Germany v Slovakia - FIFA World Cup 2026 QualifierGetty Images Sport

"Weltklasse, wie ich meinen Körper reinstelle und durch die Beine abschließe": Nach fünf Toren in zwei Spielen führt für Julian Nagelsmann an diesem Stürmer kein Weg vorbei

Der VfB Stuttgart bleibt weiterhin der Angstgegner von Borussia Dortmund. Nach fünf Niederlagen in Serie gegen die Schwaben konnte der BVB am Samstag immerhin ein 3:3-Unentschieden erreichen. Zufrieden war dennoch niemand in gelb-schwarz im Signal Iduna Park um 17.26 Uhr: Erneut kassierte man einen entscheidenden Treffer in den Schlussminuten - ein Muster, das sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht. 

Ein weiterer Grund für Dortmunder Frust war Stuttgarts Deniz Undav, der einen herausragenden Tag erwischte und sich mit seinem Dreierpack eindrucksvoll für die Nationalmannschaft empfahl. Auf Dortmunder Seite überzeugte zudem Maximilian Beier auf einer ungewohnten Position. 

Die Erkenntnisse zum Sechs-Tore-Spektakel:

  • Maximilian Beier 2025getty

    Maximilian Beier könnte auf links zur Dauerlösung werden

    Die jüngste Entdeckung beim BVB nach dem Spitzenspiel gegen Stuttgart ist eindeutig Maximilian Beier mit seiner Fähigkeit, auf einer für ihn ungewohnten, deutlich defensiveren Position zu agieren. Beier, der normalerweise im offensiven Mittelfeld oder auf der Stürmerposition zu Hause ist, wurde gegen den VfB als linker Schienenspieler eingesetzt, der im Angriff wie ein Flügelspieler, in der Defensive wie ein linker Außenverteidiger in einer Fünferkette agiert. Trainer Niko Kovac hatte ihn bereits beim zähen 1:0-Arbeitssieg gegen den FC Augsburg vor der Länderspielpause erstmals auf dieser Position ausprobiert. Während der Plan gegen Augsburg noch nicht wirklich aufging, funktionierte er gegen Stuttgart jedoch umso besser.

    Beier war nämlich der beste Spieler in schwarzgelb. Defensiv, wo man vielleicht Schwierigkeiten hätte erwarten können, ließ er nichts anbrennen. Gleichzeitig trug er auch offensiv entscheidend bei - mit einem Tor und einer Vorlage. Als Linksverteidiger hatte Beier noch mehr Handlungsspielraum, um seine Stärken - Antritt und Schnelligkeit (nur Karim Adeyemi ist bei den Dortmundern schneller) - auszuspielen. Beim 2:0 etwa reagierte er nach Serhou Guirassys zunächst abgewehrtem Schuss am schnellsten und staubte aus kurzer Distanz ab. Beim zwischenzeitlichen 3:2 marschierte Beier von hinten eine lange Strecke mit, hätte sogar selbst abschließen können, entschied sich jedoch, den Ball noch einmal auf Adeyemi zu legen, der den Treffer nach schwierigen Tagen und seiner Waffenkontroverse besonders dringend benötigte. 

    Auf die Frage, was er aus dem Spiel mitnehme, antwortete Beier bei Sky: "Dass ich anscheinend auch links außen spielen kann. Nicht nur als Stürmer, nicht nur in der Pocket, sondern auch links außen". Ob im die Rolle auf Dauer gefalle, sagte er: "Offensiv, ja. Defensiv muss ich noch ein bisschen daran arbeiten. Aber das wird schon." 

    Für Kovac deutet sich daher ein kleines Luxusproblem an: Wenn Beier seine Leistungen auf diesem Niveau fortsetzt, könnte er sich als vielversprechende langfristige Lösung für die linke Außenbahn etablieren - eine Position, die mit Daniel Svensson jedoch bereits stark besetzt ist. Gegen Stuttgart kam der Schwede zwar von der Bank, normalerweise ist er jedoch die erste Wahl auf links außen: In neun seiner elf Bundesligaspiele stand er von Beginn an auf dem Platz.

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  • Niko Kovac BVBgetty

    BVB hadert erneut mit altbekanntem Problem

    Ein anderes großes Problem - ohne den Zusatz "Luxus" -, mit dem sich Kovac weiterhin auseinandersetzen muss, sind hingegen die späten Gegentore. In Europa gibt es wohl kaum eine Mannschaft, die sich selbst so häufig das Leben schwer macht und so anfällig ist wie der BVB. Die Dortmunder Fans haben in der aktuellen Spielzeit mehrmals bitter lernen müssen, dass man sich bei ihrer Mannschaft nie zu früh sicher sein darf - ganz gleich, wie groß der Vorsprung wirkt. 

