Von der fünften Liga in die Nationalmannschaft: Der märchenhafte Aufstieg des Callum Wilson

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2012 kickte Callum Wilson noch in der fünften Liga. Donnerstag feierte er ein Traumdebüt für die Three Lions. Die Story eines unglaublichen Aufstiegs.

Als am Mittwochabend im Londoner Wembley Stadion nach 77 Minuten der Name von Callum Wilson auf der riesigen Anzeigetafel aufleuchtete, explodierte das legendäre Stadion zum wiederholten Mal. Doch während sich die 68.155 Fans auf den Tribünen umarmten und den Treffer zum 3:0-Sieg gegen die USA feierten wie jeden anderen, wirkte der Torschütze fast ungläubig.

Nach seiner anspruchsvollen Direktabnahme, die den Weg ins Tor von Brad Guzan fand, setzte Wilson zum kurzem Jubellauf an, blieb im Anschluss vor der Fankurve stehen und schaute mit breitem Grinsen nach oben in den Londoner Nachthimmel. "Passiert das gerade wirklich", wird sich der Angreifer des AFC Bournemouth womöglich gedacht haben, als er in seinem Länderspiel gleich seinen ersten Treffer erzielen konnte.

2012 spielte Callum Wilson noch bei Tamworth FC in der fünften Liga

Denn dass er tatsächlich eines Tages für die Three Lions in einer der berühmtesten Kathedralen des Weltfußballs auflaufen würde, schien vor wenigen Jahren noch utopisch. Statt im Wembley lief er noch vor sechs Jahren in der fünftklassigen National League auf – in Spielen, die keine 2.000 Zuschauer in die maroden Stadien lockten.

20 Jahre alt war Wilson, als er 2012 vom drittklassigen Traditionsklub Coventry City an Tamworth FC ausgeliehen war und sich in der National League beweisen wollte. "Die Kabinendächer sind dort fast eingebrochen und es schauten nie viele Leute zu", erinnerte er sich später. "Es hat sich angefühlt wie damals bei meiner Hobby-Mannschaft."

Callum Wilson: In drei Jahren von der National League in die Premier League

Der Junge, der aus einfachen Verhältnissen stammt und es in seiner Jugend zeitweise vorzog, mit den Kumpels auf der Straße zu kicken, statt mit Coventry zu trainieren, gab trotz des vermeintlichen Rückschritts nie auf. Mit dem Ziel, sich bei seinem Heimatverein durchzusetzen, etablierte sich Wilson schon im ersten Jahr nach seiner Rückkehr in die dritte Liga und krönte sich mit 21 Treffern zum Top-Torjäger seines Teams.

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Spätestens zu diesem Zeitpunkt nahm die Karriere des bulligen Mittelstürmers Fahrt auf. Nach seinem Durchbruch in der League One buhlten auch höherklassige Klubs um Wilson, der 2014 schließlich zum damaligen Zeitligisten AFC Bournemouth wechselte. 3,7 Millionen Euro ließen sich die Cherries den Offensivmann kosten – eine stattliche Summe für einen Spieler, der zuvor nie höher als in der dritten Liga gespielt hatte.

Callum Wilson AFC Bournemout Premier League Arsenal 03012017

Callum Wilson mit überragender Torquote in der zweiten und dritten Liga

Doch die Investition zahlte sich aus. Mit 20 Treffern schoss Wilson Bournemouth im Folgejahr fast im Alleingang zum Aufstieg in die Premier League. Nach tollem Saisonstart in Englands Eliteklasse mit fünf Treffern seinen ersten sieben Partien, schien es, als würde er auch eine Etage höher an seine überragende Torquote aus den Vorjahren anknüpfen können, bis ihn im September 2015 eine Schock-Diagnose ereilte. Kreuzbandriss hieß es damals.  

Doch damit nicht genug: Nachdem er die endlos wirkende Reha hinter sich gebracht hatte und rund ein halbes Jahr nach seinem Comeback wieder auf dem Weg zu alter Stärke war, riss er sich erneut das Kreuzband und war wieder zum Zusehen verdammt.

An Fußballspielen war in seinen ersten beiden Jahren in der Premier League nur selten zu denken, sodass sich selbst der Sohn des heute 26-Jährigen zeitweise andere Idole suchte als seinen Vater.

Bournemouth und Wilson mit tollem Saisonstart in der Premier League

"Als ich verletzt war, trug er alle möglichen Trikots - nur nicht meins", sagte Wilson mal dem Guardian. "Zlatan Ibrahimovic, Nathan Ake und eines Tages sagte er: 'Papa, ich will ein Trikot von Josh King.'" Der Joshua King, der das tat, was eigentlich Wilson tun wollte. Woche für Woche für die Cherries auf dem Rasen stehen und Tore schießen.

Dass es Wilson trotz zweier Kreuzbandrisse innerhalb von zwei Jahren dennoch schaffte, auf die große Bühne in der Premier League zurückzukehren, ist ehrenwert. Zumal er in der laufenden Saison mit sechs Toren und fünf Assists einen großen Anteil am starken Saisonstart seines Teams hat.

Dass er am Donnerstagabend tatsächlich sein Debüt für die Three Lions feiern durfte, ist nicht weniger als ein Fußballmärchen.

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