Ex-BVB-Keeper Mitch Langerak im Interview: "Ich habe nie mit Thomas Tuchel gesprochen"

Ex-BVB-Keeper Mitch Langerak spricht im exklusiven Interview über eine ungewöhnliche Transferzusage und einen Torhüterdeal hinter seinem Rücken.


EXKLUSIV-INTERVIEW

2010 verpflichtete Borussia Dortmund Torhüter Mitch Langerak als Ersatzmann für Roman Weidenfeller. Mit dem BVB feierte der heute 32-Jährige zwei Meisterschaften sowie das Double 2012. Nach zwei Jahren beim VfB Stuttgart sowie einem kurzen Engagement in Levante zog es den Australier 2018 zu Nagoya Grampus nach Japan.

Im Interview mit Goal und SPOX spricht Langerak über die BVB-Zusage im Halbschlaf, positive Naivität und den Umgang mit dem überraschenden Abschied Jürgen Klopps.

Außerdem verrät er, warum er nie Kontakt zu Thomas Tuchel hatte, über welche Umwege er in Stuttgart von der Verpflichtung von Ron-Robert Zieler erfuhr und was Shinji Kagawa mit der japanischen Liga zu tun hat.

Herr Langerak, 2010 wechselten Sie aus Australien von Melbourne Victory nach Deutschland zum BVB. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie vom Interesse eines solch großen Klubs erfahren haben?

Mitch Langerak: Mein Berater rief mich um 3 Uhr morgens an, um mir mitzuteilen, dass Dortmund mich so schnell wie möglich verpflichten wolle. Ich war im Halbschlaf, also sagte ich: 'Ja, super, kein Problem. Lass' uns morgen reden.' Am nächsten Tag rief ich ihn zurück, weil ich mir nicht mehr sicher war, ob es ein Traum war. Ich fragte ihn: 'Von welchem Verein war die Rede? Werder Bremen, Hertha BSC?' Als er sagte, dass es tatsächlich Dortmund sei, konnte ich es nicht glauben.

Ihr ehemaliger BVB-Teamkollege Mustafa Amini hat im Interview mit Goal und SPOX behauptet , dass Australier nicht viel über Dortmund wüssten. Was wussten Sie?

Langerak: Ehrlich gesagt nicht so viel, wie ich hätte wissen sollen. Mir war bewusst, dass es einer der größten Klubs des Landes war. 2010 war der BVB allerdings noch nicht so groß wie jetzt, denn die Erfolgsphase hatte gerade erst begonnen. Mittlerweile kennt sie in Australien jeder.

Wie erinnern Sie sich an Ihr erstes Treffen mit Jürgen Klopp?

Langerak: Ich hatte nicht viel von ihm gehört, aber mein Berater sagte, dass er der nächste große Trainer in Deutschland werden würde und dass alle ihn liebten. Als ich ihn schließlich traf, sagte er nur: 'Es ist egal, ob du schlecht spielst oder Fehler machst. Solange du hart arbeitest und trainierst, wirst du nie ein Problem mit mir haben.' Ich erinnere mich heute noch an diese Worte. Nach diesem Motto habe ich auch meine ersten Monate in Deutschland gelebt.

Welchen Weg zeigte Ihnen die Borussia anfangs auf?

Langerak: Der Plan war, die Nummer zwei hinter Roman Weidenfeller zu sein, ihn zu unterstützen und bei Bedarf zu vertreten. Ich hatte nicht den Druck, jede Woche zu spielen, weil ich wahrscheinlich etwas naiv war, aber auf eine gute Art und Weise.

Inwiefern?

Langerak: Als ich nach Deutschland kam, wusste ich nicht, wie groß Fußball in Europa wirklich ist. Das war ein Vorteil für mich, so konnte ich mich auf mein Training und meine Entwicklung konzentrieren.

Während Ihres fünfjährigen Engagements beim BVB blieb Ihnen hauptsächlich die Rolle hinter Weidenfeller. In unserem Interview 2014 sagten Sie, dass Sie sein Nachfolger und Dortmunds Nummer eins werden wollen. Auch Teddy de Beer, Ihr ehemaliger Torwarttrainer, meinte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis Sie Weidenfeller ersetzen würden.

Langerak: In den ersten beiden Jahren war es ausschließlich mein Ziel, mich zu verbessern. An Weidenfeller gab es kein Vorbeikommen. In meiner dritten Saison wollte ich unbedingt den nächsten Schritt machen, ich habe dann auch einige Spiele bestritten. In einer perfekten Welt spielt man von der ersten Minute an. Als Torhüter ist das aber nicht immer möglich, also musste ich geduldig bleiben.

