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Viitorul Constantas Höhenflug: Das Baby einer Legende

10:00 MESZ 10.04.17
ONLY GERMANY Gheorghe Hagi Viitorul 03082016
Gheorghe Hagi war einst für sein feines Füßchen weltbekannt, heute ist er Vater eines bemerkenswerten Projekts. Die Devise: Immer frei nach Gusto.

Die Sonne steht im Zenit, Mittagszeit im brütend heißen Pasadena. Es passt ganz gut, dass Los Angeles gleich um die Ecke ist. Denn was die rumänische Nationalmannschaft an diesem 3. Juli 1994 auf den Rasen der Rose-Bowl-Arena zaubert, ist Hollywood-reif. Insbesondere die Leistung Gheorghe Hagis.

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Seine phänomenale Vorarbeit zum Führungstreffer gegen die favorisierten Argentinier um Torjäger Gabriel Batistuta ist noch heute ein YouTube-Hit. Später trifft Hagi in jenem Achtelfinale der WM 1994 auch noch selbst, erzielt das vorentscheidende 3:1. Rund zwei Wochen zuvor hatte der seinerzeit 29-jährige Superstar der Rumänen im Gruppenspiel gegen Kolumbien schon mit einem Wunder-Tor auf sich aufmerksam gemacht.

Hagi ist einer der Stars des Turniers in den USA - wenngleich nach dem Triumph über Argentinien dann im Viertelfinale gegen Schweden Endstation ist. Der "Karpaten-Maradona", wie der Spielmacher bis heute genannt wird, zieht sein Ding durch. So, wie er es immer getan hat. Als Spieler. Als Trainer schaffte er das lange Zeit nicht.

Ob bei Rumäniens Nationalteam, bei Bursaspor, bei Galatasaray oder Steaua Bukarest. Nirgendwo war der Trainer Gheorghe Hagi nachhaltig erfolgreich. Oft, weil er nicht so arbeiten durfte, wie er sich das vorstellte. Weil er nicht nach eigenem Gutdünken handeln konnte. So, wie er es einst als genialer Spielmacher immer tat.

2009 fasste Hagi daher einen Entschluss. Vielmehr: Er startete ein ganz persönliches Projekt. Auf eigene Faust. In der Nähe seiner Heimatstadt Constanta im Südosten Rumäniens, an der Küste des Schwarzen Meeres, gründete er den FC Viitorul. Sein Baby, dem er, fußend auf seinem Privatvermögen, gleich eine eigene Nachwuchsakademie zur Seite stellte. "Gheorghes Ziel war es, anderen Klub-Besitzern zu zeigen, wie man im Fußball den richtigen Weg geht", sagte Catalin Andrei, einer der führenden rumänischen Sportjournalisten, zu ESPN FC

Der Grundstock für eine extrem bemerkenswerte Geschichte, die momentan ihren bisherigen Höhepunkt erlebt, war damit gelegt. Viitorul, 2009 in der dritten Liga gestartet, kämpft derzeit um den rumänischen Meistertitel. Mit einem Team, das ganz nach Hagis Gusto kreiert wurde. Mit einem Kern aus jungen, aufstrebenden, rumänischen Talenten, die in der eigenen Jugend ausgebildet wurden. Hagi zeichnet dafür nicht nur als Besitzer und Präsident, sondern seit September 2014 auch als Trainer verantwortlich.

Hinter dem Erfolg des Klubs, der schon vergangenes Jahr als Vierter für Furore sorgte und derzeit die Meisterplayoff-Runde Rumäniens gemeinsam mit Steaua anführt, steckt ein klares Konzept. Basis ist seit jeher die Gheorge Hagi Academy, die Klasse-Spieler in Hülle und Fülle produziert.

Mit einem ausgeklügelten Scouting-System findet man immer und immer wieder die größten Talente des Landes. Die erstklassige Ausstattung der Akademie, die Qualität der Trainer und die Anziehungskraft von Hagis Namen erledigen den Rest. Der frühere Weltklasse-Profi orientierte sich beim Aufbau seiner Nachwuchsschmiede an jener des FC Barcelona und von Real Madrid, die er selbst hautnah erleben durfte. Auch bei der Ajax-Schule schaute er sich einiges ab.

Viitorul ist zu Hagis Lebensmittelpunkt geworden. "Ich habe mein eigenes Stadion mit 5000 Plätzen und viele Trainingsanlagen", sagte er vergangenes Jahr zu Goal. "Zwischen 30 und 50 Prozent der U-Nationalspieler Rumäniens kommen aus unserer Akademie."

Tatsächlich werden die Früchte der Arbeit unglaublich schnell offensichtlich. Mit Razvan Marin und Romario Benzar standen bei Rumäniens jüngstem WM-Quali-Spiel gegen Dänemark zwei Akteure in der Startelf, die in Hagis Akademie geformt wurden. In Rumäniens U21-Nationalteam stellt Viitorul rund ein Drittel der Spieler. Außenverteidiger Cristian Manea, ebenfalls ein Schüler Hagis, debütierte 2014 bereits mit 16 Jahren für die A-Nationalelf.

Der Fußball in ganz Rumänien setzt derzeit also große Hoffnungen in Hagis Projekt. Er, der bis heute der beste Fußballer ist, den das südosteuropäische Land je hervorgebracht hat, prägt seinen geliebten Sport weiterhin. Seine Mannschaft pendelt derzeit bei einem Durchschnittsalter zwischen 23 und 24 Jahren. Mit Florinel Coman und Carlo Casap setzt Hagi dabei auf zwei 18-Jährige, die zu den vielversprechendsten Talenten Europas gehören, die mit Viitoruls U19 in dieser Saison das Achtelfinale der UEFA Youth League erreichten.

Das A-Team soll kommende Spielzeit möglichst auch unter den Besten des Kontinents mitmischen, will die Champions League erreichen. Grundvoraussetzung dafür ist die nationale Meisterschaft, die Hagi und Co. inzwischen eindeutig anstreben.

Einer, der dem Coach sehr nahe steht, wird dabei nicht aktiv mithelfen können. Ianis Hagi, Sohn der Legende. Der 18-Jährige, während Hagis Spieler-Station bei Galatasaray in Istanbul geboren, genoss die Ausbildung in der Akadamie seines Vaters, wurde von jenem schon mit 16 zum Kapitän von Viitorul gemacht. 

Ianis erinnert von seinen Anlagen her sehr an Hagi senior, der Vaterfigur und größter Kritiker zugleich ist. Das Talent des Sprösslings ist enorm, vergangenen Sommer wechselte der offensive Mittelfeldspieler zum AC Florenz, hat dort bereits in der Serie A debütiert.

Los Angeles hat Ianis dabei zwar nicht um die Ecke, wie es sein Vater 1994 hatte. Dennoch schickt er sich an, eine filmreife Geschichte zu schreiben. Ebenso wie der Klub, der ihn ausbildete. Viitorul Constanta, das Baby einer Legende.