Exklusiv - Lionel Messi verkündet Verbleib beim FC Barcelona: "Würde niemals gegen Barca vor Gericht ziehen"

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Eigentlich ging es zuletzt nur noch darum, zu welchem Klub Lionel Messi den FC Barcelona verlässt. Nun bleibt der Superstar doch bei Barca.

EXKLUSIV

Lionel Messi wird in der kommenden Saison nun doch für den FC Barcelona spielen. Das verkündete der argentinische Superstar im exklusiven Interview mit Goal und SPOX am Freitagabend.

"Ich werde bei diesem Klub weitermachen", stellte der 33-Jährige, der Barca Ende August eigentlich über seinen Wechselwunsch in Kenntnis gesetzt hatte , nun klar.

Messi, der zuletzt vor allem mit Manchester City in Verbindung gebracht wurde, den spanischen Vizemeister aber nur gegen Zahlung seiner Ausstiegsklausel in Höhe von 700 Millionen Euro hätte verlassen können, führte aus: "Ich bleibe, weil der Präsident (Josep Maria Bartomeu, d. Red.) mir mitgeteilt hat, dass ich nur bei Aktivierung dieser Klausel gehen könnte. Und das ist unmöglich. Die andere Option war, dass ein Richter es klärt. Aber ich würde niemals gegen Barca vor Gericht ziehen, weil es der Klub ist, den ich liebe. Der mir alles gegeben hat, seit ich hierher kam. Es ist der Klub meines Lebens."

Im Interview mit Goal und SPOX erklärte der Angreifer die Hintergründe zu seinem Sinneswandel, erzählt, wie seine Familie auf seine Wechselabsicht reagierte und übt scharfe Kritik an Präsident Josep Maria Bartomeu.

Warum hat es so lange gedauert, bis Sie Ihr Schweigen brechen?

Lionel Messi: Die Situation nach der Pleite in Lissabon (2:8 gegen Bayern beim CL-Finalturnier, d. Red.) war extrem hart. Wir wussten zwar, dass Bayern ein starker Gegner ist, aber hätten nicht gedacht, dass es so endet. Dass wir für den Klub und die Stadt ein so schlechtes Bild abgeben.

Warum haben Sie Barca informiert, dass Sie gehen wollen?

Messi : Ich sagte dem Klub, inklusive des Präsidenten, dass ich gehen wollte. Ich hatte ihm das schon das ganze Jahr lang gesagt. Ich glaubte, dass es Zeit sei, zu gehen. Dass der Verein mehr junge Spieler braucht, neue Spieler. Und ich dachte, meine Zeit in Barcelona sei vorbei. Das tat mir sehr leid, weil ich immer gesagt habe, dass ich meine Karriere hier beenden will. Es war ein sehr schwieriges Jahr, ich litt viel - im Training, in den Spielen, in der Kabine. [...] Das Ergebnis gegen Bayern war nicht der alleinige Auslöser, nein. Ich hatte schon sehr lange darüber nachgedacht. Und der Präsident hat mir immer versichert, dass ich am Ende der Saison entscheiden könne, ob ich gehen oder bleiben will. Am Ende hat er sein Wort nicht gehalten.

Lionel Messi

Haben Sie sich alleine gefühlt?

Messi: Nein. Ich habe mich nicht alleine gefühlt. Es gibt Menschen, die schon immer an meiner Seite sind. Das genügt mir und macht mich stark. Aber manche Dinge, die ich von Journalisten oder anderen Menschen hörte, verletzten mich. Weil sie meine Liebe zu Barcelona infrage stellten und Dinge behaupteten, die ich meiner Meinung nach nicht verdiene. [...] In der Fußballwelt gibt es viele falsche Leute - und diese Sache nun hat mir das wieder einmal gezeigt.

Es wäre extrem schwierig gewesen, 20 Jahre Ihres Lebens aufzugeben. Ihr ganzes Leben, ihre ganze Familie ist in Barcelona ...

Messi : Natürlich war es schwer, eine Entscheidung zu finden. [...] Ich habe immer gesagt, hier meine Karriere beenden zu wollen. Dass ich weiter ein wettbewerbsfähiges Projekt haben will, das Titel gewinnt und den Mythos Barcelona weiter verfestigt. Und in Wahrheit gab es für lange Zeit kein Projekt oder sonst irgendetwas. Sie machten halbe Sachen und ließen viel Zeit sinnlos verstreichen.

Wie reagierte Ihre Familie, als Sie erzählten, dass Sie Barcelona verlassen könnten?

Messi : Als ich meiner Frau und meiner Kinder von meiner Absicht erzählte, brach ein Drama aus. Die ganze Familie begann zu weinen, meine Kinder wollten nicht weg aus Barcelona und auch nicht die Schule wechseln müssen.