    Zwar hat der BVB wettbewerbsübergreifend relativ selten Punkte liegengelassen, doch wenn es passiert, dann meist auf dramatische Weise in den Schlussminuten. Beim Saisonauftakt gegen den FC St. Pauli kassierte man innerhalb weniger Minuten zwei späte Gegentreffer (3:3), in der Champions League gegen Juventus Turin (4:4) erging es dem Team ähnlich. Kurz vor der Länderspielpause gab man auch gegen Aufsteiger Hamburger SV in der Nachspielzeit einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand und musste sich mit einem 1:1 begnügen.

    Gegen Stuttgart zeigte sich das bekannte Muster erneut: Nachdem der BVB in der 89. Minute erneut mit 3:2 in Führung gegangen war und der Sieg zum Greifen nah schien, folgte in der Nachspielzeit die nächste kalte Dusche. "Unter dem Strich sind wir von dem Ergebnis enttäuscht", so Kovac. Er führte aus: "Es war wieder mal mehr drin für uns. Wir haben wieder zwei Punkte verschenkt." Zwar habe der VfB "ein wirklich gutes Spiel gemacht", aber: "Es war Spektakel, aber was bringt mir Spektakel, wenn wir wieder nur einen Punkt haben?"

    Noch gefrusteter äußerte sich Maxi Beier: "Du machst in der 90. das Tor und kassierst in der 90. den Ausgleich. Das ist scheiße, ganz ehrlich. Dementsprechend ist auch die Stimmung. Nämlich am Boden."

    Durch späte Gegentore gingen dem BVB in der Bundesliga bereits sechs Punkte verloren. Hätte man diese geholt, stünde man mit 28 Zählern dicht hinter Tabellenführer FC Bayern München. Die Realität ist jedoch eine andere: Vorerst muss man sich mit Platz drei und neun Punkten Rückstand auf den Rekordmeister begnügen.

  • Deniz Undav VfB Stuttgart 2025IMAGO / Norbert Schmidt

    DFB-Empfehlung: In dieser Form führt kein Weg an Deniz Undav vorbei

    Auch wenn Beier gegen Stuttgart eine herausragende Leistung zeigte, ging der Titel des Man of the Match verdienterweise an Stuttgarts Deniz Undav. "Da kann es keinen anderen geben", stellte VfB-Coach Sebastian Hoeneß klar.

    Ein Blick auf die Statistiken unterstreicht das: Undav schnürte einen Dreierpack und sicherte damit fast im Alleingang den Punkt für die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß. Besonders sehenswert war sein erster Streich, als er mit dem Rücken zum Tor stehend den Ball aus dem Stand unhaltbar für Gregor Kobel ins Netz lenkte. Nach dem Spiel sparte der 29-Jährige nicht mit Selbstlob: "Weltklasse, wie ich meinen Körper reinstelle und durch die Beine abschließe, muss ich sagen", erklärte er im Sky-Interview zu seinem dritten Treffer.

    Mit seinem Dreierpack steht Undav nun bei sechs Saisontoren, obwohl er bereits vier Spiele aufgrund einer Innenbandverletzung verpasste. Fünf dieser sechs Treffer erzielte er allein in den vergangenen beiden Ligaspielen gegen den FC Augsburg und nun den BVB. Mit Blick auf die Nationalmannschaft setzte er damit ein deutliches Ausrufezeichen und macht sich für Bundestrainer Julian Nagelsmann für die WM im Sommer bemerkbar - auch wenn Undav selbst betonte: "Das Spiel war noch keine Bewerbung. Es ist noch relativ früh. Wenn ich jetzt drei Spiele nicht treffe, bin ich wieder ein schlechter Spieler. Ich muss konstant Leistung bringen und Tore schießen."

    Nagelsmann hatte Undav zuletzt im Juni nominiert, seitdem spielt er keine Rolle mehr im DFB-Team. Auch für die jüngsten WM-Qualifikationsspiele wurde er nicht berücksichtigt. Mit Nick Woltemade scheint das langjährige Mittelstürmer-Problem nun endlich gelöst zu sein. Dennoch wird Nagelsmann nicht lange wegsehen können, sollte Undav seine aktuelle Torform beibehalten: "Ich glaube, dass ich, wenn ich die Leistung bringe, immer eine Option bin. Das weiß der Bundestrainer, und ich versuche, es so schwer wie möglich für ihn zu machen."

    Dabei sei er ja gar kein Stürmer, äußerte sich Undav bei Sky sarkastisch zu der Kritik, dass er von einigen Experten nicht als solcher wahrgenommen werde. Bereits nach dem Spiel gegen Augsburg hatte er klargestellt: "Ich bin ein klassischer Stürmer, der spielstark ist. Es ist ja nicht meine Schuld, dass ich spielstark und klein bin und deshalb nicht als Stürmer gesehen werde." Ein Stürmer, der vielleicht schon bald wieder das Trikot des viermaligen Weltmeisters tragen könnte. 

    Hoeneß jedenfalls sagte anerkennend: "In der zweiten Halbzeit war er absolute Weltklasse. Er hat in Dortmund drei Tore gemacht, gegen Schlotterbeck, Anton und Can. Das war eine überragende Leistung. Deniz ist im Flow."

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