ROMAN WEIDENFELLER MITCH LANGERAK BORUSSIA DORTMUND 17032015
Quelle: Getty Images

Ex-BVB-Keeper Langerak über Debüt gegen den FC Bayern

Wie fühlt es sich an, unter Klopp zu spielen? Vor allem, wenn man meist nicht in der Startelf steht - wie schafft er es, dass man die Motivation behält und daran glaubt, dass er volles Vertrauen in die Ersatzspieler hat?

Langerak: Es ist die Art und Weise, wie er mit den Spielern spricht. Er gibt jedem Einzelnen das Gefühl, wichtig zu sein. Er unterhält sich mit jedem über Alltägliches. Wir waren damals eine der besten Mannschaften der Welt und nur 14 Spieler konnten spielen. Der Rest musste auf seine Chance warten.

Die erste Chance bot sich Ihnen ausgerechnet in einem entscheidenden Spiel im Rennen um die Deutsche Meisterschaft gegen den FC Bayern München im Februar 2011, das mit 3:1 gewonnen wurde. Wie haben Sie diesen Tag in Erinnerung?

Langerak: Weidenfeller war verletzt und am Tag vor der Partie erfuhr ich, dass ich spielen würde. Als Keeper ist es immer schwer, nach langer Zeit das erste richtige Spiel zu bestreiten. Mein Debüt im wahrscheinlich größten Spiel der Saison in München zu geben und dort zum ersten Mal seit 20 Jahren zu gewinnen, war sehr aufregend.

Was haben Klopp und Ihre Teamkollegen vor dem Spiel zu Ihnen gesagt?

Langerak: Klopp war ruhig und machte Witze. Es war fast so, als würden wir ein Freundschaftsspiel bestreiten. Ich begriff nicht, wie wichtig das Spiel war, ich war immer noch naiv. Ich sah das eher so: Wenn wir gewinnen, ist das großartig, aber wir haben immer noch das nächste Jahr vor uns. Als junger Kerl und Australier war das meine Mentalität. (lacht) Marcel Schmelzer kam zu mir und sagte: 'Du hast schon einmal 90 Minuten Fußball gespielt und große Spiele bestritten. Es sind nur weitere 90 Minuten, nicht mehr und nicht weniger.' Wir hatten eine sehr gute Truppe, das machte es einfacher für mich.

Wer war Ihr bester Mitspieler aus dieser Truppe?

Langerak: Nuri Sahin war fantastisch. Aber wir hatten auch großartige Spieler wie Robert Lewandowski, Neven Subotic und Mario Götze.

Gab es jemanden, der Ihnen im Training am meisten Probleme bereitet hat?

Langerak: Am ehesten Ivan Perisic, er war unglaublich. Marco Reus und Lewandowski aber auch.

Langerak über den Kampf um die Nummer eins beim BVB

Zum Ende der Hinrunde der Saison 2014/15 ersetzten Sie Weidenfeller für vier Spiele, nachdem er eine Schwächephase hatte. Beeinflusste das ihr Verhältnis?

Langerak: Gar nicht. Klopp entschied oft kurzfristig, wer im Tor stand. Meine Beziehung zu Weidenfeller war fantastisch. Er wusste, dass ich nicht gekommen bin, um Probleme zu bereiten oder Vaseline auf seine Handschuhe zu schmieren. (lacht)

2015 verkündete Klopp überraschend seinen Abschied zum Saisonende. Wie wurde das von der Mannschaft aufgefasst?

Langerak: Es war ein großer Schock, denn wir haben es nicht kommen sehen. Ich habe es zu Hause in den Nachrichten gesehen. Damals war es schwer zu realisieren, dass einer der besten Trainer der Welt einen der besten Vereine der Welt verlässt. Er hat unglaublich viel für unsere Karrieren getan. Aber das ist Profifußball. Es herrschte ein sehr professionelles Umfeld, daher kam niemand weinend zum Training.

Mitch Langerak Borussia Dortmund Bundesliga 2014
Quelle: Getty Images

In der Folge übernahm Thomas Tuchel - und Dortmund verpflichtete mit Roman Bürki einen neuen Torhüter. Wie hat das Ihre Perspektive verändert?