Wie sah dieses Drama konkret aus?

Messi: Meine Frau - obwohl ihr ein Abschied natürlich in der Seele wehgetan hätte - hat mich unterstützt und mir den Rücken gestärkt. Mateo (sein vierjähriger Sohn, d. Red.) ist noch sehr klein und begreift noch nicht, was es bedeutet, woanders hinzugehen und sein Leben für ein paar Jahre an einem anderen Ort fortzusetzen. Aber Thiago (sein siebenjähriger Sohn, d. Red.) ist ja schon älter. Er hörte etwas von der Sache im Fernsehen, machte sich schlau und fragte ein paar Dinge. Ich wollte nicht, dass er irgendetwas davon erfährt, dass er Barcelona vielleicht verlassen muss, auf eine neue Schule gehen und neue Freunde kennenlernen würde. Er flehte mich an und sagte: 'Lass' uns nicht gehen'. Es war wirklich sehr, sehr hart. Und natürlich vollkommen verständlich.

Warum änderte sich die Situation letztlich doch, sodass Sie in Barcelona bleiben?

Messi: Wie gesagt, ich war mir sicher, dass ich ablösefrei gehen könnte. Der Präsident hatte das immer so kommuniziert. Jetzt berufen sie sich darauf, dass ich meinen Wechselwunsch nicht vor dem 10. Juni geäußert habe. Aber schließlich waren wir am 10. Juni noch mittendrin im Titelkampf in LaLiga, nachdem dieses fürchterliche Coronavirus die ganze Saison zerschossen hatte. Und das ist der Grund, warum ich bei diesem Klub weitermache. Ich bleibe, weil der Präsident (Josep Maria Bartomeu, d. Red.) mir mitgeteilt hat, dass ich nur bei Aktivierung dieser Klausel gehen könnte. Und das ist unmöglich. Die andere Option war, dass ein Richter es klärt. Aber ich würde niemals gegen Barca vor Gericht ziehen, weil es der Klub ist, den ich liebe. Der mir alles gegeben hat, seit ich hierher kam. Es ist der Klub meines Lebens. Barca hat mir alles gegeben und ich habe Barca alles gegeben. Es kam mir nie in den Sinn, Barca vor Gericht zu ziehen.

Lionel Messi

Sie haben bereits angesprochen, dass es sie verletzt hat, einige Leute an Ihrer Liebe zu Barca zweifeln zu sehen. Wie sehr tat das weh?

Messi: Vor allem, dass sie dachten, ich könnte meines Profits willen gegen Barca vor Gericht ziehen, hat extrem wehgetan. Das hätte ich niemals gemacht. Ich wiederhole: Ich wollte gehen und das wäre mein gutes Recht gewesen, weil es so im Vertrag stand. Es wäre nicht einfach gewesen, zu gehen, sondern wäre mir extrem schwergefallen.

Warum wollten Sie gehen?

Messi: Weil ich meine letzten Jahre als Fußballer glücklich verbringen will. Und zuletzt habe ich in diesem Klub kein Glück mehr gefunden.

Warum haben Sie sich entschieden, Barca mit einem Burofax über Ihren Wechselwunsch in Kenntnis zu setzen?

Messi: Das Burofax war dazu da, um das Ganze in einer gewissen Form offiziell zu machen. Ich hatte dem Präsidenten das ganze Jahr über gesagt, dass ich gehen will. Dass die Zeit da sei, mir neue Ziele zu setzen in meiner Karriere. Er sagte immer: 'Wir reden später, nicht jetzt', immer war irgendetwas. Er ließ mich ständig im Dunkeln. [...] Das Burofax war kein Angriff auf den Klub, sondern einfach nur ein Mittel, um meine Entscheidung, die ich getroffen hatte, offiziell zu kommunizieren.

Wird sich für Sie bei Barca nun etwas verändern?

Messi: Ich werde bei Barca weitermachen und meine Einstellung wird sich nicht ändern - ganz egal, wie sehr ich gehen wollte. Ich werde mein Bestes geben. Ich will immer gewinnen und hasse es zu verlieren. Ich will immer das Beste für den Klub, meine Mitspieler und mich selbst. [...] Ansonsten weiß ich nicht, wie es jetzt weiter gehen wird. Ein neuer Trainer ist da mit neuen Ideen. Das ist gut, aber wir werden sehen müssen, wie das Team es annimmt und ob wir damit auf höchstem Level wettbewerbsfähig sind. Was ich sagen kann ist, dass ich bleibe und mein Bestes für Barcelona geben werde.

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