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Claudio Pizarros Bundesliga-Rekord für die Ewigkeit - Bremens Langkamp spricht von einem "Märchen"

13:11 MEZ 17.02.19
Claudio Pizarro Werder Bremen Bundesliga
Pizarro hat mit seinem späten Treffer zum 1:1 Geschichte geschrieben und ist nun der älteste Torschütze der Bundesliga, wahrscheinlich für lange Zeit.



HINTERGRUND

Claudio Pizarro musste immer wieder grinsen, aus seinen Augen blitzte noch die Aufregung einer unglaublichen Schlussphase. Durch sein freches Freistoß-Tor in letzter Sekunde (90.+6) hatte sich der Oldie von Werder Bremen beim 1:1 (0:1) bei Hertha BSC mit 40 Jahren und 136 Tagen zum ältesten Torschützen der Bundesliga gekrönt und wird es wohl lange bleiben.

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"Es fühlt sich gut an, ich bin sehr stolz", verriet der Peruaner. Völlig losgelöst sprintete er nach seinem Kunststück mit ausgebreiteten Armen über den Platz des Olympiastadions. Den Rekord hatte er zunächst gar nicht im Sinn, "doch als ich traf, habe ich gejubelt, weil ich wusste, ich habe ihn", sagte der Sympathieträger.

Sein Trainer Florian Kohfeldt hatte zunächst Angst, wie der abgelöste Rekordmann Mirko Votava reagieren würde. Der ist heute Co-Trainer von Werders U23 und erzielte seinen Rekordtreffer 1996 mit 40 Jahren und 121 Tagen. Es sei nicht so schlimm, ließ Votava dann wissen, "Pizarro ist ein würdiger Nachfolger".

Werder Bremen: Langkamp spricht von einem Märchen

Genial auch - wie Schlitzohr Pizarro den Treffer machte, obwohl er als Schütze des Freistoßes gar nicht vorgesehen war. Mit Max Kruse sprach er sich ab. "Wir wussten, wenn die Mauer so nah am Tor steht, dann versuchen sie zu springen", äußerte Pizarro, der den Ball flach durch die löchrige Berliner Mauer drosch - die Kugel wurde zudem zweimal abgefälscht. "So ein Tor habe ich noch nie geschossen", sagte Pizarro nach seinem 195. Bundesliga-Treffer.

Auch die Mitspieler waren happy. "Das ist ein Märchen, von dem ich gerne meinen Kindern erzählen möchte", meinte Innenverteidiger Sebastian Langkamp. Und Maximilian Eggestein glaubte an eine Langzeit-Wirkung der Bestmarke. "Dadurch, dass der Fußball immer schneller wird, kann man heutzutage nicht mehr so lange spielen", glaubt der 22-Jährige, dass in Zukunft kaum noch ein Profi so alt wird wie "Pizza".

Doch vielleicht verbessert Pizarro seine Bestmarke in der in der laufenden oder auch nächsten Saison ja auch selbst. Noch ist unklar, ob er im Sommer aufhört. "Ich weiß es nicht, muss auf meinen Körper hören", sagte Pizarro. Vielleicht will er es wissen: Den Rekord des ältesten Spielers in der Bundesliga hält Klaus Fichtel, der auch für Bremen auflief und im Mai 1988 mit 43 Jahren, sechs Monaten und drei Tagen noch auf dem Platz stand.

Kohfeldt könnte einen gesunden Pizarro auch im nächsten Jahr gut gebrauchen. "Für gewisse Momente ist er immer noch ein unfassbar guter Spieler", lobte der Trainer. Und Maxi Eggestein meinte: "Er kann sicher keine englische Woche mehr durchspielen, doch wenn er reinkommt, hilft er uns immer."

Hertha-Trainer Dardai nach Pizarro-Treffer restlos bedient

Vor 20 Jahren bestritt Pizarro ausgerechnet im Berliner Olympiastadion für Werder sein erstes Bundesliga-Spiel. Kurz darauf gelang ihm der erste Treffer. In den folgenden Jahren wechselte er zwischen Bremen, Chelsea, Bayern München und dem 1. FC Köln hin und her, fühlt sich trotz der Jahre aber immer noch fit: "Ich halte mein Gewicht, versuche immer glücklich und positiv zu sein, das gibt mir Kraft."

Herthas Trainer Pal Dardai war wegen des Tores nach dem Schlusspfiff restlos bedient "Ich gehe nach Hause, guten Abend", war die Reaktion des Ungarn, der seine Mannschaft glänzend eingestellt hatte.

Vor allem gegen den Ball waren die Gastgeber enorm stark und hielten die Bremer nahezu die gesamte Spielzeit von ihrem Strafraum weg. Davie Selke, der das 1:0 (25.) erzielte, war nach dem Abpfiff ebenfalls ratlos: "Wir haben mit Herz und Leidenschaft verteidigt, und dann fangen wir so ein Ei."