Langerak: Ich bin nicht dumm, ich wusste, dass es mit einem neuen Trainer und einem neuen Torwart sehr schwierig für mich werden würde. Also sagte ich zu meinem Berater, dass wir nach anderen Optionen suchen müssen. Buchstäblich am selben Tag kontaktierte mich der VfB Stuttgart.

Wo Sie schließlich unterschrieben - nachdem Sie in einem Interview gesagt hatten, dass Sie in Dortmund den Kampf um die Nummer eins annehmen wollen.

Langerak: Natürlich sagte ich das. Ich war im Urlaub, als alles passierte, was hätte ich sonst sagen sollen? (lacht)

Hat Ihnen der BVB nicht schon früher von seinen Plänen mit Bürki erzählt?

Langerak: Mir wurde das etwa eine Woche vor Verkündung des Transfers mitgeteilt, aber es war in Ordnung. Ich wollte eigentlich um den Platz zwischen den Pfosten kämpfen, aber dann ergab sich die Gelegenheit, nach Stuttgart zu gehen. Diese Herausforderung wollte ich unbedingt annehmen.

Langerak über Tuchel, Klopps Rat und ein Versprechen

Fühlten Sie sich nach vielen erfolgreichen Jahren in Dortmund nicht in der Lage, das Rennen zu gewinnen?

Langerak: Wenn ich geblieben wäre, hätte ich es schaffen können. Wenn ein neuer Trainer einen neuen Spieler für deine Position verpflichtet, muss man die Situation richtig einordnen. Es spielt keine Rolle, wie man sich selbst einschätzt und für wie gut man sich hält. Wenn ein guter Torhüter auf dem Markt ist, liegt es in der Verantwortung des Vereins, sich um ihn zu bemühen.

Wie reagierte Tuchel, nachdem Sie Ihre Entscheidung getroffen hatten?

Langerak: Ich habe ihn nie getroffen oder mit ihm gesprochen. Ich habe auch nie mit Bürki trainiert. Es spielte sich alles in der Sommerpause ab. Ich habe mit Michael Zorc gesprochen und ihm alles erklärt. Er war traurig, aber zeigte Verständnis.

Fühlten Sie sich vom Klub hintergangen?

Langerak: Absolut nicht. Ich hege keinen Groll gegen Dortmund. Ich war froh, dass ich bei meinem Abschied alle umarmen und mich bedanken konnte.

Sie verbrachten fünf Jahre hinter Weidenfeller. Hatten Sie zuvor bereits das Bedürfnis verspürt, eine neue Herausforderung anzugehen?

Langerak: In meinem vorletzten Jahr hatte ich ein Gespräch mit Klopp. Ich fragte ihn, was ich seiner Meinung nach tun sollte, um voranzukommen. Soll ich mich ausleihen lassen, um woanders Spielpraxis zu sammeln? Er sagte, dass er mir Einsätze geben würde und es das Beste sei, zu bleiben und weiter zu arbeiten. Er versprach mir aber auch, dass er mich in einem Jahr auf Leihbasis gehen lassen würde, wenn ich wollte. Aber in diesem Moment wollte er, dass ich bleibe.

Langerak: VfB Stuttgart? "Ein anderer Blick auf das Geschäft"

In Stuttgart konkurrierten Sie mit Przemyslaw Tyton um den Platz zwischen den Pfosten - dann zogen Sie sich kurz vor Saisonbeginn eine schwere Knieverletzung zu. Wie haben Sie diesen Rückschlag psychisch verarbeitet?

Langerak: Ich unterschrieb als Nummer eins, war dann aber sechs Monate außer Gefecht. Zum Zeitpunkt meiner Rückkehr steckte Stuttgart bereits mitten im Abstiegskampf und ich konnte nicht helfen. Es war hart, aber gleichzeitig interessant, einen anderen Verein zu erleben.

Was war, im Vergleich zu Dortmund, die größte Herausforderung beim VfB?

Langerak: Es war gut, einen anderen Blick auf das Geschäft zu erhalten. Beim BVB haben wir immer um Titel mitgespielt, in Stuttgart ging es direkt in den Abstiegskampf. Der VfB ist ein großartiger Verein, aber es herrscht nicht die gleiche Stabilität wie in Dortmund. Dort hatte ich fünf Jahre lang den gleichen Trainer und das gleiche Umfeld. In Stuttgart wurden hingegen die Trainer und Sportdirektoren häufig gewechselt. Es kann aber nicht alles ausschließlich positiv sein, so läuft es in einer Karriere nicht.

