Jose MourinhoGetty

Nach Manchester Uniteds Sieg gegen Tottenham: Ist Jose Mourinho ein Genie?


HINTERGRUND
Ist Jose Mourinho ein Genie? Oder einfach nur ein unfassbarer Glückspilz? Auf der Insel wird diese Diskussion nach dem Top-Spiel der Premier League zwischen Manchester United und Tottenham Hotspur (1:0) wieder aufkeimen. Denn Mourinhos Red Devils gewannen die Begegnung nach einer arg überschaubaren Leistung im ersten Durchgang und einem späten Treffer des eingewechselten Anthony Martial. Von der Performance eines Titelkandidaten war die Darbietung allerdings weit entfernt.

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Wie bereits beim 0:0 beim Erzrivalen Liverpool vor wenigen Wochen wählte Mourinho erneut eine sehr defensive Herangehensweise. Nur nicht verlieren lautete einmal mehr die Devise von The Special One in einem Spiel gegen einen starken Gegner. Und hätte es in der 81. Minute nicht die tolle Kopfballverlängerung Romelu Lukakus und Martials eiskaltes Finish gegeben, wäre auch wieder nur ein Punkt herausgekommen.

Warum nicht gleich so?

Der Erfolg gibt Mourinho nach den schwachen Auftritten gegen Pool, Huddersfield und gegen Benfica in der Champions League nun recht. Aber darf es nicht auch etwas mehr sein? Diese mit etlichen Millionen gepimpte Startruppe müsste theoretisch zu mehr Initiative auf dem Rasen in der Lage sein – verletzte Spieler hin oder her. United kreierte die Chancen, die es nach dem Seitenwechsel dann doch gab, mit Wucht und Willen. Aber nicht mit Esprit und Kreativität.

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Wenn die Red Devils es nicht besser könnten, stellte sich die Frage nach der Taktik ihres Trainers gar nicht. Nun aber kann man argumentieren: Wenn United gegen die Spurs in der zweiten Halbzeit ordentlich Druck entfachte und so viel aggressiver zu Werke ging, warum gab es dann diesen beinahe schon blutleeren Auftritt ohne echte Chance in den ersten 45 Minuten? In einem Heimspiel. Gegen einen zugegebenermaßen sehr guten Gegner, bei dem allerdings mit Harry Kane auch der beste Spieler verletzungsbedingt zuschauen musste.

Hier sollte Mourinho seine Philosophie überdenken und auch in den Spitzenpartien mutiger agieren. Denn nicht immer wird ihn ein Martial mit Wut im Bauch ("Ich will spielen und nicht auf der Bank sitzen") retten.

Und nur mit Remis in den großen Duellen, von denen es in der Premier League eine Menge gibt, wird man den Titel heuer nicht gewinnen können. Schon gar nicht, wenn man dann auch noch seine Hausaufgaben in den anderen Begegnungen, wie zuletzt bei der Niederlage in Huddersfield, nicht erledigt.

Mourinho lobt die Einstellung seiner Spieler

So bleibt trotz Tabellenplatz zwei die Frage: Wie gut ist dieses United in Jahr zwei unter Mourinho wirklich. Die Auftritte waren zu Saisonbeginn stark, in den letzten Wochen aber überschaubar. Das Problem aus Sicht des Rekordmeisters: Parallel ist Nachbar und Spitzenreiter Manchester City derart gut drauf (sieben Siege, 29:3 Tore, in den letzten sieben Spielen), dass es kaum vorstellbar ist, dass United im Kampf um den Titel Schritt halten kann.

Mourinho sagte nach dem Spiel: "Beide Mannschaften wollten gewinnen, aber beide wussten auch, dass ein Fehler in der Defensive dieses Spiel entscheiden konnte. Nach 15 bis 20 Minuten war mehr Balance im Spiel und in der zweiten Halbzeit haben wir Tottenham mit mehr Bewegung Probleme bereitet."

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Von einer defensiven Grundausrichtung wollte er indes nichts wissen, sondern lobte vor allem die Reaktion seiner Spieler auf die schwache Leistung in der Vorwoche: "Wenn wir Unentschieden gespielt hätten, weil wir in der letzten Minuten noch ein Gegentor hätten hinnehmen müssen, wäre ich niemals gegen meine Spieler gewesen. Denn von der ersten Minute an war jeder Ball wie der letzte Ball ihrer Karriere. Sie haben alles gegeben und ich bin wirklich happy. Beide Mannschaften wollten gewinnen und unser Gegner war wirklich stark."

Den Sieg gegen die Spurs kann United kurz genießen. Um City langfristig auf Trab zu halten, braucht es allerdings noch mehr geniale Einfälle Mourinhos und etwas weniger den Faktor Glück.

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