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Trotz Sieg gegen Schalke: Warum die Bayern-Stars Kovacs Bart ergrauen lassen

12:00 MEZ 10.02.19
James Rodríguez Bayern Munich - Schalke Bundesliga 09022919
Im Anschluss an den 3:1-Sieg gegen Schalke sorgten sowohl Robert Lewandowski als auch die defensive Anfälligkeit der Mannschaft für Gesprächsstoff.

HINTERGRUND

Was von diesem Abend in der Allianz Arena in erster Linie blieb, ist natürlich die Zahl fünf. Exakt so viele Punkte beträgt der Rückstand des FC Bayern auf Tabellenführer Borussia Dortmund, der gegen die TSG Hoffenheim einen 3:0-Vorsprung verspielte, statt zuvor sieben. Folgerichtig galt es, diese Zahl fünf fachkundig einzuordnen.

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"Sieben Punkte sind etwas ganz anderes als fünf Punkte", sagte etwa Joshua Kimmich, womit er natürlich Recht hatte. Dieser Unterschied sei "psychologisch enorm wichtig", denn: "Das sind umgerechnet nur mehr zwei Dortmunder Ausrutscher statt zuvor drei." Aber natürlich sind fünf Punkte auch nicht nichts, wie Robert Lewandowski mit einigem Recht erklärte: "Fünf Punkte sind immer noch fünf Punkte." Nachdem diese Banalität abgearbeitet war, ging es nach dem Spiel in der Mixed Zone vor allem um zwei andere Themen: Hamann und Anfälligkeit.

Salihamidzic über Lewandowski: "Sogar Matthäus lobt ihn"

Der ehemalige Bayern-Spieler Didi Hamann hatte bei Sky neulich gesagt, dass "Lewandowski zum Problem für Bayern München wird". Eine gewagte These, was schon der Blick auf die nackten Zahlen verrät. In seinen 29 Pflichtspielen dieser Saison erzielte Lewandowski 25 Treffer und legte zehn weitere auf. Gegen Schalke hübschte er beide Wertungen um je eins auf. Außerdem erzwang er das Eigentor von Jeffrey Bruma zum 1:0. Lewandowskis Treffer zum 2:1 war unterdessen sein 119. Bundesligator für den FC Bayern, womit er in der ewigen Bestenliste mit Roland Wohlfarth gleichzog. Nur mehr Gerd Müller (365) und Karl-Heinz Rummenigge (162) liegen noch vor Lewandowski.

Also sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic: "Ich muss Robert Lewandowski hervorheben." Und eröffnete daraufhin das Verteidigungsplädoyer für seinen Spieler, der in Abwesenheit des verletzten Manuel Neuer und des auf der Bank sitzenden Thomas Müller gegen Schalke die Kapitänsbinde trug. "Er ist ein Leader und läuft vorne weg. Wenn ihn einer wie Hamann kritisiert, dann kann man das nicht einfach so stehen lassen. Das ist keine Kritik, sondern eine richtige Kampagne, die der Didi gegen ihn führt."

Als weitere Unterstützung seiner These führte Salihamidzic sogar einen Artgenossen von Hamann als Sky-Experten an: "Sogar Lothar Matthäus, der Ahnung von Fußball und eine sachliche Meinung hat, lobt ihn in den höchsten Tönen." Für Salihamidzic war dieses Thema damit abgeschlossen. Ein bisschen schwieriger war es da mit dem anderen Thema. Dem mit der Anfälligkeit.

Die defensive Anfälligkeit des FC Bayern

Da führten die Bayern nach Brumas Eigentor also mit 1:0, Schalke war in der gegnerischen Hälfte der Allianz Arena in etwa so präsent wie der FC Bayern in den vergangenen Monaten an der Tabellenspitze der Bundesliga, und auf einmal passierte das: eine eigene Ecke, ein Fehlpass in der gegnerischen Hälfte, ein schneller Konter, ein verlorenes Laufduell, ein Schuss von Ahmed Kutucu. 1:1.

Lewandowski stellte zwar lediglich 104 Sekunden später den alten Vorsprung wieder her, doch danach passierte beinahe das selbe nochmal. Der FC Bayern war drückend überlegen, aber auf einmal musste Thiago den Ball von der Linie schlagen (gegen Weston McKennie in der 32.) und dann musste zweimal das Aluminium retten (gegen McKennie in der 53. und Bruma in der 54.).

Solche rätselhaften Anfälligkeitsphasen trotz drückender Dominanz passierten dem FC Bayern gegen Schalke längst nicht zum ersten Mal, sondern ziehen sich wie ein roter Faden fast durch die gesamte Saison. Da stellt sich natürlich die Frage: Warum? "Das ist eine gute Frage", antwortete David Alaba anerkennend in Richtung der fragenden Journalisten, ohne aber eine Antwort zu geben. Man müsse jedenfalls "kompakter stehen" und "die Fehler einstellen", befand er.

Im Vorfeld des 1:1 waren es gleich mehrere Fehler: erst unterlief James, der ansonsten ein hervorragendes Spiel machte, ein Fehlpass. Dann wurde es kollektiv verpasst, die Aktion mit einem taktischen Foul frühzeitig zu beenden. Und schließlich lief Jerome Boateng ein bisschen langsamer als Kutucu.

Niko Kovac und sein ergrauender Bart

Dass Boateng überhaupt in der Startelf stand (erstmals in diesem Kalenderjahr), war ohnehin ein bisschen überraschend. Und noch überraschender war, dass er das an der Seite von Mats Hummels tat. Kovac hatte den dritten verfügbaren Innenverteidiger Niklas Süle zuletzt schließlich recht eindeutig als Stammspieler bezeichnet. Bei seinem Bankplatz gegen Schalke handle er sich nur um "eine Pause", beschwichtigte Kovac. "Das hat nichts damit zu tun, dass einer besser oder schlechter ist."

In den vergangenen Wochen war es letztlich ohnehin egal, wer in der Innenverteidigung spielte. Individuelle Fehler passierten ganz unabhängig von der Besetzung. "Wir betreiben einen großen Aufwand, um unsere Tore zu machen. Unsere Gegner aber müssen kaum Aufwand betreiben, um Tore zu machen, weil wir sie viel zu leicht herschenken", analysierte Joshua Kimmich. "Wir hatten das Spiel ja eigentlich im Griff", erklärte er noch und es hörte sich in etwa so an, als betone ein Schulkind, die Lösung eh gewusst zu haben - aber während der Prüfung sei sie ihm einfach nicht eingefallen.

Abschließend sagte Kimmich noch mit ernster Miene: "Das dürfen wir uns als FC Bayern nicht erlauben." Aus ergebnistechnischen Gründen sowieso, aber auch aus Verbundenheit mit Trainer Niko Kovac. "Mein Bart wird immer grauer", klagte er nach dem Spiel ob der stets wiederkehrenden defensiven Anfälligkeit seiner Mannschaft. "Wir erklären und predigen es im Training immer wieder. Das eine ist, was wir erzählen, dann zeigen wir es, wir lassen es trainieren, aber das schwerste ist der vierte Schritt: es im Spiel umsetzen."