KOMMENTAR
Julian Draxler trägt die Schuhgröße 45,5. Das ist ein stolzes Format, praktisch ein Gardemaß für einen eleganten Dribbler, der gleichzeitig wuchtig aus der Distanz zuschlagen kann. Aber könnte diese Schuhgröße ausreichen, um in die wohl größten Fußstapfen Deutschlands zu treten? Womöglich werden wir die Antwort ab dem kommenden Sommer erfahren!
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Dann nämlich läuft der Vertrag von Franck Ribery beim FC Bayern aus. Nach elf turbulenten Jahren, unzähligen Dribblings, Assists, Toren und Titeln, ab und an viel Theatralik und jeder Menge Gesprächsstoff dürfte die Ära des einzigartigen Franzosen in München zu Ende gehen. Ribery ist dann 35 Jahre alt, immer häufiger in den letzten Spielzeiten streikte der Körper. Auch sein kongenialer Partner Arjen Robben ist in seinem letzten Vertragsjahr an der Säbener Straße und Klubchef Karl-Heinz Rummenigge hat bereits erklärt, dass vermutlich nur einer von beiden, wenn überhaupt, einen neuen Vertrag bekommt.
Julian Draxler steht bei PSG bis 2021 unter Vertrag
Es ist nicht nur die Tatsache, dass Ribery nun langsam aber sicher in die Jahre kommt, die für einen Abschied spricht. Sondern es fließt auch mit ein, dass sein idealer Nachfolger gut zu bekommen sein dürfte: Julian Draxler ist bei Paris Saint-Germain aktuell zwar Stammkraft, jedoch gehört er zu den Spielern, durch deren Verkauf der französische Pokalsieger noch eine Stange Geld einnehmen kann. Geld, das der Klub nach den Verpflichtungen von Neymar und Kylian Mbappe dringend braucht, um nicht doch Stress mit der UEFA wegen eines Verstoßes gegen das Financial Fair Play zu bekommen.
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Draxlers Vertrag an der Seine läuft noch bis 2021, bei einem Wechsel zum FCB würde er gewiss Corentin Tolisso als Rekordeinkauf des Rekordmeisters ablösen. Der Franzose kostete im vergangenen Sommer 41,5 Millionen Euro, Draxler wäre noch einmal geschätzte zehn Millionen Euro teurer.
Und doch wäre es für die Bayern ein sinnvoller Deal, die Summe für einen Ausnahmekönner wie den Nationalspieler absolut vertretbar.
Getty / GoalEr ist aktuell 24 Jahre alt und verfügt über Erfahrung wie kaum ein anderer Top-Spieler in Europa in dieser Altersklasse. Er hat bei drei großen Turnieren gespielt, zwei davon gewonnen. Zuletzt den Confed Cup als Kapitän der DFB-Elf. Er hat für drei verschiedene Vereine bereits in der Champions League gespielt und auf Klubebene Titel gewonnen. Und in Paris spielt er aktuell bei einem Verein, der dem FC Bayern bei den großen Ambitionen und der namhaften Besetzung in nichts nachsteht.
Draxler gewinnt 77 Prozent seiner Dribblings - herausragend!
Draxlers Spielweise kommt der Riberys nahe. Damit das klar ist: Den perfekten Rib-Klon, diesen nimmermüden und sich-selbst-nicht-schonenden Tempodribbler gibt es nicht. Aber Draxler ist ebenfalls vorzüglich im Eins-gegen-Eins. Er ist furchtlos, trickreich und ballsicher, außerdem mit einer hohen Grundschnelligkeit gesegnet. Allesamt Eigenschaften, die man auf der linken Außenbahn verkörpern sollte. Dazu passt, dass er in den letzten Jahren etwas seltener ins Dribbling geht, dafür aber (deutlich) mehr seiner Duelle Mann-gegen-Mann für sich entscheidet.
In der ersten Halbserie 2016/17 gewann er in der Bundesliga 50 Prozent der 54 Dribblings, später in der Ligue 1 waren es 65 Prozent von 51 Dribblings. In dieser Spielzeit bringt er es auf eine herausragende Quote von 77 Prozent gewonnener Dribblings bei 31 Versuchen.
Draxler hat zwei starke Füße, kann also bis zur Grundlinie marschieren und flanken, gleichzeitig aber auch nach innen ziehen und selbst abschließen. Das macht ihn unberechenbar. So unberechenbar, wie es auch Ribery noch ist. Das Gesamtpaket des PSG-Stars bringt Trainer Lucien Favre vom Ligarivalen OGC Nizza ins Schwärmen: "Draxler ist ein toller Spieler, der es zum absoluten Topstar bringen kann, wenn er so weitermacht und man ihm Vertrauen gibt."
Dazu kommt, dass der Absolvent der Schalker Knappenschmiede im Mittelfeld weitere Positionen bekleiden kann: Er ist in der Lage, den Spielgestalter hinter einer oder zwei Spitzen zu geben. Und bei PSG kommt er derzeit auf einer Halbposition in einem 4-3-3 zum Einsatz.

Draxler ist als Typ unheimlich gereift, längst nicht mehr der kleine Julian, der zum Beispiel öffentlich schmollte, weil er den VfL Wolfsburg nach kurzer Zeit wieder verlassen wollte. Seine Entwicklung ist offensichtlich, unter anderem Bundestrainer Joachim Löw schätzt sie.
All diese Punkte machen deutlich, dass Draxler längst einer für den FC Bayern ist. Das Gerücht über ein Interesse von der Isar hält sich hartnäckig, zuletzt berichtete wieder France Football davon.
Hoeneß: Draxler stände Bayern "gut zu Gesicht"
Im Sommer scheiterte eine Verpflichtung Draxlers. Unter anderem, weil Uli Hoeneß "Bauchschmerzen" angesichts des ohnehin üppig besetzten FCB-Kaders hatte. Das Argument fällt auf der linken Außenbahn 2018 weg, sollte Ribery Adieu sagen.
Hoeneß erklärte vor einigen Monaten auch: "Dass Julian Draxler ein Spieler ist, der dem FC Bayern gut zu Gesicht stehen würde, steht außer Frage." Im kommenden Sommer ist dieses Szenario wahrscheinlich und dann kann man schauen, ob Draxler tatsächlich in Riberys Fußstapfen treten kann.