Am Ende der Spielzeit 2015/16 stieg der VfB ab - erstmals seit 1975. Wie waren die Stimmung und die Situation im Umfeld des Klubs?

Langerak: Es war eine absolute Katastrophe. Wir haben uns jedoch schnell wieder auf die nächste Saison konzentriert. Ich hatte einige Angebote und hätte gehen können, aber ich habe alles abgelehnt. Es war das Beste für mich, in der zweiten Liga jedes Spiel zu bestreiten. Deshalb habe ich gleich gesagt, dass ich bleiben werde.

Sie haben dann als einziger Profi jede Minute gespielt, wurden Zweitligameister und schafften den Wiederaufstieg. Im Anschluss kamen Sie früher aus dem Urlaub zurück, um sich auf die anstehende Bundesligasaison vorzubereiten. Dann wurde Ihnen wie schon in Dortmund erneut ein neuer Keeper vor die Nase gesetzt wurde - Ron-Robert Zieler. Wie haben Sie sich gefühlt?

Langerak: Es war natürlich enttäuschend, weil ich wahrscheinlich einer unserer besten Spieler in diesem Jahr war. Es war aber eine interessante Situation.

Langerak über Zieler-Transfer: "Ich hielt mich bedeckt"

Inwiefern?

Langerak: Im März, als wir noch einige Spiele vor uns hatten, sagte ein guter Freund, der als Berater tätig ist: 'Mitch, da du mein Freund bist, möchte ich, dass du weißt, dass Stuttgart nächste Saison einen neuen Torhüter verpflichten wird.' Ich war verärgert, aber ich wollte professionell bleiben und noch härter am gemeinsamen Ziel Aufstieg arbeiten. Als wir Meister wurden und auf dem Feld feierten, wusste ich, dass dies mein letztes Spiel im Stuttgarter Trikot war.

GER ONLY MITCH LANGERAK VFB STUTTGART
Quelle: imago images/Avanti

Haben Sie mit dem Klub darüber gesprochen oder sind die Verantwortlichen auf Sie zugekommen?

Langerak: Es gab keinerlei Informationen seitens des Klubs, aber wir wussten natürlich Bescheid. Ich hielt mich ebenfalls bedeckt und habe mit niemandem gesprochen.

Ihre nächste Station war 2017 UD Levante in Spanien. Wie kam der Wechsel zustande?

Langerak: Ich wollte die Gelegenheit nutzen und einen Neuanfang starten. Ich war bereit, überall hinzuwechseln, wenn auch nur die geringste Chance auf Einsätze bestand. Ich ging zu Levante, obwohl ich wusste, dass ich nicht direkt spielen würde. Sie aber hofften, dass ich mich nach spätestens sechs Monaten durchsetzen würde. Das war alles, was ich wissen wollte: dass ich die Möglichkeit habe, zu spielen.

Gab es Angebote von Vereinen, bei denen Sie direkt Stammkeeper geworden wären?

Langerak: Es gab nicht viele Optionen. Da ich Ausländer bin, gibt es nur bestimmte Länder, in denen ich spielen kann. Ich kann beispielsweise wegen meines Passes nicht nach England gehen. Es herrschen komplizierte Regeln für Australier, um in Europa zu spielen.

Erklären Sie!

Langerak: Ich hätte keine Genehmigung erhalten. Fast jeder Australier, der in England spielt, besitzt zwei Pässe - einen australischen und einen europäischen. Deutschland ist eines der Länder, in dem ich spielen kann. Es ist aber beispielsweise schwierig nach Spanien, wo ich eine Sondergenehmigung erhalten habe, oder in die Niederlande zu gehen. Ich habe versucht, die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen, habe es zeitlich aber nicht geschafft.

Am Ende blieben Sie lediglich vier Monate bei Levante und absolvierten ein einziges Spiel in der Copa del Rey.

Langerak: Ich erhielt ein großartiges Angebot von Nagoya Grampus aus Japan. Nach Dortmund war das die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.

Langerak: "Als würde man mit 15 Kagawas auf dem Platz stehen"

Wieso haben Sie sich dafür entschieden?

Langerak: Die Gelegenheit war optimal für mich. Es war eine gute Entscheidung, sowohl mit Blick auf den Fußball als auch auf den Lebensstil. Ich hatte das Gefühl, gebraucht zu werden und alles schien sehr professionell. Außerdem ist Japan näher an Australien und an meiner Familie, es liegt in der gleichen Zeitzone. Ich habe sieben Jahre in Europa verbracht, das ist für Australier eine sehr lange Zeit, um von zu Hause weg zu sein. Nicht viele halten so lange durch. (lacht)

Wie würden Sie den Fußball in Japan im Vergleich zu Europa beschreiben?

