inzwischen also ein gutes Fundament gelegt, um es als Fußballer zu etwas zu bringen. "Wenn dein Vater berühmt ist und du siehst, wie ihn die Leute nach Autogrammen und Fotos fragen, willst du genau so sein wie er", erklärt er. "Darum wollte ich immer wie mein Vater sein, immer Fußballer werden. Ich bin in den Kabinen der größten Klubs aufgewachsen, durfte mit großen Stars reden. Das flashte mich und ich wollte das Gleiche fühlen wie sie, wenn sie ein Tor erzielten und das ganze Stadion ihren Namen rief."
Imago Images / ZUMA PressBild: Imago Images / ZUMA PressAllerdings hat der berühmte Name auch seine Schattenseiten, betont Rivaldinho. "Es ist mehr eine Last als eine Hilfe", sagt er und führt aus: "Es hat natürlich die positiven Seiten: Wenn mir etwas Gutes gelingt, schlägt es höhere Wellen in den Medien, weil ich Rivaldos Sohn bin. Aber am Ende des Tages wird man eben immer mit seinem Vater verglichen. Und da ist immer dieser Verdacht, dass man nur wegen ihm, wegen des Namens, dort ist, wo man ist."
Der einzige Weg, diese Missgünste zu umgehen? Eine eigene Geschichte schreiben, eigene Erfolge feiern. Und Rivaldinho, der unbedingt irgendwann in einer der Top-Ligen Europas spielen will, hat den Drang dazu: "Ich denke, ich beweise durch harte Arbeit, dass ich über das Potenzial verfüge, auf meinen eigenen Beinen zu stehen."