Langerak: Der Fußball ist fantastisch und es gibt viele großartige Spieler. Europäischer Fußball ist körperbetonter, in Japan liegt der Fokus dagegen mehr auf Technik, auf schnellem Kurzpassspiel. Eine Art, es zu beschreiben, ist Shinji Kagawa: Es ist, als würde man mit den technischen Fähigkeiten von 15 Kagawas auf dem Platz stehen. Wenn deutsche Fans sich einige Spiele ansehen würden, wären sie überrascht. Es gibt viele Berater, die die japanische Liga beobachten. Ich denke, dass es in Zukunft viel mehr japanische Spieler geben wird, die den Sprung nach Europa schaffen.

Neben Ihnen stehen drei Brasilianer und ein Südkoreaner im Kader - der Rest kommt aus Japan. Wie wirkt sich das auf die Kommunikation aus?

Langerak: Wir haben alle Übersetzer, aber viele Japaner sprechen auch etwas Englisch.

Sie haben die Ligen in Deutschland und Spanien erlebt. Fühlen Sie sich manchmal unterfordert?

Langerak: Absolut nicht, es ist eine riesige Herausforderung. Die J-League ist die beste Liga in Asien. Im vergangenen Jahr spielten wir gegen Vissel Kobe mit Andres Iniesta, Lukas Podolski, Thomas Vermaelen und David Villa. Es gibt zudem japanische Spieler, die zum Teil sogar besser sind als die Europäer. Als Torhüter spielt es keine Rolle, gegen wen man spielt. Es ist egal, wer den Torschuss abgibt. Wenn er gut ist, bekommt man so oder so Probleme.

Was war für Sie der größte Unterschied oder die größte Herausforderung im täglichen Leben?

Langerak: Der Respekt und die Disziplin der Spieler sind unglaublich. Egal, was der Trainer sagt, es wird nicht diskutiert. Wenn in Deutschland das Training um 10 Uhr morgens beginnt, kommen alle um 9 Uhr an und gehen, sobald das Training vorbei ist. Wenn in Japan das Training um 10 Uhr angesetzt ist, sind die Spieler bereits um 8 Uhr da und gehen vor der eigentlichen Einheit in den Kraftraum. Manchmal bleiben sie sogar bis 15 oder 16 Uhr. Sie arbeiten jeden Tag und den kompletten Tag, das ist normal. Ich bin wahrscheinlich eher an den europäischen Stil gewöhnt. Es gibt auch andere interessante Dinge. Zum Beispiel findet man keine Mülleimer, aber es liegt auch kein Müll auf der Straße. Wenn es in Europa keine Mülleimer gäbe, wären die Straßen voller Müll.

Vor einigen Monaten infizierten Sie sich mit Covid-19, waren allerdings symptomfrei. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Langerak: Ein Teamkollege hatte es zuerst, daraufhin wurden alle getestet. Es stellte sich heraus, dass ich positiv war, aber ich wusste beziehungsweise fühlte nichts. In Japan muss man für zehn Tage ins Krankenhaus. Ich fühlte mich die ganze Zeit gesund, aber es war sehr beängstigend und schwierig, weil ich Angst hatte, dass es mir schlechter gehen und ich meine Familie anstecken könnte. Danach wurde ich zweimal negativ getestet, so dass ich das Krankenhaus wieder verlassen durfte. Das Land scheint alles unter Kontrolle zu haben, die Zahlen sind stabil.

Haben Sie bestimmte Maßnahmen ergriffen?

Langerak: Wir haben uns sowohl davor als auch danach immer an die Vorsichtsmaßnahmen gehalten. In Japan geht niemand ohne Maske aus dem Haus, das ist völlig normal. Trotz aller Richtlinien lässt es sich aber nicht vermeiden. Ich war schon immer sehr vorsichtig, daran hat sich nichts geändert. Wir hatten in dem Fall einfach Pech.

Ihr Vertrag läuft im Januar 2021 aus. Inwiefern beeinflusst die Corona-Situation eine mögliche Fortsetzung Ihrer Karriere in Japan?

Langerak: Ich bin in der gleichen Lage wie jeder andere auf der Welt. Im Moment ist es schwer zu sagen, aber ich hoffe, dass ich hier weitermachen kann. Wir werden sehen, was passiert. Jetzt heißt es Daumen drücken.

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